Eröffnung des Pharmacon Meran

„Küren wir die Göttin der Weisheit und Freiberuflichkeit zur Schönsten!“

Meran - 21.05.2017, 16:00 Uhr

BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer (hier 2016) eröffnet traditionell den Pharmacon. (Foto: DAZ)

BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer (hier 2016) eröffnet traditionell den Pharmacon. (Foto: DAZ)


Das EuGH-Urteil zur Rechtmäßigkeit der Gewährung von Rx-Boni durch ausländische Versandapotheken inspirierte BAK-Präsident Andreas Kiefer zu einem Ausflug in die griechische Mythologie: Bei der Eröffnung des Pharmacon in Meran bemühte er das Urteil des Paris und warnte davor, die falsche Göttin zur Schönsten zu erklären. 

Zur Erinnerung: Alle Götter sind zur Hochzeit von Peleus und Thetis geladen, nur Eris, die Göttin der Zwietracht nicht. Ihrer Funktion gerechtwerdend wirft sie einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ in die Runde und löst zwischen den anwesenden Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene einen Streit um den Apfel aus. Göttervater Zeus drückt sich vor der in seinen Händen liegenden Entscheidung und überlässt sie Paris, dem verstoßenen Sohn des trojanischen Königs Priamos. Die drei Göttinnen buhlen mit ganz unterschiedlichen Versprechungen um seine Gunst: Hera verspricht ihm die Herrschaft über die Welt, Athene Weisheit und Aphrodite schließlich die Liebe der schönsten Frau der Welt. Paris entscheidet sich für Aphrodite. Nur ist Helena, die schönste Frau der Welt, schon verheiratet - und zwar mit Menelaos, dem König von Sparta. Zur Erfüllung des Versprechens muss sie geraubt werden, was letztlich den Trojanischen Krieg ausgelöst hat. 

Die schönen Göttinnen der Apothekenwelt

Zurück in unsere Apothekerwelt: In den Augen von Kiefer ist

  • Aphrodite, die Göttin der Liebe und des Versandes. Sie besticht mit übergroßen Boni und Rabatten.
  • Hera, die Göttin der Macht über die Welt und des Fremdbesitzes. Sie besticht mit Aufhebung der Apothekenpflicht und gigantischen anderen Versprechungen, und
  • Athene, die Göttin der Weisheit und der freiberuflich geführten Apotheke. Sie besticht mit unabhängigen Beratungen, vermeidet Fehl- und Mehrgebrauch von Arzneimitteln und garantiert Arzneimittelsicherheit.

„Paris, der unschuldige Verbraucher“ 

Und nun kommt Paris ins Spiel, den Kiefer mit dem unschuldigen Patienten und Verbraucher gleichsetzte. Paris bzw. der Patient, der jetzt die Verlockungen gewichten soll und im Zweifel nur den kurzfristigen Preisvorteil sieht, aber nicht erkennt, in welche Qualitätsfalle er langfristig tappt. Zu Ende gedacht bedeutet das für Kiefer: Wenn die Politik bzw. die Regierung nicht ihrer Pflicht nachkommt, zu entscheiden, landen wir in Punkto Arzneimittelversorgung und Arzneimittelsicherheit im Chaos. Das gilt es zu verhindern. Stattdessen muss sichergestellt werden, dass folgende Versorgungsziele erfüllt werden:

  • Diskriminierungsfreier Zugang zu Arzneimitteln: Das heißt, unabhängig von Einkommen, Bildung und sozialem Status muss jeder Bürger mit den Arzneimitteln versorgt werden, die er benötigt. Letztlich muss dazu die Gleichpreisigkeit zwingend erhalten bleiben.
  • Flächendeckende Versorgung: Jeder Bürger erhält eine persönliche Beratung zu dem Arzneimittel, das ihm ausgehändigt wird. Er benötigt keine Online-Beipackzettel, keine Computer-übersetzte Video-eingespielte Gebrauchsanweisung. Denn mit dem Produkt in der Hand treten Fragen auf, die nur im persönlichen Gespräch zu beantworten sind. Zum Beispiel: Wie bekomme ich das Produkt aus dem Blister, wie dosiere 17,5 ml oder warum sind die blauen Tabletten jetzt rot?
  • Indikationsgesteuerte und bedarfsgerechte Arzneimitteltherapie auch in der Selbstmedikation;
  • Sicherheit durch freiberufliche Entscheidung; 
  • Schutz vor Mehr- und Fehlgebrauch;
  • Schutz vor Fälschungen.

Zurück in die Welt des Olymp: In unserer demokratischen Gesellschaft regiert, so Kiefer, zum Glück nicht Zeus alleine: „Wir, die Bürgerinnen und Bürger, sind der höchste Olympionik! Wählen wir als Gesellschaft gemeinsam die sichere Arzneimittelversorgung, küren wir die Göttin der Weisheit und Freiberuflichkeit zur Schönsten!“


Dr. Doris Uhl (du), Apothekerin
Chefredaktion DAZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

Narziss

von Christian Giese am 22.05.2017 um 14:01 Uhr

Nö, ganz so cannabisiert sehe ich die Erinnerungen an die griechische Mythologie vom Kollegen Kiefer nicht.
Bestimmt wollte er nicht nur von Zeus und Hera erzählen, sondern auf den Jüngling Narziss hinweisen, der durch eine verweigerte Liebe mit unstillbarer Selbstliebe bestraft wird. Sich im eigenen Spiegelbild im Wasser einer Quelle für den Schönsten hält und ob soviel sozialer Fehleinschätzung, plumps ins Wasser fällt und sich im Ertrinkungstode in die allerschönste Blume, eben eine Narzisse, verwandelt.
Bestimmt wollte Herr Kiefer griechischmythologisch auf die nutzlosen, bald süchtigen Selbstverliebtheiten bei Führungskräften, auch innerhalb unserer ABDA Führung ganz "unausgesprochen" hinweisen.

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AW: Narziss

von Christian Redmann am 22.05.2017 um 19:02 Uhr

... oder so.

Ich weiß schon, warum ich zu solchen Veranstaltung nicht gehe... ich steh in meiner Bude und mach Pharmazie...

... in Meran oder Davos würde ich aktuell nur Magenschmerzen und Stress-Ulzera bekommen bei dem... Ausbund an schöngeistiger Selbstbeschäftigung & super-tollen Gastkommentator wie dem FDP-Menschen.

Ne... nicht meine Welt. Absolut nicht meine Welt.

... im Ernst jetzt?

von Christian Redmann am 22.05.2017 um 11:27 Uhr

Tschuldigung, wenn ich mich jetzt mal präventiv für einen etwaigen Verstoß gegen die Netiquette entschuldige...


... aber: in Zeit substanzieller Bedrohungen und Existenzängste erachte ich die schöngeistige Verklausulierung in griechischen Mythologien als absolut verfehlt und frage mich ernstlich, was Kollege Kiefer vorher genascht hat....

Hört sich'n bisserle nach Cannabis flos bedrocan an...

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