Auwaldzecke und rohmilch

Neue Übertragungswege für FSME

Stuttgart - 06.04.2017, 17:08 Uhr

Neben Rohmilch der zweite neue FSME-Überträger: die Auwaldzecke. (Foto: emer / Fotolia)

Neben Rohmilch der zweite neue FSME-Überträger: die Auwaldzecke. (Foto: emer / Fotolia)


Der gemeine Holzbock kann FSME übertragen. Das ist bekannt. Wissenschaftler der Uni Hohenheim haben nun eine neue Zeckenart ausgemacht, die ebenfalls Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis ist: die Auwaldzecke. Als wäre das nicht genug – FSME kann man sich auch durch den Verzehr von Rohmilch einfangen.

Gleich zwei neue Wege haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim identifiziert, wie sich Menschen mit FSME anstecken können. Durch den Verzehr von Rohmilchprodukten und durch eine Zeckenart, die Auwaldzecke, die bislang nicht als FSME-Überträger beschrieben wurde.

Dass der Verzehr von Rohmilchprodukten eine Möglichkeit ist, sich mit dem Virus anzustecken, ist bereits aus anderen Ländern bekannt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gab es 2008 sechs Fälle von FSME-Erkrankungen in Österreich nachdem die Patienten Rohmilchkäse verzehrt hatten. Für Deutschland waren solche Beobachtungen bislang nicht gemacht. Der erste Fall trat im Sommer 2016 auf und konnte nun an der Universität Hohenheim von Prof. Dr. Ute Mackenstedt und ihrem Team in einen kausalen Zusammenhang gebracht werden. Mackenstedt arbeitet als Parasitologin an der baden-württembergischen Hochschule.


Zum ersten Mal konnten wir bei diesem Fall die Überträger (Zecken), die Wirtstiere (Ziegen), befallene Lebensmittel wie Ziegenmilch und Rohmilchkäse und die erkrankten Personen untersuchen.

Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim


Vorsicht bei Rohmilch

Eine vierköpfige Familie hatte unbehandelte Ziegenmilch verzehrt, allerdings erkrankten nur die männlichen Familienmitglieder an FSME. Ob geschlechterspezifische Unterschiede die Ursache dafür sind, könne man nicht sagen, sagt die Parasitologin. Als weitere Ursache für deren Infektion könnte allerdings auch gewesen sein, dass die männlichen Familienmitglieder zusätzlich zum Käse auch Rohmilch tranken.

Eine FSME-Übertragung durch Rohmilchprodukte kann man allerdings einfach vermeiden. Darin sind sich Mackenstedt und die Experten vom RKI einig: Es sei davon auszugehen, dass von Milchprodukten aus pasteurisierter Milch keine Gefahr ausgehe.

FSME-Impfung schüzt

Schwieriger ist es, den zweiten neuen Übertragungsweg, die Auwaldzecke, zu vermeiden: „Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken“, erklärte Mackenstedt bereits im März des vergangenen Jahres im Rahmen des Süddeutschen Zeckenkongresses.

Im Gegensatz zum Hauptüberträger der FSME, dem gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), ist die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) bereits bei tieferen Temperaturen aktiv. PD Dr. Gerhard Dobler beruhigt jedoch: So sei zwar nicht ausgeschlossen, dass die Auwaldzecke auch Menschen befällt. „Deutlich häufiger befalle sie jedoch Tiere“, sagt der Leiter de Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Vor dem Hintergrund, dass eine spezifische antivirale Therapie bei einer Infektion mit FSME jedoch nicht zur Verfügung steht, wird die Bedeutung einer präventiven Impfung offenbar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut spricht eine Impfempfehlung für Personen in FSME-Risikogebieten aus. Auch Menschen, die beruflich (Forstarbeiter) Zecken vermehrt exponiert sind, sollten sich gegen FSME impfen lassen.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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