Modellprojekt

Französische Apotheker dürfen gegen Grippe impfen

Stuttgart - 15.05.2017, 08:30 Uhr

In den in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Nouvelle-Aquitaine dürfen speziell fortgebildete Apotheker gegen Grippe impfen. (Foto: picture alliance / maxppp)

In den in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Nouvelle-Aquitaine dürfen speziell fortgebildete Apotheker gegen Grippe impfen. (Foto: picture alliance / maxppp)


In zwei Regionen in unserem Nachbarland Frankreich müssen Patienten für die Impfung gegen die saisonale Influenza künftig nicht mehr unbedingt einen Arzt aufsuchen. Apotheker dürfen dort die Impfung vornehmen. Der Modellversuch soll drei Jahre lang laufen.

Frankreich hat testweise in zwei Regionen Grippeimpfungen in Apotheken zugelassen. Das geht aus einem Regierungserlass hervor, der am vergangenen Freitag in Kraft getreten ist. Der Versuch läuft zunächst drei Jahre in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Nouvelle-Aquitaine. Die teilnehmenden Apotheker brauchen eine spezielle Ausbildung. Zudem müssen sie vor der Impfung das schriftliche Einverständnis der Patienten einholen. Der jeweilige Hausarzt wird vom Apotheker über die Impfung informiert. Das kann einmal über die elektronischen Medikations-Akten der Patienten geschehen. In dieses Dossier Pharmaceutique (DP), das es seit Anfang 2007 gibt, tragen Klinikärzte und niedergelassene Mediziner sowie Apotheker alle wichtigen Informationen zur Medikation ein. In Frankreich sind 99,8 Prozent aller Apotheken an das national etablierte System angeschlossen. Etwa 32 Millionen Franzosen haben eine solche Akte. Alternativ kann der Arzt über das elektronische Impfbuch, die letzte Neuerung am Dossier, informiert werden, indem die Apotheker die Impfung dort dokumentieren. 

Geimpft werden dürfen Erwachsene mit Ausnahme schwangerer Frauen und Personen, die noch nie gegen Grippe geimpft wurden. Der Modellversuch ziele drauf ab, die Impfquote zu verbessern, heißt es. Bei den Gewerkschaften der Ärzte und des Pflegepersonals hingegen stößt das Projekt der französischen Zeitung „Le Figaro“ zufolge auf Widerstände. Sie fürchten um ihre Kompetenzen. 

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Impfung in der Apotheke: In Großbritannien ein Erfolgsmodell

Frankreich ist nicht das einzige Land in Europa, das Apothekern das Impfen erlaubt. In vielen Kantonen in der Schweiz, in Portugal und auch in Großbritannien ist das der Fall. Im Vereinigten Königreich ist man mit den Ergebnissen der vergangenen Saison hoch zufrieden. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Dienstleistung wächst offenbar. Nach ersten Auswertungen des Pharmaceutical Services Negotiating Committee (PSNC) haben die öffentlichen Apotheker in England zwischen dem 1. September 2016 und dem 31. März 2017 fast 820.000 Grippeimpfungen verabreicht, gegenüber knapp 600.000 in 2015 / 2016. Die Zahl ist damit um rund 221.000 angestiegen. Endgültige Zahlen sollen später im Jahr veröffentlicht werden.

Der nationale Grippe-Impfdienst (Flu Vaccination Service) läuft in England seit 2015 / 2016. Er wurde gegründet, um die Inanspruchnahme der Impfung durch Risikogruppen zu maximieren.

In Deutschland derzeit kein Thema

In Deutschland ist man aus Rücksichtnahme auf die Ärzteschaft mit offiziellen Forderungen nach solchen Kompetenzerweiterungen zurückhaltend. Erst vor Kurzem erklärte Bayerns Kammerpräsident Thomas Benkert auf dem bayerischen Apothekertag in Würzburg, dass es ganz schwierig sei, die Ärzte davon zu überzeugen, Apothekern einzelne ihrer Tätigkeitsbereiche zu überlassen. Die Ärzte würden dann geschlossen das Dispensierrecht einfordern, so die Befürchtung. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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