Randnotiz in eigener Sache

Wer lesen kann, der lese!

Stuttgart - 14.03.2017, 14:34 Uhr

(Screenshot: DAZ.online)

(Screenshot: DAZ.online)


Au weia, jetzt ist auch der Facebook-Auftritt der DAZ ins Fadenkreuz  von „Gute Pillen – schlechte Pillen“ (GPSP) geraten. Das von uns durchaus geschätzte Zwei-Monats-Periodikum mit dem etwas sperrigen Untertitel „Unabhängige Informationen zu Ihrer Gesundheit – Ohne Einfluss der Pharmaindustrie & ohne Werbung“ knöpft sich in seiner jüngsten Ausgabe den Facebook-Auftritt von Deutscher Apotheker Zeitung und DAZ.online vor. 

In der Rubrik mit dem schönen Titel „Werbung – Aufgepasst“ (erinnert irgendwie an  „Der 7. Sinn“, die volkspädagogische Fünf-Minuten-Kultserie zur Verkehrssicherheit auf Deutschlands Straßen. Die Älteren mögen sich erinnern) wird entlarvt, „wie eine Apothekerzeitung Werbung geschickt platziert“. Das Corpus delicti: Der Umstand, dass bei unserem Facebook-Auftritt zu dessen (Teil-)Finanzierung  doch tatsächlich „zwischen lauter Meldungen“ auch ab und zu eine Anzeige „auftaucht“ – im konkreten Fall u.a. ein „Filmchen“ zum Vitamin D-Mangel, in dem – oh Schreck, oh Schande – ein „Apotheker“ seiner „Tochter“ nahelegt,  Kunden das rezeptfreie Vitamin-Präparat Vigantoletten® zu empfehlen.

Die Werbung ist zwar in Fettdruck mit dem Wort „Anzeige“ gekennzeichnet, aber was soll’s? In Sprechblasen zum Beitrag ohne Verfasserangabe (!) klärt GPSP auf: „Weißer Kittel? Ein Werbefilm mit gestellten Szenen. Meist wirken in solchen Filmen Schauspieler mit.“ Und: „Vater und Tochter im Gespann, das weckt Vertrauen“! Vor solch subtilen Machenschaften muss gewarnt werden, zumal das Vertrauen des unbekannten GPSP-Investigators (oder war es eine Sie?) in die Lesefähigkeit des eigenen Publikums begrenzt zu sein scheint, denn: „Das Wörtchen (?) ‚Anzeige‘ zum Textbeginn überliest man leicht.“ Und weiter: „Diese Art von Werbung…kann in die Irre führen, weil man als Nutzer vieles nur noch überfliegt und nicht genau hinsieht.“

Sorry, liebe Kollegen, geht’s noch? Wer lesen kann, der lese! Vorab den Facebook-User zum leseschwachen Textüberflieger zu erklären, um ihn dann vor sich selbst zu schützen – das ist ein ziemlich nerviger Paternalismus. Für wie beschränkt haltet Ihr eigentlich Eure (und unsere) Leserinnen und Leser? Sind Pharmazeuten und Mediziner tatsächlich nicht in der Lage, deutlich gekennzeichnete Werbung als solche zu erkennen? Wir glauben schon. 


Dr. Benjamin Wessinger, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Dr. Doris Uhl (du), Apothekerin
Chefredaktion DAZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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1 Kommentar

GPSP

von Heiko Barz am 16.03.2017 um 11:30 Uhr

Wenn schreibende und 'prostende' Organe es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Deutschen Standard APOTHEKE von allen Seiten die Wertigkeit zu rauben, und diese Absicht wird in den letzten Wochen immer deutlicher,
dann sollte man doch erst einmal die eigenen Unzulänglichkeiten zu beheben versuchen, als einen über Jahrhunderte erfolgreichen Beruf aus schwachsinnig merkantilen Beweggründen vernichten zu wollen.
Und um genau dieses geht es in dem von der Redaktion beschriebenen Sachverhalt, auch wenn es sich jetzt auch um die Neuen Medien wie Internet handelt.
Die Reaktionszeiten auf Behauptetes sind dermaßen kurz geworden, dass evaluierte Aussagen zu diesen Behauptungen kaum möglich sind, und da die Zeit nicht immer ausreicht, wird schnell von Schwäche und Untauglichkeit gesprochen.
Müssen wir uns damit zufrieden geben, oder gibt es Abwehrmechanismen außerhalb unserer Gelassenheit ?

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