AMTS-Projekt in Rheinland-Pfalz

Ein Vorbild für den bundesweiten Medikationsplan

Berlin - 16.03.2017, 14:20 Uhr


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Bätzing-Lichtenthäler (SPD) glaubt an den Nutzen einer besseren Vernetzung von Arzt und Apotheker. (Foto: MSAGD / Martina Pipprich)

Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) glaubt an den Nutzen einer besseren Vernetzung von Arzt und Apotheker. (Foto: MSAGD / Martina Pipprich)


Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler freut sich über den Erfolg des Modellprojekts „Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz“. Sie ist überzeugt: Die Resultate aus ihrem Bundesland werden wertvolle Hinweise für die bundesweite Umsetzung des E-Health-Gesetzes liefern.

Seit Oktober 2016 haben gesetzlich Krankenversicherte, die mindestens drei Arzneimittel zugleich verordnet bekommen, Anspruch auf einen Medikationsplan. Zunächst bezieht sich der Anspruch nur auf einen Plan in Papierform – 2019 sollen dann die Weichen für den elektronischen Medikationsplan gestellt sein.

In Rheinland-Pfalz ist man bereits einen Schritt weiter. Vor zwei Jahren startete das dortige Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz, der Techniker Krankenkasse und der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz das Modellprojekt „Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz“. Ziel war, unerwünschte Wirkungen, Doppelverordnungen oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu vermeiden. Bei der Vorstellung der Projektergebnisse Anfang Februar erklärte  die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD): „Ich kann Ihnen heute sagen, dass Praxistauglichkeit, Akzeptanz und Nutzen des bundeseinheitlichen Medikationsplans von Patienten, Ärzten und Apothekern bestätigt wurden“.

Thomas Böhn (Unimedizin)
Stellten im Februar die Projektergebnisse vor: Andreas Kiefer (LAK-Präsident), Irene Krämer (Direktorin der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz), Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Babette Simon (Vorstand Universitätsmedizin Mainz), Jörn Simon (TK-Landesvertretung) und Patient Kurt-Werner Dörn (v.l.).

SPD-Abgeordnete haken nach

Nun hakten die Landtagsabgeordneten Kathrin Anklam-Trapp und Dr. Tanja Machalet (beide SPD) nochmals mittels einer Kleinen Anfrage bei der Ministerin nach. Sie wollten genaueres zur praktischen Umsetzung wissen – und wie die Landesregierung die Ergebnisse bewertet. Zudem fragten die Abgeordneten, inwiefern das Modellprojekt nach Ansicht der Landesregierung ein Wegweiser zur bundesweiten Umsetzung des E-Health-Gesetzes sein könne.

Bätzing-Lichtenthäler schreibt in ihrer Antwort, dass im Projekt im Rahmen des Entlassmanagements 601 Patienten beim Übergang vom stationären in den ambulanten Bereich einen elektronischen  Medikationsplan erhielten. Dieser sei nachfolgend von Hausärzten  und Stammapotheken aktualisiert worden. Insgesamt seien 2.189 Medikationspläne erstellt und dabei 23.479 Arzneimittel  geprüft worden.

Ziel „in vollem Umfang erreicht“

Die angestrebten Ziele des Projektes – eine bessere Kommunikation an der Schnittstelle ambulant zu stationär und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheken im Sinne der Patientensicherheit – sei „in vollem Umfang erreicht worden“. Die Ministerin bringt auch ein ganz konkretes Beispiel: Im Fall einer herztransplantierten Patientin mit hochgradiger Niereninsuffizienz haben man die gleichzeitige Einnahme zweier kritischer Arzneimittel  mit der Gefahr eines akuten Nierenversagens wirksam verhindern können.

Nicht zuletzt erklärt die Ministerin, das Modellprojekt habe erstmalig die Praxistauglichkeit telematischer Instrumente  in der Fläche nachweisen können, die mit dem E-Health-Gesetz ab Anfang des Jahres 2018 bundesweit verbindlich werden sollen. Insoweit könnten die Resultate aus Rheinland-Pfalz wertvolle Hinweise für die Umsetzung in der Regelversorgung auf Bundesebene geben. „Die endgültige Abschlussauswertung des Projektes, die Mitte des Jahres 2017 zu erwarten ist, wird dabei eine richtungsweisende Bedeutung gewinnen“, so Bätzing-Lichtenthäler.


Das Modellprojekt:

Am Projekt teilnehmende Patienten erhielten einen Medikationsplan bei Entlassung aus der Klinik durch eine der fünf teilnehmenden Krankenhausapotheken in Bad Kreuznach, Kaiserslautern, Koblenz, Mainz, Trier. Anschließend wurden sie von über 500 Hausärzten sowie Stammapotheken betreut. Bei jeder Änderung der Medikation erhielten sie einen aktualisierten Medikationsplan sowie eine Beratung. Zur Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans wurde ein internetbasiertes Portal benutzt, das die Kommunikation der Leistungserbringer untereinander erleichtert.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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