Ginkgo-Präparat

Klosterfrau gibt im Streit um Apothekenpflicht auf

Karlsruhe/Köln - 05.05.2017, 16:30 Uhr

Aufgrund der aktuellen Rechtssprechung könnten Ginkgo-Extrakte demnächst aus Drogerieregalen verschwinden. (Foto: DAZ.online)

Aufgrund der aktuellen Rechtssprechung könnten Ginkgo-Extrakte demnächst aus Drogerieregalen verschwinden. (Foto: DAZ.online)


Das Oberlandesgericht Hamm hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass Klosterfrau sein Ginkgo-Präparat nur mit Arzneimittel-Zulassung verkaufen darf. Daraufhin legte die Kölner Pharmafirma Revision beim Bundesgerichtshof ein. Doch nun entschied sich Klosterfrau überraschend anders – und einigte sich mit dem Konkurrenten Schwabe außergerichtlich.

„Klosterfrau Ginkgo Plus“ ist kein Nahrungsergänzungs-, sondern ein Arzneimittel, darf aber bis Jahresende noch in Drogeriemärkten abverkauft werden. Das ist das Ergebnis einer außergerichtlichen Einigung zwischen Klosterfrau und dem Phyto-Hersteller Schwabe. Das Oberlandesgericht Hamm hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass Klosterfrau sein Ginkgo-Präparat nur als Arzneimittel verkaufen darf. Daraufhin legte die Kölner Pharmafirma Revision beim Bundesgerichtshof ein. Doch nun entschied sich Klosterfrau überraschend anders – und einigte sich mit dem Konkurrenten Schwabe außergerichtlich.

Die Kölner hatten ihr Produkt „Klosterfrau Ginkgo Plus“ nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht – und auch in Drogeriemärkten verkauft. Dagegen klagte Schwabe und erhielt im November vor dem Oberlandesgericht Hamm Recht: Klosterfrau darf sein Präparat nur als Arzneimittel vertreiben, urteilten die Richter (Az. I-4 U 1/10). Und: Arzneimittel mit Ginkgo-Extrakt sind nicht freiverkäuflich, sondern apothekenpflichtig.

Klosterfrau hatte argumentiert, in der Konzentration von 100 Milligramm pro Tablette verfüge der Extrakt über keine pharmakologische Wirkung, es handle sich weder um ein Funktions- noch um ein Präsentationsarzneimittel. Das überzeugte die Hammer Richter jedoch ebenso wenig wie das Argument, Ginkgo werde seit langer Zeit in einer Vielzahl von Lebens- bzw. Nahrungsergänzungsmitteln verwendet – etwa in Teeprodukten.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Bundesgerichtshof muss entscheiden

Darf Ginkgo ins Drogerieregal?

Landgericht verbietet „Indikationstisch“ für OTC-Arzneimittel von Klosterfrau

Zurück ins Sichtwahlregal!

1 Kommentar

Arzneimittelrecht?

von Wolfgang Adolf am 08.05.2017 um 10:29 Uhr

Es ist bemerkenswert, dass die Frage, ob es sich bei einem Produkt um ein apothekenpflichtiges bzw. um ein zulassungspflichtiges Arzneimittel handelt, oder um ein Nahrungsergänzungsmittel, im Wege eines Vergleiches zwischen zwei Pharmaherstellern entschieden wird.

Ich hatte gedacht, es gäbe bei uns Aufsichtsbehörden, die die Einhaltung des Arzneimittelrechts überwachen und ggf. durchsetzen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.