Versandhandel und Rx-Boni

Lauterbach will nicht mit Freien Apothekern sprechen

Berlin - 27.04.2017, 10:27 Uhr


Am heutigen Donnerstag trifft sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mit in- und ausländischen Versandapothekern, um über eine Umgestaltung des Apothekenhonorars und Rx-Boni zu sprechen. Die ABDA wollte an diesem Gespräch nicht teilnehmen. Die Freie Apothekerschaft hingegen hatte sich zur Teilnahme bereit erklärt. Den Freien Apothekern zufolge will der SPD-Politiker allerdings nur mit „adäquaten Gesprächsteilnehmern“ sprechen.

Seit Wochen liegen die Apotheker und der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach im Zwist. Lauterbach hatte schon wenige Tage nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung mehr Wettbewerb gefordert, die ABDA hingegen das Rx-Versandverbot. Zu mehreren Gesprächen hatten Lauterbach und Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) die Apotheker und Versandapotheker eingeladen, um einen Kompromiss auszuhandeln. Die Apotheker und die Union lehnten allerdings alle Vorschläge jenseits des Rx-Versandverbots ab. Nun will Lauterbach weiter verhandeln – es soll um eine Umgestaltung des Apothekenhonorars gehen und um eine mögliche Deckelung der Rx-Boni, um die Apotheke vor Ort vor einem grenzenlosen Preiswettbewerb zu schützen, hatte Lauterbach zuvor erklärt.

Die ABDA hatte ihre Teilnahme an diesen Gesprächen abgesagt. Zuvor hatte auch Nüßlein seine Teilnahme für die Union ausgeschlossen. Nun wird aber bekannt, dass Lauterbach am heutigen Donnerstag durchaus mit Vor-Ort-Apothekern hätte sprechen können. Denn der Verein Freie Apothekerschaft hatte den SPD-Politiker laut einer eigenen Mitteilung gebeten, an der Veranstaltung teilzunehmen, zu der sonst nur der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) und der Verband der EU-Versandapotheken (EAMSP) kommen.

Freie Apotheker: Lauterbach hat Gesprächsteilnahme der Apotheker ausgeschlossen

Laut der Mitteilung hatten auch die Basisapotheker Westfalen-Lippe und der Bundesverband der Apothekenkooperationen (BVDAK) um eine Teilnahme an dem Gespräch gebeten. Lauterbach habe die Beteiligung dieser Verbände jedoch abgelehnt, teilten die Freien Apotheker am heutigen Donnerstag mit. In der Mitteilung des Vereins heißt es: „Die Bemühungen der Basisapotheker Westfalen-Lippe und des Bundesverbandes der Apothekenkooperationen BVDAK um ein Gespräch waren vergeblich.  Die Freie Apothekerschaft hatte bereits am 19. April schriftlich um eine Teilnahme zu diesem wichtigen Treffen gebeten. Nach der ersten schriftlichen Nachfrage in der letzten Woche erfuhr der Vorstand jetzt bei erneut telefonischem Nachhaken, dass der Verein „kein adäquater Gesprächspartner sei und deshalb nicht eingeladen würde“.

Vorstandsvorsitzende Dr. Helma Gröschel ist empört: „Für uns signalisiert das, dass bei einer derart ignoranten Haltung die SPD überhaupt nicht an Gesprächen mit niedergelassenen Apothekern interessiert ist. Es liegt nahe zu vermuten, dass die Gegner des Versandhandelsverbots unter sich bleiben wollen.“ Auf Nachfrage von DAZ.online wollte sich das Büro von Karl Lauterbach zunächst nicht zu diesen Vorwürfen äußern.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Lauterbach

von Reinhard Rokitta am 28.04.2017 um 10:36 Uhr

Der Vereinsvorstand der Freien Apothekerschaft, zu dem ich gehöre, geht keinem Gespräch mit Politikern, schon gar nicht solchen, die gegen uns entscheiden, aus dem Weg. Man muss leider gebetsmühlenartig immer wieder unsere Position verdeutlichen. Bei jedem Gespräch Auge in Auge lernt man dazu, auch die "altgediente" ABDA. Wir halten nichts von einer Diplomatie, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen.

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Lauterbach

von Alexander Zeitler am 28.04.2017 um 0:21 Uhr

Was gibt es denn mit diesem Typ zu reden. alle kennen seine Haltung zu uns.

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Lauterbachs neue Schlachtfelder.

von Heiko Barz am 27.04.2017 um 12:07 Uhr

Diese perfide Arroganz ist ja wohl nicht mehr zu überbieten.
Darf sich Lauterbach zu einer solchen Aufsplittung eines akademischen Berufstandes überhaupt hervortun?
Ich, Lauterbach, spiele die eine Gruppe gegen die andere aus und erreiche meine "Ziele" wesentlich einfacher und schneller als Großmogul des Deutschen Gesundheitswesens mit dem offensichtlichen Streben nach dem Amt des Gesundheitsministers im nächsten Kabinett.

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