e-Health

Die Niederländer machen es vor

Remagen - 11.04.2017, 10:30 Uhr

Der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien ist in niederländischen Arztpraxen bereits üblich. (Foto: picture alliance/Westend61)

Der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien ist in niederländischen Arztpraxen bereits üblich. (Foto: picture alliance/Westend61)


Unsere niederländischen Nachbarn haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen weltweit Spitzenreiter in Sachen E-Health werden. Dies geht aus einem aktuellen Marktbericht von Germany Trade and Invest (GTAI) hervor.  

Wie die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland Germany Trade and Invest (GTAI) bereits in einem Markteinblick von Ende 2015 wissen ließ, gehören die Niederlande weltweit zu den Ländern mit der höchsten Technologieaffinität. Da Patienten und Ärzte diesbezüglich sehr aufgeschlossen sind, schreiten auch die Integration und Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen zügig voran. Dies belegen die Ergebnisse des E-Health Monitors 2016, einer Studie von Nictiz (Niederländisches Kompetenzzentrum für Standardisierung und E-Health) und NIVEL (Niederländisches Institut für Gesundheits-Versorgungsforschung) im Auftrag des Ministerium für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport. Um E-Health weiter zu fördern, hatte Ministerin Schippers Anfang Oktober 2015 angekündigt, hierfür in den kommenden zwei Jahren knapp 130 Mio. Euro investieren zu wollen. 

Der Gebrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ist in niederländischen Arztpraxen bereits üblich, heißt es nun in dem neuen GTAI-Brancheneinblick. Bezüglich Datensicherheit und Nutzererkennung gehören sie laut GTAI zu den fortschrittlichsten in Europa. Medizinische Daten werden sicher und kontrolliert über die nationale Kommunikationsinfrastruktur im Gesundheitswesen (AORTA) übertragen. Das Gesundheitsministerium und das E-Health Kompetenzzentrum Nictiz arbeiten an elektronischen Krankenakten, die Gesundheitsdienstleistern wie Ärzten, Krankenhäusern, Physiotherapeuten und auch Apotheken den Austausch von Patientendaten ermöglichen sollen.

Patienten erhalten Zugang zu digitalen Krankenakten

Mit dem Projekt MedMij sollen künftig auch die Patienten selbst Zugang zu ihren Daten bekommen. Das System wird derzeit in der Region Nijmegen getestet. Hier können die Patienten seit dem 1. April 2017 über eine persönliche Gesundheitsumgebung (MijnZorgnet) die wichtigsten Informationen in ihrem Hausarztdossier einsehen und sich damit stärker an ärztlichen Entscheidungen über ihre Gesundheit und Behandlung beteiligen. Bis 2019 soll diese Möglichkeit für mindestens 80 Prozent der chronisch Kranken und mindestens 40 Prozent der übrigen Bürger realisiert werden. Zudem sollen drei Viertel der chronisch Kranken und Senioren selbst Untersuchungen (wie Blutdruck oder Cholesterin messen) vornehmen und die Daten weiterleiten. Bis 2019 soll jeder Patient über seinen Computer jederzeit einen medizinischen Dienstleister erreichen können. 

Top auch bei mHealth

Große Bedeutung wird daneben elektronischen Lösungen auf mobilen Geräten beigemessen. Laut einer Studie von research2guidance sollen die Niederlande innerhalb Europas zu den Top 5 mit den besten Marktbedingungen für mHealth-Unternehmen gehören, und zwar wegen der gut entwickelten elektronischen Infrastruktur und der hohen Bereitschaft von Ärzten, mit Apps zu arbeiten.

Um die Bekanntheit und Akzeptanz bei Dienstleistern und Patienten insgesamt zu steigern, veranstalten die Niederländer alljährlich eine nationale E-Health-Woche, die in diesem Jahr im Januar in Nijmegen stattfand. Hier können interessierte Bürger erfahren, was E-Health eigentlich ist. Das bringt tatsächlich etwas, berichten Nictiz und NIVEL. Sie haben bei dem diesjährigen Event insgesamt 185 Besucher befragt. 62 Prozent gaben an, hiernach mehr über E-Health zu wissen, und drei Viertel wollen mit ihrem neuen Wissen auch mehr machen. 

In Deutschland Streit über die Finanzierung

In Deutschland ist man hier deutlich weniger weit. Gerade erst sind die Verhandlungen zur Finanzierung der Erstausstattung der Praxen für die Telematikinfrastruktur gescheitert. Die Kassenärztliche Bundesvereini­gung (KBV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Kranken­versicherung streiten dabei um die Kosten für die Konnektoren für die Installation der neuen Technik. Die KBV fordert die vollständige Übernahme der Ausstattungs- und Betriebskosten durch die Krankenkassen. Nun soll Ende April das Bundesschiedsamt entscheiden.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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