Arzneimittel-Versandhandel

ABDA will nicht mit Lauterbach verhandeln

Berlin - 07.04.2017, 18:00 Uhr

So nicht! Die ABDA und ihr Präsident Friedemann Schmidt erteilen der Einladung von SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach zu Gesprächen über eine Rx-Boni-Regulierung eine Absage. (Foto: dpa)

So nicht! Die ABDA und ihr Präsident Friedemann Schmidt erteilen der Einladung von SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach zu Gesprächen über eine Rx-Boni-Regulierung eine Absage. (Foto: dpa)


Die ABDA will das Gesprächsangebot von SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach nicht annehmen. Gegenüber DAZ.online teilte ein Sprecher der ABDA mit, dass man „in der vorgeschlagenen Konstellation“ zu keinem Gespräch bereit sei. Lauterbach wollte gemeinsam mit den Apothekern und in- und ausländischen Versandapothekern über eine mögliche Rx-Boni-Regulierung sprechen.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, hatte die ABDA, den Bundesverband Deutscher Versandapotheker (BVDVA) und den Verband der EU-Versandapotheker (EAMSP) zu einem Gespräch am 27. April in den Bundestag eingeladen. Nach dem vorläufigen Aus des Rx-Versandverbotes wollte Lauterbach weiterhin eine Alternativlösung finden, bei der Rx-Boni in einem gewissem Rahmen erlaubt sein sollen. Konkretes wollte er nicht dazu verraten. Er betonte aber, dass er einen eigenen Vorschlag zur Boni-Regulierung vorlegen wolle.

Die ABDA lehnt dieses Gesprächsangebot nun aber überraschenderweise ab. Gegenüber DAZ.online teilte ein Sprecher mit: „Wir lehnen das Gesprächsangebot in der vorgeschlagenen Konstellation als nicht zielführend ab, sind aber jederzeit zu bilateralem Gespräch mit der SPD bzw. Herrn Lauterbach bereit, soweit das der Lösung des Problems dient.“ Sowohl ABDA-Präsident Friedemann Schmidt als auch DAV-Chef Fritz Becker hatten zuvor bereits betont, dass sie keine „faulen Kompromisse“ mit Boni-Deckeln akzeptieren würden. Lauterbach erklärte dazu allerdings: „Ich mache Politik und muss mir meine Entscheidungen nicht von Lobby-Gruppen wie der ABDA absegnen lassen.“

Die Absage der ABDA ist bereits die zweite Pleite, die Lauterbach hinnehmen muss. Ende vergangener Woche hatte bereits Georg Nüßlein (CSU), Fraktionsvize der Union im Bundestag, erklärt, dass er nicht mehr mit der SPD verhandeln wolle, solange die Sozialdemokraten das Versandverbot ablehnten.


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9 Kommentare

Reden im Regen ...

von Christian Timme am 09.04.2017 um 9:21 Uhr

Die GKV(en) sind die "Nutznießer", die Politiker können im Rampenlicht und die Apotheker "im Regen" stehen ... die Rollen und Regenschirme sind verteilt ... Redner dürfen sich jetzt melden ... der Rest ist bald im Bade- und Tauchurlaub ... sieht jetzt schon nach "Sommerloch" aus ...

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Unklar klar

von Reinhard Rodiger am 07.04.2017 um 13:45 Uhr

Leider ist das keine zweite Pleite für Lauterbach. Es ist doch so,dass nicht er etwas will, sondern wir.Da mindert Ablehnung eher.Auch,wenn es gut klingt. Ohne miteinander zu reden geht eben gar nichts.
Ist es nicht so,dass wir Position beziehen sollten,um die SPD
bei ihrem Glaubwürdigkeitsunterfangen zu unterstützen?
Wir wollen helfen, ihrem Anspruch zu (Neu)-Entdeckung der Gerechtigkeit klar zu entsprechen.Das geht nur mit Schutz des Schwächeren.Das sind die Patienten.Die werden wegen kurzfristiger Scheinvorteile von der SPD ausgeliefert.Davor hat die SPD Angst, das könnte verständlich gemacht werden.
Wenn die SPD Angst hat davor,dass das Thema in den Wahlkampf kommt, so ist das doch eine Chance.Darüber kann man REDEN ! Wenn man will.

» Auf diesen Kommentar antworten | 4 Antworten

AW: Reden

von florian becker am 07.04.2017 um 16:11 Uhr

Darüber KÖNNTE man reden, geschätzter Kollege Rodiger.
Die Tatsache aber, wie und vor Allem in welcher Konstellation zu diesem Gespräch eingeladen wurde, macht eine Teilnahme der ABDA a priori unmöglich.

Zum Einen ist klar, dass von Lauterbach irgendein fauler Boni-Kompromiss kommen wird.
Entweder eine (wirkungslose) Deckelung der Boni für die Ausländer, oder -noch schlimmer- gedeckelte Boni für alle, die für die in Frage stehenden Apotheken ebenfalls ruinös wären.
Also worüber sollte man mit Lauterbach reden?

Zum Anderen: Soll die ABDA sich wirklich ernsthaft an einen Tisch setzen, an dem die Union, die fest zu einem auch aus ABDA-Sicht absolut alternativlosen RxVV steht, und damit ausgerechnet Gröhe in den Rücken fallen?

Nein, eine Absage an diese Art Gespräch ist völlig richtig!
Zumal die ABDA ja zielführende Gespräche in einer entsprechenden Konstellation ausdrücklich nicht ausschließt

AW: Reden

von Reinhard Rodiger am 07.04.2017 um 18:07 Uhr

Lieber Kollege Becker, ich habe versucht ein übergeordnetes Thema herauszuschälen.Ein Thema,das die SPD berührt.Sie vermehrt zu informieren heisst doch,dazu beizutragen,den CDU-Plan durchzusetzen.Die Überlegung war-unabhängig vom Lauterbachangebot-mit einem eigenen Angebot aufzutreten.Ob das möglich war,kann ich nicht beurteilen.Nur habe ich den Eindruck,dass es eine stark verkürzte Verbotsdebatte ist,die keinen Spielraum öffnet.Also der Versuch einer Öffnung.Wenn dann abgesagt wird,sieht das ganz anders aus.Gut,das sind Überlegungen.
Aber, es gibt doch genügend Stoff,der die SPD eigentlich interessieren sollte,will sie das Thema wirklich aus dem Wahlkampf heraushalten.Zum Beispiel auch die Fragen der "Freien Apothekerschaft" , Das zu artikulieren fehlt mir halt.

Eine Ablehnung muss mit Weiterführung mit anderen Akzenten verknüpft werden.

AW: Reden mit der SPD

von florian becker am 08.04.2017 um 23:24 Uhr

Ich habe halt auch so gar nicht das Gefühl, dass bei der SPD Sachargumente in welcher Art auch immer keinerlei Relevanz für die Entscheidung haben.
Es gibt nichts, was dort nicht bekannt ist und ich denke, wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Handlungen der SPD Protagonisten durch Unwissenheit oder gar Dummheit getrieben sind.
Die wissen doch ganz genau, was Sache ist.
Ich bin ziemlich überzeugt, dass die EINZIGE Morivation für dieses völlig irrationale Verhalten ist, dass da jetzt das eingesetzte Sponsorkapital von DocM verzinst wird.
Und dagegen sind auch noch so gute Argumente und Konzepte völlig wirkungslos.
Nein, ich denke, Schmidt hat in diesem Fall wirklich Recht: da geht es bestenfalls um Machtpolitik und schlimmstenfalls um nur mäßig versteckte Korruption..

AW: Reden mit der SPD

von Reinhard Rodiger am 09.04.2017 um 15:36 Uhr

Ich glaube auch nicht, dass da Sachargumente helfen.Helfen kann nur, diese Argumente nicht allein, sondern im -für die Medien interessanteren-Gespräch öffentlich zu machen.Das Thema ist für die SPD sensibel.Machtpolitisch geht es auch um die Fortsetzung des Kurses innerparteilich.Mit zuviel Vergangenheit ist schlecht zu brechen.Da regiert die Angst, wieder als der dazustehen,der die Bedürfnisse der kleinen Leute nicht berücksichtigt.Wer macht denn verständlich,warum wir die einzige Branche sind,in der niedrigere Preise schlecht sein sollen? Es geht um mehr als um Apotheken.Was wird dazu kommuniziert? Das muss aufs Podium.Das geschieht nicht durch Vorwürfe.Das führt zum Fernbleiben.
Sicher, es war gut, eindeutig NEIN zu sagen , aber nicht, den Faden abzureissen und durch "Falschaussagen"-Vorwurf zu vertiefen.Jetzt liegt der Ball im falschen Feld.Die wollen nicht .

So nicht !

von Christian Giese am 07.04.2017 um 12:44 Uhr

ich kann mir nicht helfen, es ist politisch idiotisch, irgendwelche Verhandlungsangebote abzulehnen.
Verhandeln heisst "handeln", das sollte man irgendwann so verstehen und sich nicht davor drücken.
Selbst in Wahlkampfzeiten muss die Position der Apotheker souverän bleiben!

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AW: So nicht

von M.Mallach am 07.04.2017 um 13:18 Uhr

Doch so ! Bevor man sich wieder in ein vorgegebenes Korsett, resp. Gesprächsergebnis zwingen lässt...
Es ist doch völlig klar, in welche Richtung das läuft, wenn wieder 3-4 gegen einen stehen, oder ? Und wenn dann der (faule) Kompromiss nicht von der ABDA wieder abgenickt wird, heißt es nachher wieder: "Na, die wollten ja nicht. Selbst schuld. Dann eben nicht. Thema beendet."
Die Kante kann gar nicht hart genug sein. Schluß mit Schmusekurs und Sich-den-Gegner-warmhalten ! Es sind alles keine Gegner mehr, sondern erklärtermaßen der Feind. SPD/FDP/Grüne/AOK/DAK/Versender... Da hilft eigentlich nur noch die Keule.
Kann gar nicht sagen, WIE wütend mich der ganze Mist macht.

Eine klare Antwort der ABDA??

von Gunnar Müller, Detmold am 07.04.2017 um 12:12 Uhr

"Wir lehnen das Gesprächsangebot in der vorgeschlagenen Konstellation (??) als nicht zielführend ab ..."
Man meint wohl: zum jetzigen Zeitpunkt, oder möchte man die CDU dabei haben - oder den BVDVA und DoMo nicht .....??
"....sind aber jederzeit (??) zu bilateralem Gespräch mit der SPD bzw. Herrn Lauterbach bereit"
???
"......soweit das der Lösung des Problems (??) dient.“
Eine Lösung des Problems besteht doch wohl in der Beschränkung des Versands auf OTC, oder? Also: Dann doch nicht .......
Fazit:
Die Absage ist richtig - aber sie wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet!
Machen Sie den Weg frei für eine "neue ABDA", Herr Schmidt!
Für neue Strukturen und neues Personal!
Dann hat die deutsche Apothekerschaft vielleicht noch eine Chance.

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