Nach erstem Erfolg

DocMorris kämpft für Rx-Abgabe in Hüffenhardt

Karlsruhe - 26.04.2017, 18:15 Uhr

Ein Horror für die „analogen Apotheker“, hieß es in einem Fernsehbeitrag: DocMorris will schnellstmöglich wieder rezeptpflichtige Arzneimittel über seinen Automaten abgeben. (Foto: Kraichgau Stimme)

Ein Horror für die „analogen Apotheker“, hieß es in einem Fernsehbeitrag: DocMorris will schnellstmöglich wieder rezeptpflichtige Arzneimittel über seinen Automaten abgeben. (Foto: Kraichgau Stimme)


Das ging schnell: Innerhalb von 48 Stunden musste DocMorris seinen Abgabeautomaten samt Videoberatung zwar schließen. Doch das Regierungspräsidium hatte lediglich das Abgabeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel als sofort vollziehbar angeordnet. OTC verkauft DocMorris daher seit dem heutigen Mittwoch wieder – und geht nach Informationen von DAZ.online mit einem Eilantrag gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehung für Rx vor.

Der erste Erfolg reicht DocMorris noch nicht: Am heutigen Mittwoch durfte die niederländische Versandapotheke ihren Abgabe-Automaten mit Videoberatung in Hüffenhardt für OTC-Präparate wieder in Betrieb nehmen. Der Hintergrund: Das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe hatte nur für die Abgabe von rezeptpflichtigen Arzneimitteln ein Zwangsgeld angedroht und lediglich für Rx-Arzneimittel den Sofortvollzug seiner Entscheidung angeordnet. Bei OTC-Arzneimitteln konnte DocMorris hingegen durch die heutige Einreichung einer Klage bewirken, dass die Verfügung des Regierungspräsidiums in Bezug auf OTC-Arzneimittel aufgeschoben wurde. Es ist also zumindest bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe zulässig und „in Ordnung“, dass die Firma über den Automaten rezeptfreie Arzneimittel abgibt, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums DAZ.online bestätigte.

„Die Klage ist darauf gerichtet, den Bescheid des Regierungspräsidiums insgesamt aufzuheben“, erklärt ein Gerichtssprecher auf Nachfrage. Doch neben der Klage, die sich gegen das Land Baden-Württemberg richtet (Az. 3K 5393/17), hat DocMorris am heutigen Mittwoch auch einen Eilantrag (Az. 3K 5394/17) eingereicht – denn das niederländische Unternehmen will schnellstmöglich wieder rezeptpflichtige Arzneimittel abgeben dürfen. 

DocMorris will schnellstmöglich wieder Rx-Präparate abgeben

Der Eilantrag richte sich einerseits gegen die Anordnung der sofortigen Vollziehung des Abgabeverbots für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Andererseits geht DocMorris gleichfalls gegen ein Zwangsgeld vor, das das Regierungspräsidium für den Fall verhängt hatte, dass die Firma trotz des Verbots weiter Rx-Präparate abgibt. Insgesamt seien bislang 25 Seiten Begründung dem Gericht gefaxt worden, erklärt der Sprecher. Und DocMorris soll bereits die Vorlage weiterer Begründungen angekündigt haben. 



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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12 Kommentare

DocMorris Abgabeautomat

von Katja Schepper am 28.04.2017 um 8:58 Uhr

Liebe Kollegen, wo ist eigentlich Euer Problem? Ewig gestrig im Wandel der Zeit? OTC per Video Abgabe Automat, ist doch super! Rx, OK, da kann man drüber nachdenken, wie man das innovativ und modern lösen kann. Geht es nicht auch um die Versorgung der Menschen in dem Ort!

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AW: DocMorris Abgabeautomat

von Versorgung vor Ort am 28.04.2017 um 9:38 Uhr

Genau um die geht...eine Vollversorgung!
Die ist momentan durch die umliegenden Apotheken gewährleistet.
Ja, ein Abgabeautomat ist eine schnellere und bequemere Versorgung, aber eben nicht für Rezepturen, BTM, Notdienst, etc.
Wenn man hier Rosinenpicken erlaubt, dann macht man den vollversorgenden Apotheken, die dann die kostenintensive Lücken schließen müssen, das Leben schwer.
Damit werden die Apotheken auf dem Land weiter ausgedünnt.

Hüffenhardt, die Apo-Theken Apo-Kalypse?

von Heiko Barz am 27.04.2017 um 11:02 Uhr

Herr Tisch, wo haben Sie sich versteckt?
Es gibt Hände voller gewichtiger, belegbarer Gründe, eine sofortige Schließung dieser pharmazeutische Apokalypse in Hüffenhardt per 'Einstweiliger Verfügung' zu stoppen.
Fehlt Euch der Mut, oder habt Ihr Euch von Euren Geldgebern, den Zwangszahlern von der Apobasis schon verabschiedet?
Zum mitschreiben, Kollegen der von uns finanzierten ABDA,
Ihr seid dafür zuständig, dass dieser absolut haltlose und anscheinend sehr fragile Apothekengesetzzustand wieder auf eine festgemauerte Basis gestellt wird.
Wer bei Rot die Straße quert und demonstrativ der Polizei auch noch eine lange Nase macht, wie es vergleichsweise DOMO in Hüffenhardt mit der dortigen Obrigkeit praktiziert hat, darf nicht nur abgemahnt sondern MUSS mit aller Härte bestraft werden.
Wir kennen doch alle die Monita der kleinsten Vergehen, die bei einer Revision bemängelt werden mit der sofortigen Androhung juristischer Folgen. Da wird beim kleinsten Vorfall geschi....während bei Mißachtung der Gesetze bei DOMO nur gepupst wird.
Um im Bild der Verkehrsstrafen zu bleiben, DOMO hat sein Punktekonto ala Flensburg um Ellen überschritten und müßte unter wesentlich erschwerten Bedingungen eine neue Lizenz beantragen!

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Gleiches Recht auch für Einbrecher...

von Gerrit Linnemann am 27.04.2017 um 10:44 Uhr

Ich verstehe diese Juristen-Denke nicht: wenn das, was DoMo da macht, kein Inverkehrbringen von Arzneimitteln (egal ob rx oder apopfl.), was ist dann das Inverkehrbringen von Arzneimitteln, welches nur durch eine Apotheke erfolgen darf??

Die Gesetzeslage ist doch eindeutig!

Darf ein Einbrecher demnächst 4 Wochen lang jede Nacht den Supermarkt ausräumen, weil er Klage eingericht hat, da er sich in seiner freien Berfufsausübung diskriminiert fühlt...???

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Doc Morris

von MHO am 27.04.2017 um 10:41 Uhr

Man sollte die Oberhanseln von DoMo vielleicht mal darauf aufmerksam machen, dass es in Holland eine massive Unterversorgung im Apothekenbereich gibt (12 Apos auf hunderttausend Einwohnern statt 25 wie bei uns). Ein weites Feld, das DoMo mit Versand und Abgabestationen beackern könnte, wenn ihnen generell das Patientenwohl wichtig wäre. Warum also in die Ferne schweifen? Der leichte Profit liegt doch so nah... Oder sind doch allein die Deutschen zu blöde?

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Gesetzlosigkeit regiert die Apothekenwelt

von Karl Friedrich Müller am 27.04.2017 um 7:46 Uhr

Welche Auswirkungen hat das auf uns in der Apotheke?

Ständige Rechtsbrüche seitens DocMorris.
Behörden, die das Recht nicht durchsetzen, weil sie es offensichtlich nicht kennen. Also unfähig.

Eine tatenlose, ebenso unfähige ABDA, die es nicht fertig bringt, uns zu unterstützen.

Parteien, die außerhalb jeder Sachkenntnis und ohne Realitätsbezug mal so eben unsere Existenz abschaffen.
Dafür mit idiotischen Schlagwörtern agieren, um ausländischen Konzernen zu gefallen (für welchen Preis auch immer).

Das Gefühl der kompletten Ohnmacht.

Wie wollen Behörden so noch Recht und Ordnung in Apotheken oder sonst wo durchsetzen? Wenn es nur für Teile der Bevölkerung gilt?
Wenn Verträge nur für Teile der Partner gelten?
Auf WAS ist Verlass?

Und dann noch eine Honoraränderung? Die uns vermutlich noch schneller in den Abgrund treibt? Von der ABDA beabsichtigt, weil sie bestimmte Apotheken los haben möchte? Oder Konkurrenz vom Markt drängen möchte?
Eine Bereinigung durch Abdrängen in die Pleite? Von allen gewünscht?

Was für eine Sauerei!

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AW: Gesetzlosigkeit und Schwachsinn regiert die

von Wolfgang Müller am 27.04.2017 um 18:09 Uhr

Mal zu Ende gedacht, was Sie da andeuten. Wollen "Wir ApothekerInnen" (und das sind eben mehrheitlich ja nicht die derzeitigen Selbständigen) eigentlich gar nicht mehr so dringend Traditionelle Öffentliche Apotheken für "Nur Logistik" und "Schachtelschubserei" von Arzneimitteln und damit auch: "Ein anderes Honorarsystem", dann spielt die aktuelle Entwicklung "Uns" perfekt in die Hände. Die lächerliche Distribution, okay, mit dem nicht ganz unbedeutenden, aber wirklich nicht so wichtigen Einzelhandels-Gewinn daraus geben wir in ANDERE HÄNDE. Und betätigen uns "Weg von der Packung" und "Weg von der Apotheke!" nur noch als frei schwebende Arzneitherapie-Designer, Kontrolleure und Verbesserer.

Räume wie eine olle Apotheke brauchen wir dafür nicht mehr, wir fahren einfach rum und machen Hausbesuche, oder nisten uns direkt in Arztpraxen oder in GKV-Bürohäusern ein.

Ehrlich, beim DAT 2014 hatte ich das Gefühl, als wenn das mehrheitsfähig werden könnte ........

Der war gut....

von Gerrit Linnemann am 26.04.2017 um 20:13 Uhr

"Andererseits geht DocMorris gleichfalls gegen ein Zwangsgeld vor, das das Regierungspräsidium für den Fall verhängt hatte, dass die Firma trotz des Verbots weiter Rx-Präparate abgibt."

...seit wann zahlt DoMo Bussgelder, also wirklich......

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Ein Glück....

von N.N. am 26.04.2017 um 19:29 Uhr

...wurde der Kaufvertrag meiner Apotheke am Samstag unterschrieben.

Solche Meldungen machen trotzdem wahnsinnig.
Und wenn ich dann noch die Ausdünstungen der GrünInnen und der SPD lese, dann wird noch mir Angst dazu.

In Zukunft also Vetrteungen für die KollegInnen, die mal Urlaub vom Wahnsinn brauchen und trotzdem nicht das ganze Jahr hohe Personalkosten stemmen können oder wollen.

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AW: Sooo ein Glück

von Bernd Jas am 27.04.2017 um 9:50 Uhr

Herzlichen Glückwunsch,
also doch kein Aprilscherz.
Ich hoffe wir müssen Dich hier in Zukunft nicht vermissen.

DocMo bittet das deutsche Gesundheitssystem zum Tanz

von T. La Roche am 26.04.2017 um 19:09 Uhr

...oder lässt DocMo unseren Gesetzgeber, die Gerichte und Aufsichtsbehörden in Westernmanier tanzen?

11a "Der Versand wird aus einer öffentlichen Apotheke zusätzlich zu dem üblichen Apothekenbetrieb und nach den dafür geltenden Vorschriften erfolgen"
"Es wird sichergestellt, dass ein System zur Sendungsverfolgung unterhalten wird"
"Versendet"/ befüllt DocMorris den Automaten eigentlich selbst? So eine Art Vorversand? Darauf muss man erst einmal kommen. Aber clever.

Eigentlich ist hier wieder einmal der Gesetzgeber gefordert, die Intention seiner Gesetze zu präzisieren, sonst gibt es hier ein Hintertürchen, das von den kreativen Zerstörern und ihren Anwälten mit Hilfe überforderter Gerichte zur Aushöhlung unseres Gesundheitssystems genutzt wird. Das ist nicht zu erwarten, so langsam finde ich Gefallen daran, wie unser Staat vorgeführt wird.
Hat schon was Galgenhumoristisches.

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AW: DocMo bittet das deutsche

von Karl Friedrich Müller am 26.04.2017 um 20:07 Uhr

Sie haben recht. Von außen betrachtet, ist es lustig und komisch. Diese Sichtweise fällt mir schwer.
Galgenhumor trifft es gut.

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