Apothekenketten

Schmidt bezeichnet FDP-Wahlprogramm als „inkonsistent“

Berlin - 02.05.2017, 17:00 Uhr

Die FDP will wieder in den Bundestag, macht sich unter Apothekern aktuell jedoch nicht viele Freunde. (Foto: dpa)

Die FDP will wieder in den Bundestag, macht sich unter Apothekern aktuell jedoch nicht viele Freunde. (Foto: dpa)


Gegenüber DAZ.online kritisiert ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die FDP-Forderung nach Apothekenketten. Diese Positionierung hatte der Landesverband Bayern beim Bundesparteitag eingebracht, obwohl sich dieser zuletzt noch vehement für die Erhaltung der inhabergeführten Apotheke vor Ort ausgesprochen hatte. FDP-Politiker erwägen offenbar, mit Ketten die Landversorgung sicherzustellen. 

„Die Aussagen des FDP-Wahlprogramms zur Arzneimittelversorgung und zum Apothekennetz in Deutschland sind inkonsistent“, erklärte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt auf Nachfrage von DAZ.online die Beschlüsse des FDP-Bundesparteitags – dieser hatte überraschend für die Abschaffung des Fremdbesitzverbotes votiert. „Der Anspruch, eine hochwertige Versorgung sichern zu wollen und die dafür vorgeschlagenen Instrumente passen leider gar nicht zusammen“, sagte Schmidt.

Komplexe Probleme lassen sich im Gesundheitswesen nicht durch die simple Standardforderung nach scharfem Preiswettbewerb und harter Deregulierung lösen, betonte der ABDA-Chef. „Wer das glaubt, lässt fachliche Expertise vermissen und verkennt, dass Gesundheit kein Gut wie jedes andere ist“, kritisierte Schmidt scharf. „Weder Fremdbesitz von Apotheken noch Preisbeliebigkeit bei Medikamenten können am Ende dem Patienten nutzen.“

Bleibt der ABDA-Präsident Parteimitglied?

Ob Friedemann Schmidt seine eigene FDP-Mitgliedschaft aufgrund des Parteitagsbeschlusses aufgeben will, wollte ein ABDA-Sprecher auf Nachfrage nicht kommentieren. „Die ABDA spricht keine parteipolitischen Empfehlungen aus“, erklärte er. Die Präferenz für eine Partei und die Mitgliedschaft in derselben sei jedem Bundesbürger selbst überlassen.

Wörtlich heißt es im FDP-Programm nun: „Weitere Marktzugangshemmnisse wie das Fremdbesitzverbot müssen abgeschafft werden.“ An anderer Stelle fordern die Liberalen jedoch „faire“ Rahmenbedingungen zwischen Apotheken und Versandapotheken. Und gleichzeitig wollen sie die Apotheke vor Ort „stärken“. Wie passt das zusammen?  



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Redakteur DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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17 Kommentare

Liberalisierung

von Karl Napp am 04.05.2017 um 17:08 Uhr

Die FDP hat ihre Lehren aus der "Hoteliersteuer" gezogen und tut, was Liberale eben tun: Liberalisierung des Marktes. Ein Einknicken vor der Apothekerlobby hätten ihr die politischen Gegner zu Recht um die Ohren gehauen. Auch weil es in den letzten Monaten immer mal wieder schlechte Presse wegen Korruption von Ärzten und Apothekern gegeben hat.

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Lindner, desorientiert?

von Heiko Barz am 03.05.2017 um 11:06 Uhr

Das Gros der Politiker, im diskutierten Fall der fdp, ist gar nicht gewill,t unsere vorgebrachten Belege und auch auch gewichtigen Gründe nachzuvollziehen. Die ausgelegten Wege, die diese Partei derzeit beschreitet sind vordergründig ausschließlich dem Wahlkampf geschuldet.
Es kann mir niemand schlüssig erklären, dass ein 'eloquenter' Lindner unsere Qualitäten nicht nachvollziehen kann, nur weiß er ganz genau, dass er mit dieser, auf eine bestimmte Juppie Ebene zielende, ' Digitalisierungswelle' wahlpolitisch Erfolg haben kann. Denn alle, die er für sich erheben möchte, werden in den meisten Fällen zu den eher Jungen und Gesunden gehören.
Auch wenn es sich noch so antiquiert anhört, die Apotheke ist ein vor dem aussaugenden Großkapital und für die Patienten zu schützendes Objekt, dass ja nur noch zu 10 bis 20% merkantil anzusehen ist.
Wenn uns die Konditionen erlaubt wären, die für Auslandsversender Gang und Gäbe sind, wären Boni und Rabatte auch für UNS kein Problem.
Das weiß auch Herr Lindner!! Dennoch 'sabbelt' er von der Gleichheit der Wertigkeiten unterschiedlicher Apothekensysteme und Ketten.
Unsere, über viele Jahrzehnte gewachsene Ausnahmequalität der Arzneimittelversorgung darf nicht auf dem Altar der einfachen merkantilen Qualitätsabwertungen geopfert werden.
Nun, Fiedeman, gib mal schnell dein fdp Parteibuch ab!!, denn sonst wirst Du unglaubwürdig und darfst UNS in der Mehrheit nicht mehr als ABDA Führer vertreten.

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Das Hohelied der Ketten…

von R. Lachenmaier am 03.05.2017 um 8:31 Uhr

Es gab mal eine Zeit, da wurden hier anonyme Beiträge nicht veröffentlicht – Schnee von gestern. Zum Hohelied der Ketten: Jaja, die Gehälter der Angestellten werden u.U. steigen, aber nur, wenn jemand dafür bezahlt. Gerade Ketten können kein Geld verschenken, sonst hat es sich schnell „ausgekettet“. Also wird der Beitragszahler geschröpft, nicht lukrative Standorte werden geschlossen. Das muss dann auch mal klar und deutlich ausgesprochen und vermittelt werden. Und lieber Vor-Schreiber: „hehre Pharmazie“ wird es in den anstehenden Ketten ganz sicher nicht geben (außer sie würde TEUER bezahlt! Siehe USA, Großbritannien, etc.)… da geht es schlicht und einfach um Zahlen. Und die müssen stimmen. Sonst war es das eben mit der gut bezahlten Anstellung. Irgendeiner wird schon die richtigen Zahlen liefern können. Natürlich alles zum Wohle des Verbrauch… äh, Stakeholders. Denn die wollen ja auch kräftig mit-verdienen. Beispiele dafür finden sie ausreichend in den bereits „verketteten“ Ländern.
Dass sich gerade die ach so freiheitsliebenden Liberalen die „Ketten“ aufs Fanal schreiben, entbehrt nicht einer besonderen Ironie. Vielleicht hätte mal ein Liberaler über den Wortsinn nachdenken sollen?!
Dass ein Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbotes im Sinne der Wähler und Bürger sei, ist ebenfalls ein Fehlschluss. Im Lutherjahr sollte man einfach mal dem „Volk aufs Maul“ sehen: die lieben und vertrauen ihren akademischen Budenbetreibern! Da mag die vereinigte Journaille und weitere Medien auch noch so draufhauen, die Patienten wissen, was sie an ihrer Apotheke haben: einen kompetenten Ansprechpartner zu Gesundheits- und Arzneimittelfragen, der ohne Ansehen der Person bereitwillig und kostenlos Auskunft gibt. Und auch gerne die Werbe-Mythen der Hersteller entkräftet und NICHTS verkauft. Verbraucherschutz und Arzneimittelsicherheit nennt sich das. Wäre schade, wenn das auch dem Hoch-Altar der Konzerne geopfert würde – und es wäre ganz sicher nicht im Sinne der Patienten…

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AW: Das Hohelied der Ketten

von J.Borsch am 03.05.2017 um 10:04 Uhr

Lieber Herr Lachenmaier,

wenn Sie mit Ihrer Bemerkung zu den anonymen Kommentaren auf den von "B. N. Ma" anspielen: Herr Ma heißt wirklich so.
Herzlche Grüße
Julia Borsch
Julia Borsch

AW: Das Hohelied der Ketten

von B. N. Ma am 03.05.2017 um 15:33 Uhr

Lieber Herr Barz, lieber Herr Lachenmaier,

Zunächst einmal vielen Dank Julia, dass du das mit meinem Namen richtig gestellt hast. Da kommt seit jeher Verwunderung auf ... :-)

Ich bin per se auch kein Freund der Kette, daher bitte ich darum, erstens nicht persönlich zu werden, zweitens in sich zu gehen, das eigene Kaufverhalten kritisch zu hinterfragen - wo kauft man Elektroartikel, Sportartikel etc.pp. - und dann nochmal auf die globale Entwicklung zu schauen. Sicher ist eine unabhängige Beratung und Betreuung der Patienten, bei denen die ApothekerIn auch "nein" sagt, weil es eben auf die Kompetenz und Beurteilung eines Produktes ohne den Zwang des Umsatzes einer Kette geschehen kann, das Optimum. In dieser Hinsicht bin ich zu 100% bei Ihnen.

Dennoch kann ich nicht anders, als hier den Advocatus Diaboli zu geben. Das hat vor allem zwei Gründe:

1. Lese ich Ihre und die Kommentare vieler Anderer aufgebrachter Kollegen seit Monaten mit. Es reicht von Verständnislosigkeit bis hin zur blanken Empörung - von Existenzangst bis hin zur Resignation was man liest - selten sind konstruktive Vorschläge erkennbar, wie die KollegInnenschaft mit dem - meiner Meinung nach nicht aufhaltbaren - Wandel umgehen möchte - in naher Zukunft und bereits in der Gegenwart. Die Argumentation des Verrats durch die Politik ist immer wieder erkenntlich, ebenso wie das Klagelied der missverstandenen Berufsgruppe. Natürlich wäre es schön, wenn manches beim Alten bleibt, allerdings ist unsere Generation Y & Z mittlerweile kaufkräftig und mündig und mit dem Internet bestens vertraut und in Deutschland ist leider immer noch der Marketing-Slogan, der jeden Unternehmer in den Ruin treibt, "Geiz ist Geil", durch die Bank weg salonfähig - wobei dieses unschöne Gefälle mittlerweile in Richtung "Nachhaltigkeit" im Wandel ist. Das ist mitunter einer der Gründe, weshalb Deutschland Jahr für Jahr Exportweltmeister wird, weil die Waren Made in Germany mittlerweile einfach zu teuer sind, um sie selbst als (angestellter) Deutscher (Apotheker) zu konsumieren. Ich bin nicht gesegnet durch Erbschaft einer Apotheke, dennoch nehme ich unseren Beruf sehr ernst. Und ich wäre nie davon ausgegangen, dass ich mal so schreibe, vor vielen Jahren, als Vordenker unseres Berufsstandes (Dr. M. E. etc.) diese Zukunft prognostiziert haben. Allerdings ist es Realität, dass wir inmitten dieser Entwicklung stecken und, dass auch die SPD, die Linke und die CDU irgendwann einknicken werden, wenn der Druck durch Brüssel und große Unternehmen, die einfach aufgrund des Kapitals Präzedenzen schaffen können im rechtlichen Sinne, nicht abreißt. Und das wird er nicht.

2. Ich sehe keine Resilienz vorgezeichnet. Viele, so hat es den Anschein, werden einfach aufgeben, wenn es soweit ist oder selbst schnell an dm oder Rossmann verkaufen, um ihre Schäflein ins Trockene zu bringen. Das ist, wie man im Neudeutsch so schön sagt, "fair enough". Wenn man nun aber beobachtet, was gesetzlich geregelt - und wie darüber nachträglich verhandelt wurde - dann weiß man, dass es kein Zurück mehr gibt, vor allem nicht, wenn man bedenkt, dass es z.B. den Solizuschlag immer noch gibt (ein wunderbares Beispiel, wie sich einmal installierte Gesetze, welche den Plebs "finanziell entlasten" - durch Abzug seiner wohlverdienten Euros - halten). Wäre es nicht brauchbarer, das Gemecker einzustellen, was uns als Berufsstand völlig lächerlich erscheinen lässt, sich zusammen zu setzen und über ein vernünftiges Entlohnungssystem nachzudenken? Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich mit einem Gehalt von ca. 2100 EUR netto mit dem Arbeitspensum als angestellter Apotheker nicht einverstanden bin, denn davon kann man sich kein Eigenheim mehr leisten und muss darum bangen, wenn das Auto mal in die Werkstatt muss. Nun noch selbst schnell zu gründen, um auf die Sonnenseite zu kommen, ist auch eher ein Himmelfahrtskommando in Anbetracht der jetzigen, unklaren Situation. Daher ist es mir - und vielen anderen jungen Kollegen - auch eher egal, wenn die Liberalisierung kommt, denn davon sind nur die kapitalen, bestandgeschützten Kollegen betroffen, die jetzt am lautesten schreien. Wir diskutieren hingegen darüber, wie man in Zukunft stark und selbstbewusst aufgestellt ist und was man an Mitwirkung einbringen kann. Ganz wichtig hier: Durch das Gezeter kommt es in sehr vielen wichtigen Punkten zum Ausschluss der ApothekerInnenschaft von sehr essentiellen Veränderungen im Gesundheitswesen, die Richtungsweisend sind - z.B. durch politisches Engagement, welches die Vorschlage einer Majorität von interessierten KollegInnen als Anträge - bei der Partei der Wahl - einbringt oder durch Gründung einer großangelegten Initiative (Genossenschaft), die zum Schutz Ihrer - m.E.n. richtigen und wichtigen Gründe der pharmazeutischen Unabhängigkeit / Bedenken bei einzelnen Produkten - lebt und stark zum Ausdruck bringt. Aber das auf Bundesebene.

Bitte denken Sie also auch mal von der anderen Seite - versuchen Sie sich in den Blickwinkel der jüngeren Generation hinein zu versetzen und bewerten Sie dann Ihre Situation neu. Entwickeln sie, kreativ, Konzepte, wie mit einer Umstrukturierung umgegangen werden könnte. Sie werden sehen, Sie werden es brauchen.

MfG

B.N. Ma

AW: Das Hohelied der Ketten

von R. Lachenmaier am 04.05.2017 um 18:16 Uhr

Lieber Herr Ma, sorry für das Namens-Mißverständnis...

ich gebe Ihnen in einigen Punkten Recht und finde auch mehrere interessante Denkansätze in Ihren Ausführungen. Das derzeit größte Problem ist sicher die derzeitige Perspektivlosigkeit für viele kleinere Apotheken UND deren Mitarbeiter. Eine staatliche Konstanz und Verlässlichkeit in der Gesundheitspolitik fehlt leider völlig. Die Auswirkungen der allgemeinen Frustration und des Pessimismus sind fatal: die Tatenlosigkeit auf allen Ebenen ebenfalls. Natürlich wäre es derzeit mehr als geboten, tragfähige und zukunftsfähige Lösungen zu finden und zu entwickeln. Aber letztlich muss auch der Staat Farbe bekennen: will er einen staatlichen Auftrag zur Arzneimittelversorgung und "wie" will er ihn ausgefüllt sehen oder will er ihn nicht? Die laissez-faire-Gesundheitspolitik der letzten Jahre hat zu einigen Fehlentwicklungen geführt - gepaart mit einer gewissen Saturiertheit auf Seiten der Apotheker - kein Klima für nachhaltige Entwicklungen und Veränderungen. Ausbaden muss es die jüngere Gründergeneration, die sich in den letzten Jahren für eine Selbständigkeit verschuldet hat.
Letztlich geht es in allen Bereichen ums Geld - ob Ketten billiger, sinnvoller und v.a. nützlicher wären? Ich glaube nicht. Würde gerne ausführlicher mit Ihnen zum Thema diskutieren, bin aber auch kein Pharmazeut. Grüße.

Glauben Sie ernsthaft...

von B. N. Ma am 03.05.2017 um 0:26 Uhr

..., dass nach dem EUGH Urteil und der Ausnutzung dieses Urteils durch holländische Versandapotheken, sowie der daraus resultierenden Diskussion in der Öffentlichkeit, die Inhabergeführte Apotheke weiterhin durch Lobbyarbeit gerettet werden kann? Glaube Sie, dass in einer zunehmend globalisierten Welt der EINZELHANDEL Apotheke weiterhin eine Chance hat? Finden Sie, dass der angestellte Apotheker von nebenan, verglichen zu seinen anderen Akademiker Kollegen, hinsichtlich Verantwortung, Know-How und Leistungsbereitschaft ausreichend entlohnt wird - und könnten (ja das ginge sicher) bzw. wollten Sie, als Inhaber einer eigenen Apotheke, denn überhaupt mehr für Ihre Fachkräfte zahlen?

Ich sehe mit dem notwendigen Abstand mittlerweile auch Vorteile in den Ketten, denn für den Leiter heißt es dann, wirtschaftlich entlastet zu sein - leiten heißt dann, Vorbildlicher Pharmazeut zu sein, nicht mehr die Grätsche zwischen BWL, Jura und Pharmazie hinbekommen zu müssen. Leiter sein, heißt, verglichen mit anderen Ländern der westlichen Welt, in der Ketten existieren, wesentlich höhere Gehälter zu beziehen und sich aufs Wesentliche konzentrieren zu können: ein guter Pharmazeut zu sein und damit dem Wohle des Patienten zu dienen. Bekommt man die Debatte aus der Distanz mit, so wirkt sich ehrlich gesagt lächerlich - wir wirken angesichts der vielen Einwände, auf die keine Taten folgen, lächerlich. Als Apotheker hat man gewerberechtlich eine Legitimation wie kein anderer Beruf im Hinblick auf Chemikalien, Arzneimittel, ja sogar Lebensmittel und andere Stoffe, die in irgendeiner Form gesetzlich definiert sind. Man hat ein breites Wissen und sollte selbstbewusster damit umgehen. Kein angestellter Apotheker sollte sich vor dieser Entwicklung fürchten, ganz im Gegenteil, denn eine finanzielle Besserstellung als der KV, der derzeit zu einem Gehalt führt, welches Netto ausgezahlt unter dem eines Grundschullehrers liegt, ist das mindeste, was an positiver Entwicklung aus der - nicht aufzuhaltenden Liberalisierung - resultieren wird. Hinzu kommt der Fokus auf die Hauptaufgabe eines Apothekers, die pharmazeutische Betreuung - zu der dann wesentlich mehr Zeit sein wird, da die wirtschaftlichen Prozesse durch Betriebswirte gesteuert werden und die Preise und Warenflüsse von Controllern gelenkt werden.

Da ändert sich auch nichts dran, sollte es wieder eine große Koalition geben - nur das der Nachteil einer GroKo der Untergang der Demokratie sein wird und wenn alles den Bach herunter geht, ist es doch eigentlich das kleinere Übel, wenn man das Fremdbesitzverbot aufhebt, finden Sie nicht?

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AW: Eine Anmerkung noch

von B.N. Ma am 03.05.2017 um 0:40 Uhr

Wichtig ist mir, dass Sie darüber nachdenken, was passiert, wenn das Unausweichliche, was längst im Gange ist, umgesetzt wird. Wichtig ist mir ebenso, dass es dann von der Kollegschaft mit Würde getragen wird und man nicht vergisst, weshalb es uns überhaupt gibt - zum Wohle der Patienten! So ist mein Kommentar zu verstehen - und ich werde aufgrund vieler anderer Gründe, weil ein "Weiter So" eben nicht vertretbar ist und weil die Pharmazie nicht alles im Leben ist, eben genau aus diesem Grunde FDP wählen. Mit kollegialen Grüßen

AW: Glauben Sie ernsthaft

von Heiko Barz am 03.05.2017 um 10:17 Uhr

Welchem idealistischen Brunnen sind Sie denn entstiegen?
Glauben Sie ernsthaft daran, dass Kettenorganisationen das "Wohl der Patienten" auf ihr Schild heben?
Ketten sind ausschließlich gewinnorientiert. Wenn die erst das Regiment über die Arzneimittelversorgung übernommen haben, werden die KKasen, Apothekengesetze bis hin zum SGB 5 keine Bedeutung mehr haben und auch der Staat wird sich diesem Kapitalmonopol ergeben müssen.
Und wo bleiben Sie dann mit Ihrem Wohl des Patienten??
Na, wählen Sie ruhig die fdp. ( extra klein geschrieben! )
" Nur die dümmsten Kälber.........", na Sie wissen schon!!

Berlin schont die Ärmel

von T. La Roche am 02.05.2017 um 22:14 Uhr

Die Angriffe gegenüber F. Schmidt sind viel zu provokant formuliert, es gibt genügend private Motivationen für die FDP zu sein....Tradition...Genscher... Hoffnung...oder einfach die liberale Idee an sich..., dass sich harte Arbeit wieder lohnen muss. Und wir wissen alle, dass ein einsames Glied, ein schuftender Budenbesitzer nicht so effizient ist wie eine Kette. Zum Beispiel fühlt man sich als Oberhaupt von vielen Apothekern viel besser als ein gescheiterter Budenbesitzer.
Vielleicht sind diese eloquenten Worte über die Inkonsistenz der FDP allenfalls nach Innen gerichtet. Man kann ja schon einen kleinen Purzelbaum machen, wenn überhaupt etwas aus Berlin kommt. Ich warte immer noch darauf, dass man doch einmal darüber nachdenkt, einen Pressesprecher zu engagieren.
Bisher arbeitet die Presseabteilung sehr engagiert daran, in den meinungsführenden Medien nach vielen Jahren den ersten öffentlichkeitswirksamen und fundierten Bericht zu platzieren. Insofern sind wir mit unseren sehr guten Argumenten so gut wie überhaupt nicht vertreten.

Die Bevölkerung hat noch gar nicht mitbekommen, dass die Apotheken akut gefährdet sind...WIE KANN DAS SEIN???

Nach jedem Gespräch mit Berlinern Mitarbeitern wird mir immer mehr bewußt, dass "weiter so" oberste Priorität hat.
Das Engagement hält sich wirklich in Grenzen... möglicherweise ist es gar nicht erwünscht.
Man sollte nicht den schwarzen Peter zur ABDA schieben, aber ich erwarte etwas mehr Gegenwehr.
Auch wenn zuvor nicht alles rund lief, das Schweigegelübde unseres "Pressesprecher" ist eine Dokumentation der eigenen Hilflosigkeit. Ein paar Monate hatte ich die Hoffnung, dass er vielleicht im Hintergrund irgendwie mediale Aufklärungsarbeit leistet. Was für ein Irrtum.
Manchmal muss man ordentlich Leben ins Team hauchen, damit wieder klar wird, dass man sich an einem entscheidenden Wendepunkt befindet.
Möglicherweise zuviel verlangt, scheint alles bequem in Berlin. Wenn es eng wird, erhöht man die Beiträge. Alles andere kann man nicht beeinflussen.

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AW: Berlin schont die Ärmel

von Martin Didunyk am 02.05.2017 um 22:44 Uhr

Es ist für unsere Lobby einfach der falsche Zeitpunkt, das müssen wir doch verstehen.
Das Palais in der letzten Phase der Veräußerung, Stress mit dem Umzug, Sorgen mit den neuen Immobilie, Auswahl der Möblierung etc...

Und als wäre das alles nicht schon anstrengend genug, dann ist Aktion für Mitglieder der Mitgliedsorganisationen der Mitgliedsorganisationen gefragt....

Nee oder ?

Gerade jetzt , wo fast schon vergessen wurde, was alles politisch versäumt, verschlafen, falsch eingeschätzt, unterlassen wurde.

Es scheint Eiszeit in schönen Büros zu herrschen, denn es wird nicht einmal versucht den Eindruck zu erwecken, es würde sich etwas bewegen .

Vermutlich aber täuschen wir uns alle und erleben in kommenden Monaten den Roll Out eines genialen Masterplan.

Nun Spaß beiseite. Haben wir je eine klare Mandatierung unserer Lobby angedacht oder gar gefordert? Haben wir je im Rahmen unserer freiwilligen Verbände nach dem Leistungsprinzip gerufen?


Versorgung im "ländlichen Raum"

von M.Hofmann am 02.05.2017 um 22:00 Uhr

"Offenbar sind Apothekenketten für ihn wie auch viele Parteifreunde eine Option, in schwach besiedelten Gebieten die Versorgung sicherzustellen". Merkt der Mann gar nicht, was für ein dummes Zeug er erzählt? Ein Blick nach Schweden würde doch reichen: DieKetten sind dort eben nicht in die ländlichen unterversorgten Regionen gegangen, sondern in die Städte. Und die Folge ist, dass die kettenfreien Landapotheken von Staats wegen dauersubventioniert werden müssen.

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Stillstand in "Zeitlupe" ...

von Christian Timme am 02.05.2017 um 20:42 Uhr

Wem die 4,x%-Schlinge bereits um den Hals gelegt wurde und wer die vibrierende Falltür unter den Füßen spürt ... der setzt auf Inkonsistenzen … Wenn die "gelben Blätter" fallen ... haben beide Herren wieder mal die Ziellinie nicht erreicht ...

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F. Schmidt

von Frank ebert am 02.05.2017 um 20:11 Uhr

Dieser Begriff von Hern Schmidt ist einfach gesagt : Schwachsinn ! So und jetzt wegen der Netiquette gehe ich lieber lecker essen.

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F.S.-Gesülze

von G. Wagner am 02.05.2017 um 18:49 Uhr

Was ist das denn für ein präsidiales Wortgesülze? Da erklärt eine Partei inhabergeführten Apotheken den Krieg und protegiert Apothekenketten und Versandapotheken - und FDP-Mitglied Friedemann Schmidt konstatiert "Inkonsistenzen" im Wahlprogramm seiner Partei. Ich glaube, ich bin im falschen Film. Und was sind das für abstruse Vorstelllungen von landexklusiven Apothekenketten, die wohl in der FDP Baden-Württemberg kursieren?

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"inkonsistent" ?

von Martin Didunyk am 02.05.2017 um 18:30 Uhr

beeindruckend mit welcher Leichtigkeit unsere "Lobby" unsere Anliegen kommuniziert.

Es macht fast den Eindruck, als würden sich unsere Lobbyisten als Kommentatoren des Geschehens definieren. Die Realität ist aber, sie sollten Hauptakteure des Geschehens sein.

Ohne Frage sind diese Reaktionen auf einem Niveau, das jede "École diplomatique" als staatsmännisch, gar präsidial bezeichnen würde.

Aber sind solche Beiträge effektiv genug ?

Treffen wir den Zeitgeist der politischen Entscheider oder pflegen wir einen angenehmen aber brotlosen und ergebnislosen Stil ?

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AW: Inkonsistent!

von Armin Spychalski am 02.05.2017 um 18:51 Uhr

Danke für diesen Kommentar. Ich kann mich auch noch an Schmidtsche Begrifflichkeiten wie "Larmoyanz" erinnern. Das soll gelehrt klingen, wirkt für mich aber wie etwas zwischen abgehoben, altmodisch und deplatziert.

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