Neue Verbraucherinformationen der EMA

Sind Teebaumöl, Isländisch Moos, Ginsengwurzel und Co. empfehlenswert?

Stuttgart - 10.03.2017, 14:20 Uhr

Ginseng kann laut EMA bei Schwäche und Müdigkeit helfen. (Foto: MIGUEL GARCIA SAAVED / Fotolia)

Ginseng kann laut EMA bei Schwäche und Müdigkeit helfen. (Foto: MIGUEL GARCIA SAAVED / Fotolia)


Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat auf ihrer Website neue Verbraucherinformationen zu pflanzlichen Arzneimitteln veröffentlicht, zum Beispiel zu Teebaumöl, Isländisch Moos und Ginsengwurzel. Die Informationen basieren auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Phytopharmaka-Ausschusses der EMA und sind immer nach der gleichen Systematik aufgebaut.

Die Bewertungen des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel – des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) sind eigentlich für Mitgliedstaaten als Grundlage für die Regulierung der Phytopharmaka gedacht. Anhand des wissenschaftlichen Fazits des Gremiums können die regionalen Aufsichtsbehörden Zulassungs- und Registrierungsanträge bewerten. Doch der HMPC stellt seine Erkenntnisse – in entsprechend aufgearbeiteter Form – immer auch Verbrauchern zur Verfügung.

Einige neue sind jetzt dazugekommen, nämlich Hauhechelwurzel, Ginsengwurzel, Teebaumöl, Boldoblätter und Isländisch Moos. Die EMA weist aber explizit darauf hin, dass es sich nicht um Anwendungshinweise handelt. Um zu erfahren, wie die Phytopharmaka einzusetzen sind, sollen Patienten die Packungsbeilage lesen und ihren Apotheker oder Arzt fragen. 

Als Tee oder in fester Form

Was also steht dann in den Informationen der EMA? Zuallererst wird unter dem Punkt „Was ist…“ die Droge beschrieben. Stammpflanze, Gewinnung der Droge und in welcher Form sie arzneilich verwendet wird. So heißt es zum Beispiel bei Ginsengwurzel, dass sie üblicherweise als Tee getrunken oder in festen Arzneiformen oral verabreicht werden kann.

Dann folgt die Einschätzung des Expertengremiums hinsichtlich der medizinischen Anwendung, unter Umständen mit Einschränkung. Demnach kann Ginsengwurzel aufgrund der langen Erfahrung bei Schwäche und Müdigkeit eingenommen werden – also mitnichten ein Allheilmittel, wie es immer wieder zu lesen ist. Allerdings nur von Erwachsenen und über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten, so die Beschränkungen. Im nächsten Punkt wird erklärt, worauf der HMPC diese Empfehlung stützt. Im Falle der Ginsengwurzel ist es Erfahrung, der sogenannte traditional use. Es gebe zwar keine ausreichenden Daten aus klinischen Studien, aber die Wirksamkeit sei plausibel und man könne belegen, dass die Droge seit mindestens 30 Jahren sicher anwendet wird. Zudem bedürfe der bestimmungsgemäße Gebrauch keiner medizinischen Überwachung.

Risiken und weitere Informationen

Mögliche Risiken gibt es dann im nächsten Punkt. Die sind bei Ginsengwurzel demnach überschaubar. So sei über allergische Reaktionen berichtet worden, Insomnie sowie Magen-Darm-Beschwerden. Im vorletzten Absatz geht es dann darum, wie Ginseng-haltige Arzneimittel in Europa zugelassen werden: durch Einreichung der Unterlagen bei der jeweiligen nationalen Behörde, die dann die EMA-Bewertung bei der Entscheidung miteinbezieht. Und zum Schluss werden noch Hinweise gegeben, wo sich weitere Information über die jeweilige Droge finden lassen.

Alle verfügbaren Verbraucherinformationen finden Sie auf der Website der EMA unter „Herbal medicines for human use“, alphabetisch sortiert nach dem lateinischen Gattungsnamen der Stammpflanze. So findet sich die Ginsengwurzel nicht unter „G“ wie Ginseng radix sondern unter „P“ – nach der Stammpflanze Panax ginseng. Auch Anis sucht man unter „A" vergeblich, fündig wird man ebenfalls bei „P" wie Pimpinella. Über die Stichwortsuche lässt sich aber auch nach der Droge „Ginseng radix“ oder „Anisi fructus", der Stammpflanze mit der botanisch korrekten Bezeichnung oder der üblichen englischen Bezeichnung, also nur „ginseng“ oder „aniseed" suchen.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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