Welt-Parkinson-Tag

200 Jahre Parkinson und keine Heilung in Sicht

Stuttgart - 11.04.2017, 07:00 Uhr

Der Schauspieler Michael J. Fox erhielt mit 29 Jahren die Diagnose Parkinson. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Der Schauspieler Michael J. Fox erhielt mit 29 Jahren die Diagnose Parkinson. (Foto: picture alliance / AP Photo)


Salvador Dalí, Muhammad Ali, Papst Johannes Paul II, Ottfried Fischer, Michael J. Fox – sie haben eine Sache gemeinsam: Sie alle waren oder sind an Parkinson erkrankt. 200 Jahre nach der ersten Beschreibung durch den englischen Arzt James Parkinson ist die Nervenkrankheit immer noch unheilbar. Am heutigen 11. April, James Parkinsons Geburtstag, ist Welt-Parkinson-Tag. 

In Europa sind 1 bis 2 Prozent der über 60-Jährigen von Parkinson betroffen, man rechnet mit rund 300.000 Patienten in Deutschland. Bei Männern tritt die Erkrankung etwas häufiger auf als bei Frauen. Damit ist Parkinson nach der Alzheimer-Demenz die häufigste neurodegenerative Nervenerkrankung. Meist treten die ersten Symptome zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr auf, doch es gibt auch Fälle, in denen die Erkrankung bereits in sehr jungen Jahren auftritt. Prominentestes Beispiel ist wohl der Schauspieler Michael J. Fox, der seine Diagnose im Alter von 29 Jahren erhielt.

In den meisten Fällen handelt es sich um ein idiopathisches Parkinson-Syndrom. Das heißt, es gibt keine eindeutige Ursache: Forscher gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren wie Umwelteinflüssen, Lebensstil aber auch genetischer Veränderungen aus. Hingegen kann beispielsweise das sekundäre Parkinson-Syndrom durch eine andere Grunderkrankung oder auch durch Arzneimittel wie Neuroleptika hervorgerufen werden. 

Dopamin-Mangel verursacht die Symptome

Verantwortlich für die typische Parkinson-Symptomatik – Tremor, Rigor, Gang- oder Gleichgewichtsstörungen, Bradykinese oder Akinese – ist der Untergang dopaminerger Neurone in der Substantia nigra, wie er bei allen Parkinson-Formen auftritt. Die Symptome beginnen meist schwach und nehmen im Verlauf zu. Dass alle vier Hauptsymptome zusammen auftreten, ist jedoch selten. Das Problem: Es könnten zehn Jahre vergehen, bis eindeutige Störungen bei Erkrankten auftreten.

Frühere Anzeichen der Krankheit fallen weniger eindeutig aus: Neben Problemen mit Geruchssinn und Verdauung können das etwa Depressionen, Schmerzen und Schwitzen sein. Sie können bereits viele Jahre vor der Diagnose auf die spätere Parkinson-Erkrankung hindeuten.

Beim idiopathischen Parkinson beginnt dieser in der Pars compacta und weitet sich dann auf das ventrale Tegmentum aus. Dort betrifft er die sogenannte A10-Zellgruppe, die größte Gruppe dopaminerger Zellen im Mittelhirn. Sie reflektieren zum limbischen Cortex. Die Degeneration in diesem Bereich wird mit nicht-motorischen Symptomen, wie der Entwicklung einer Depression, in Zusammenhang gebracht.

Mit zunehmendem Zelluntergang nimmt die Dopamin-Produktion immer weiter ab. Durch das Defizit an dopaminerger Neurotransmission gerät das fein austarierte Gleichgewicht der drei Neurotransmitter Dopamin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und Glutamat durcheinander. Ohne die Dopamin-Wirkung sind die glutamatergen thalamokortikalen Bahnen unverhältnismäßig stark aktiv. Das ist verantwortlich für die Hypokinese. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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