Robert-Koch-Institut

Neue Kategorie „begrenzt viruzid plus“ reicht gegen Noroviren

Berlin - 17.05.2017, 09:00 Uhr

Hygienische Händedesinfektion ist für die Vermeidung der Weiterverbreitung von viralen Krankheitserregern bedeutsam. (Foto: mitiu / Fotolia)

Hygienische Händedesinfektion ist für die Vermeidung der Weiterverbreitung von viralen Krankheitserregern bedeutsam. (Foto: mitiu / Fotolia)


Bislang gab es bei Händedesinfektionsmittel zwei  Wirkkategorien: viruzid und begrenzt viruzid. Letztere wirken gegen behüllte Viren. Die viruziden machen auch den hartnäckigeren unbehüllten den Garaus. Nun wurde noch ein dritter Wirkbereich festgelegt: begrenzt viruzid plus. Er liegt zwischen den zwei  Bisherigen und inaktiviert bestimmte unbehüllte Viren, zum Beispiel Noroviren. 

Bei Mitteln zur Händedesinfektion wurden für die Wirksamkeit gegen Viren bislang zwei Wirkungsbereiche definiert. Danach können Produkte als begrenzt viruzid, also wirksam gegen behüllte Viren, oder viruzid,  das bedeutet wirksam gegen behüllte sowie auch unbehüllte Viren, ausgelobt werden. Behüllte Viren (z.B. Influenza-, Herpes-, Hepatitis-Viren, HI-Viren) sind relativ instabil und daher gegen die gängigen Händedesinfektionsmittel mit alkoholischen Komponenten empfindlich. Demzufolge genügen für die Händedesinfektion zur Inaktivierung des behüllten Ebola-Virus die als begrenzt viruzid ausgelobten Produkte. Gegen die unbehüllten Rhinoviren beispeilweise, den Verursacher vieler banaler grippaler Infekte, hingegen reichen begrenzt viruzide Mittel nicht

Begrenzt viruzid plus

Unter den unbehüllten Viren gibt es aber solche, die sich leichter inaktivieren lassen als andere. Dieser Tatsache soll der neue Wirkbereich „begrenzt viruzid plus“  gerecht werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat ihn in seinem epidemiologischen Bulletin vom 4. Mai vorgestellt. Präparate mit dieser Bezeichnung wirken sowohl gegen mit den „begrenzt viruziden“ Mitteln erfasste, behüllte Viren als auch gegen bestimmte unbehüllte, nämlich Adeno-, Noro und Rotaviren. – und somit gegen solche Erreger, die häufig an größeren Ausbrüchen beteiligt sind. Bislang fanden sich zur Wirksamkeit gegen diese Viren oft widersprüchliche Angaben zum Wirkspektrum in der Packungsbeilage.

Die neue Gruppe hat im Vergleich zu den „viruziden“ Produkten, von denen bislang nur wenige mit geprüfter (Haut-)Verträglichkeit zur Verfügung stehen, geringere Prüfanforderungen. Das RKI erwartet, dass durch den zusätzlichen Wirkbereich sie Auswahl an wirksamen Produkten mit besserer Verträglichkeit zunehmen wird. Auf diese Weise erhofft man sich eine besser Compliance der Anwender bei der hygienischen Händedesinfektion. Sie sei für die Vermeidung der Weiterverbreitung von viralen Krankheitserregern so bedeutsam, erklärt das RKI.

Die Arzneimittekommission der Deutschen Apotheker weist darauf hin, dass die Desinfektionsmittellisten des Verbunds für angewandte Hygiene e.V. (VAH) und des RKI noch nicht entsprechend aktualisiert wurden. Dort eingetragene Produkte wurden bezüglich ihrer Wirksamkeit geprüft


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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