FDA lässt Gentest für Verbraucher zu

Zuhause das Alzheimer-Risiko testen

Remagen - 21.04.2017, 10:30 Uhr

Welches Risiko steckt in den Genen? Ein Test soll Antworten geben. (Foto: Dan Race / Fotolia)

Welches Risiko steckt in den Genen? Ein Test soll Antworten geben. (Foto: Dan Race / Fotolia)


Die US Food and Drug Administration hat erstmalig die Vermarktung von genetischen Tests inklusive Gesundheitsberichten gegenüber Verbrauchern genehmigt. Mit diesen können sie in eigener Initiative feststellen, ob bei Ihnen ein genetisches Risiko für eine bestimmte Erkrankung vorliegt. Aber was fangen sie damit an?

Die US-Amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals die Erlaubnis für die Vermarktung von „Genetic Health Risk (GHR) Tests“ „direct-to-consumer“ erteilt. Hiermit ist gemeint, dass der Verbraucher seine Probe über ein Testkit abgibt, das er direkt nach Hause und nicht etwa in seine Arztpraxis zugesandt bekommt, und die Probe bei einem Labor analysieren lässt. Von dort erhält er anschließend einen Bericht über seine genetische Disposition. Der Inverkehrbringer ist das Biotechnologie-Unternehmen „23andMe“, das mit seinen Tests im Rahmen des „Personal Genom Service“ bereits seit einigen Jahren nicht nur in den USA für Furore gesorgt hat. Die Tests betreffen die folgenden Krankheiten oder Störungen: Parkinson-Krankheit, Late-onset Alzheimer-Krankheit, Zöliakie, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, early-onset primäre Dystonie, Faktor XI-Mangel, Gaucher Krankheit Typ 1, Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, erbliche Hämochromatose und erbliche Thrombophilie. Sie beruhen auf der Isolierung von DNA aus einer Speichelprobe, die auf mehr als 500.000 genetische Varianten untersucht wird. 

Sicherheit über „spezielle Kontrollen“

Die FDA-Zulassung wurde auf der Basis von Daten aus der wissenschaftlichen Literatur erteilt, die eine Verbindung zwischen spezifischen genetischen Varianten und den zehn Störungen unterstützt. Sie wurden über ein spezielles regulatorisches Verfahren für neuartige „first-of-a-kind“- Devices mit einem geringen oder mäßigen Risiko überprüft. In Verbindung mit einer solchen Genehmigung werden bestimmte Kriterien in Form sogenannter „spezieller Kontrollen“ festgelegt. Diese müssen die Antragsteller durchführen, um die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und die klinische Relevanz der Tests zu gewährleisten. Die speziellen Kontrollen sollen zusammen mit den „allgemeinen Kontrollen“ für eine angemessene Sicherheit und Wirksamkeit dieser und ähnlicher GHR-Tests sorgen

„Durch die Festlegung der speziellen Kontrollen und gegebenenfalls eine Befreiung vom Premarket Review bietet die FDA einen stromlinienförmigen, flexiblen Ansatz für den Marktzutritt von Tests mit ähnlichen Technologien,“ sagt der Direktor des FDA-Zentrums für Devices und radiologische Gesundheit Jeffrey Shuren. Für diese ist die FDA durchaus offen, wie einer Pressemitteilung der US-Arzneimittelbehörde zu entnehmen ist. Hiernach will die FDA das Verfahren in Zukunft für weitere 23andMe-GHR-Tests sowie entsprechende Tests von anderen Herstellern öffnen. GHR-Tests mit einer diagnostischen Funktion, wie etwa der genetische Test für das BRCA-Gen, sollen aber ausdrücklich davon ausgeschlossen sein, da sie oft als alleinige Grundlage für wichtige Behandlungsentscheidungen verwendet werden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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