Medikamentensicherheit in den Medien

„Arzneimittel aus der Apotheke sind sicher“

Berlin - 12.05.2017, 16:15 Uhr

Arzneimittel aus deutschen Apotheken sind sicher. (Foto: pixelstock / Fotolia)

Arzneimittel aus deutschen Apotheken sind sicher. (Foto: pixelstock / Fotolia)


Dieser Tage steht die Arzneimittelsicherheit im Mittelpunkt vieler Medien – Höhepunkt dürfte der ARD-Themenabend am 17. Mai sein. Die Pharmaverbände haben im Vorfeld eine gemeinsame Botschaft: Die legale Lieferkette und der Bezug von Arzneimitteln in der Apotheke ist hierzulande sicher! Aber: Hände weg von dubiosen Internet-Angeboten.

Am 17. Mai steht die Arzneimittelsicherheit bei einem Themenabend der ARD im Mittelpunkt. Zunächst wird der Spielfilm „Gift“ gezeigt – laut ARD „ein globaler Wirtschaftsthriller, der auf wahren Begebenheiten basiert“. DAZ.online berichtete bereits über die Vorpremiere am vergangenen Wochenende in Berlin. Danach folgt die Dokumentation „Gefährliche Medikamente – gepanscht, gestreckt, gefälscht", die den Fernsehfilm um Recherchen von realen Fällen ergänzen soll. Flankiert wird der TV-Abend  durch ein ARD Radio-Feature mit dem Titel „Lebensgefahr!“. Es wird – ebenso wie ein ausführliches Web-Special (pharmacrime.de) – ab 13. Mai 2017 veröffentlicht. 

Die vier Pharmaverbände in Deutschland – BAH, BPI, vfa und Pro Generika – haben im Vorfeld den Schulterschluss gesucht. Ihre Sorge: Patienten könnten verunsichert werden. Gemeinsam gingen sie am heutigen Freitag vor die Presse – allerdings vornehmlich die Fachpresse –, um darzulegen, wie sicher die Arzneimittelversorgung in Deutschland ist. Tatsächlich sind Arzneimittelfälschungen hierzulande eine absolute Einzelfallerscheinung – wenngleich es sie durchaus schon gab. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es bereits als Fälschung gilt, wenn zum Beispiel eine Bezeichnung auf der Packung nicht richtig ist, die Zusammensetzung aber völlig in Ordnung ist. 

Audits, Qualitätssicherung und Kontrollen entlang der Lieferkette

Doch im Grunde funktioniert die Kontrolle im rechtlich vorgegebenen Rahmen. „Die legale Lieferkette ist kein freier Spielplatz“, brachte es vfa-Sprecher Rolf Hömke auf den Punkt. Hier gehe nichts nach eigenem Ermessen, sondern es bestünden strenge Regeln. In Deutschland gibt diese das Arzneimittelgesetz vor, aber auch Europa macht mit seinen Regelungen zur Guten Herstellungs- und Vertriebspraxis (GMP und GDP) detailreiche Vorgaben. „Kaum eine andere Produktion wird so gut und umfassend überwacht wie die von Arzneimitteln“, sagt auch Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung, Innovation beim vfa.

Und 2019 wird die legale Lieferkette mit dem neuen Fälschungsschutzsystem SecurPharm sogar noch sicherer, zeigen sich die Pharmaverbände überzeugt. Thomas Brückner, Leiter Geschäftsfeld Pharmazie beim BPI, hat keinen Zweifel, dass mit den neuen Sicherheitsmerkmalen, die Arzneimittelpackungen künftig auszeichnen werden, den Fälschern das Handwerk gelegt werde. „Wir werden künftig jeden erwischen“, sagte er. Denn jedes Arzneimittel habe in Zukunft seinen eigenen einmaligen Code, der auf seiner Reise durch die Lieferkette stets abgefragt werden könne. Ganz am Ende, bei der Abgabe des Produkts an den Kunden, deaktiviere der Apotheker dann den Code. Er bleibe vorhanden, habe aber den Status „abgegeben“, sodass er nicht noch einmal verwendet werden kann – auch von keinem Fälscher.

„Illegal lässt sich nicht regulieren”

Doch so engmaschig die Kontrolle auch sein mag – das Problem bleiben die Fälschungen, die außerhalb der legalen Vertriebskette gehandelt werden. Denn: „Illegal lässt sich nicht regulieren“, betonte Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer. Fälscher, die oft auf gewinnbringende Life-Style-Produkte fokussiert sind, offerieren auf dunklen Wegen Produkte mit anderem, weniger oder gar keinem Wirkstoff. Das kann für Anwender wirklich gefährlich werden. Das einzige was hier hilft, ist den Verbraucher aufzuklären. Denn es liegt an ihnen zu entscheiden, ob sie ein Arzneimittel in einer Apotheke oder bei einem dubiosen Internetanbieter kaufen. Bretthauers klare Botschaft ist hier: „Nur der Bezug von Arzneimitteln in der Apotheke ist sicher“.  


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

Arzneimittelsicherheit: Der Film "Gift"

von Heiko Barz am 18.05.2017 um 11:23 Uhr

Warum wird bei solchen dokumentalen Realitätsfilmen
nicht mal hinterfragt, wieso es zu solch exzessiven Zeiterscheinungen kommt?
Seit Generika eingeführt wurden, das war noch zu Zeiten von Ehrenberg, üben die KKassen in toto einen immensen Druck aus, immer preiswertere Arzneimittel auf den Markt bringen zu müssen. Diese Abwärtsspirale endetet in den für die meisten von uns unsäglichen Rabattverträgen.
Natürlich spielen die Arzneifälscher auch auf anderen Plätzen. ( Vinagra und Co.) Aber auch hier wird die Missachtung der Gesundheit von Käufern wissentlich in Kauf genommen.
Der Film gestern Abend laberte zu lange herum, bis kurz vor Schluss dann endlich 'Ross und Reiter' benannt wurden.
Das Bedrückende für uns Apotheker war wieder die Erkenntnis, dass unser Berufstand als Kontrollinstanz keinerlei, bis auf einen kurze Anmerkung, Erwähnung fand.
Es bleibt dabei das Geschmäckle, dass der Apotheker bewußt mit in diese verbrecherische Kette gestellt wurde, denn in der Realität sind wir doch immer noch die einzig Greifbaren.
Diesen Zustand erleben wir bei unserer täglichen Arbeit, wo doch heute noch mindestens jeder zweite KKassenversicherte glaubt, wir würden die Zuzahlungen für Uns behalten. Und wenn dann erst die Diskussionen um die Arzneipreise beginnen, und wir bei den Hochpreisen zu unverschämten Millionären ausgewiesen werden, dann können wir jede Argumentation vergessen. Die Medien haben uns schon immer vorverurteilt.
Auch in diesem Film gibt es keinen Ansatz, den Apotheker real darzustellen s.o. !
Hätten wir etwas anderes erwarten können?

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Versandhandel

von Holger am 18.05.2017 um 8:34 Uhr

DAS ist doch mal ein Argument, das eines akademischen Heilberufs im Kampf gegen den Versandhandel mit Arzneimitteln würdig ist!!

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