„billigendes Töten zur ProfitMaximierung“

Das sagt Pfizer zu den Fälschungs-Vorwürfen 

Berlin - 18.05.2017, 16:00 Uhr

Pfizer hat sich gegenüber DAZ.online zu den Vorwürfen des ARD-Beitrags geäußert. (Foto: picture alliance / empics)

Pfizer hat sich gegenüber DAZ.online zu den Vorwürfen des ARD-Beitrags geäußert. (Foto: picture alliance / empics)


Beim ARD-Themenabend am gestrigen Mittwoch wurde unter anderem die Geschichte einer Krebspatientin erzählt, die in einer Apotheke eine unwirksame Fälschung des Tyrosinkinase Inhibitors Sunitinib (Sutent) erhalten haben soll. Ihr behandelnder Arzt erhebt schwere Vorwürfe gegen den Hersteller Pfizer. DAZ.online hat die Firma um Stellungnahme gebeten.

Um zu beweisen, dass auch hierzulande gefälschte Präparate über den HV-Tisch gehen, erzählt der ARD-Beitrag die Geschichte einer Patientin, die an Nierenkrebs leidet. Sie wird mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Sutent (Sunitinib) von Pfizer behandelt, den sie aus einer deutschen Apotheke bezieht. Nach einer Folgeverordnung tauchen auf einmal wieder Metastasen auf, und sie hat keine Nebenwirkungen mehr. Der Arzt vermutet, dass das Präparat eine wirkungslose Fälschung war und gibt dem Pharma-Unternehmen Pfizer die Schuld. „Das ist ein billigendes Töten zur Maximierung eigener Profite.“

Hersteller Pfizer erklärt gegenüber DAZ.online, dass man es zutiefst bedauere, dass möglicherweise eine Patientin zu Schaden gekommen sei, weil sie nicht das „echte“ Sutent von Pfizer erhalten habe. Hinweise zu einem durch Fälschungen von Sutent geschädigten Patienten lägen der Firma allerdings bislang nicht vor. Im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtungen und im Sinne der Patientensicherheit seien diese Information aber an die Arzneimittelsicherheitsabteilung weitergeleitet worden. Man habe diese auch um die aktuellen Informationen aus dem Tagesthemen-Beitrag ergänzt. Nun sei es an dieser Abteilung den Fall wissenschaftlich zu klären und den behördlichen Meldeauflagen gerecht zu werden.

„Fälschungen stammen nicht von Pfizer" 

Pfizer möchte in diesem Zusammenhang aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese angeblich gefälschten Medikamente nicht von Pfizer stammen, sondern von Kriminellen. Diese betrögen die Patienten und schädigten sie unter Umständen schwerwiegend. Sie verletzten aber auch das  Ansehen der Firma sowie deren geistiges Eigentum. Den Eindruck, der in der Berichterstattung der ARD erweckt wird, Pfizer nehme das Fälschen seiner Medikamente billigend in Kauf, möchte Pfizer nicht auf sich sitzenlassen. „Wir widersprechen dem entschieden“, erklärt eine Sprecherin.

Selbstverständlich arbeite man mit auch mit dem Zoll sowie nationalen und internationalen Polizeibehörden wie Interpol zusammen, denen die Verfolgung der Straftäter obliegt. Hinweise auf Fälschungen gebe man an die zuständigen Behörden weiter und helfe bei der Identifizierung von Fälschungen. In dem TV-Beitrag wurde darauf hingewiesen, dass Pfizer und andere Pharmaunternehmen eine Zeit lang die Fälschungs-Ermittler von Interpol finanziell unterstützten. Laut TV-Dokumentation hatte der US-Konzern Privatdetektive beschäftigt, um herauszufinden, ob das Krebsmedikament Sutent wirklich gefälscht nach Europa eingeführt werde. Nach ersten Verdachtsfällen der Detektive habe Pfizer die Ermittlungen aber spontan wieder eingestellt, heißt es im Beitrag. Zu diesem Vorwurf äußerte Pfizer sich nicht. 

SecurPharm und Hologramm-Etiketten

Pfizer betonte in diesem Zusammenhang auch das vielfältige Engagement der Firma gegen Fälschungen ihrer Medikamente, zum Beispiel durch SecurPharm. Zudem setze man bei Pfizer weitere Technologien ein, um Medikamenten-Verpackungen fälschungssicher zu gestalten – zum Beispiel Hologramm-Etiketten.

Denn die Sicherheit der Patienten habe höchste Priorität. Und gegen den Vorwurf, Fälschungen unserer Medikamente billigend in Kauf zu nehmen, verwehre man sich strikt. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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4 Kommentare

Rolle von Pfizer bei Medikamentenfälschungen

von Clara am 25.05.2017 um 13:00 Uhr

Wie der Beitrag der ARD belegt, weiß Pfizer schon seit 2011 von der freien Zugänglichkeit von 105 originalen! druckreifen (reprofähigen) Verpackungsdaten und anderen sensiblen Daten im Internet und hat bis heute nichts dagegen unternommen.
Die Pharmabranche ist nicht die einzige Branche, die seit Jahren unter steigendem Druck stehen.
Es ist auch grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, wenn im Ausland produziert wird - wenn die qualitativen Rahmenbedingungen passen - und das scheint bei Medikamenten ja nicht der Fall zu sein.
Der eigentliche Skandal besteht aus meiner Sicht aus zwei Komponenten:
A) der Gesetzgeber erhöht seit Jahren mittelbar und unmittelbar den Druck auf die Pharmaunternehmen.
Er hat aber überhaupt nichts unternommen, die Qualitätskontrollen den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Was nun dringend "dran" ist, ist schwere Verstöße gegen GMP ins Strafgesetzbuch aufzunehmen, so dass Manager, die Tötung durch Unterlassen billigend in Kauf nehmen und gravierende Verstöße aus Angst um ihr PR nicht melden dorthin kommen, wo sie in einem solchen Fall hingehören.
B) Wenn Pfizer 2011 innerhalb eines Jahres auf erhöhte Gefahren durch massive Fälscherabktivitäten bei Sutent und gleichzeitig über ein Datenleck informiert wird, dass mehr als die Hälfte des Pfizer Jahresumasatzes betrifft und dann die Behörden nicht infomiert oder wenigstens "Strafanzeige gegen unbekannt" stellt und 6 Jahre später die Daten noch frei zugänglich sind, dann bekommt Pfizer zu Recht ein Glaubwürdigkeitsproblem - bei Konsumenten und bei seinen Aktionären, die wohl auch nicht gewarnt wurden
Ich bin angesichts der vorgelegten Fakten einigermaßen fassungslos und wünsche mir dringende Aktivitäten der Strafverfolgungsbehörden und des Gesundheitsministeriums.

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Hauptsache legal egal ...

von Christian Timme am 22.05.2017 um 10:08 Uhr

Im Rahmen der "geforderten Digitalisierung" sollte es doch möglich sein, wenn alle Kontrollen bereits versagt haben, dem Patienten selbst eine weitere "Verifizierung" zu ermöglichen. Damit der "ungewollten Selbsttötung" nicht weiter "Tür und Tor" geöffnet werden. Neben dem "Verusacherprinzip" sollte nun auch noch das "Fördererprinzip" bei der Suche nach ... angewendet werden ... gewisse Profiteure sollten deshalb "doppelt" zahlen ...

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Fälschungen

von JB am 22.05.2017 um 8:29 Uhr

AM Fälschungen sind ja jetzt nicht neu (ich erinnere: Diebstahl von Trastuzumab aus italienischen Krankenhäusern und dann Streckung). Gefälscht wird seit jahrzehnten, vom Antibiotikum über Sildenafil bis hin zu Zytostatika (die DAZ berichtete). Zu Schlussfolgern, der Originator bringt Fälschungen seiner eigenen Ware in den Umlauf und lässt die Patienten dann billigend sterben, kommt einem so vor, als würde ein Überfallopfer an den Pranger gestellt weil es sich verprügeln ließ. Ist es nicht eher im Interesse eines Herstellers, dass die Patienten von seinem "tollen" Medikament besonders profitieren und lange leben? Anstatt durch unwirksame Fälschungen in den Ruf zu geraten "bringt ja eh nichts". Messerscharfe Schlussfolgerung - Chapeau Sherlock

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Arzneimittelfälschungen

von Heiko Barz am 19.05.2017 um 11:45 Uhr

Zu schnell werden in den Medien, bei der Flut von Arzneimittelfälschungen, Firmennamen ins Spiel gebracht, die sich selbstverständlich mit allem Nachdruck und zurecht gegen die erhobenen Anschuldigungen zur Wehr setzen.
Wer aber ist denn verantwortlich für die kriminelle Energie, die zu diesen haltlosen Fälschungs - Zuständen hingeführt hat?
Die wahren Antreiber sind nach wie vor die KKassen.
Dem unglaubliche Druck auf die Pharmazeutische Industrie, mit der die unsäglichen "Rabattverträge" ausgehandelt wurden, und der immer dramatischer wird, kann zwangsläufig nur mit der Möglichkeit, Billiglohnländer ins Boot zu holen, begegnet werden.
Über das System der Importe und Reimporte müßte ein eigenes Symposium eingerichtet werden.
Die zwangsweise eingeführte Importquote, -auch durch die KKassen erzwungen - ist eigentlich komplett kontraproduktiv, und führt auf welchen undurchsichtigen Wegen auch immer, zum Anstieg der kriminellen Arzneimittelwirtschaft.
Es ist nur bedauerlich, dass niemand auf Presseebene in der Lage ist, obwohl schon lange bekannt, diesen haltlosen Zustand der dabei handlungsunfähigen Apotheker zu beenden.
Die wahren Schuldigen sitzen in den überdotierten Vorstandsetagen der KKassen, Mit dem immer gleichen Tenor, es doch ausschließlich für Ihre zahlenden Mittglieder machen zu müssen.
Diese Gier setzte sich dann nahtlos bei der unfassbaren Retaxwelle weiter fort. Ein Ende ist nicht in Sicht!
Und jetzt schon wird massiv an der "Überzahlung" des Apothekenhonorars von 8,35€ 'gegraben'.
Das Ganze ist ein Albtraum !!

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