Zulassungsempfehlung für Rolapitant

Neuer Wirkstoff gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Stuttgart - 28.02.2017, 13:40 Uhr

Bei einer moderat bis hoch emetogenen Chemotherapie soll Rolapitant verzögertes Erbrechen vermeiden. (Foto: somkanokwan / Fotolia)

Bei einer moderat bis hoch emetogenen Chemotherapie soll Rolapitant verzögertes Erbrechen vermeiden. (Foto: somkanokwan / Fotolia)


In der EU wird vermutlich bald ein weiterer Neurokinin1-Rezeptor-Antagonist zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie zur Verfügung stehen. Der Humanarzneimittelausschuss der EMA hat vergangene Woche empfohlen, Rolapitant zuzulassen. In den USA ist der Wirkstoff bereits auf dem Markt. 

Mit Aprepitant (Emend®), Fosaprepitant (Ivemend®) und Netupitant (in Akynzeo® in Kombination mit Palonosetron) stehen bislang drei Wirkstoffe aus der Gruppe der Neurokinin1-Rezeptor-Antagonisten zur Verfügung. Demnächst könnte ein vierter dazukommen. Der Humanarzneimittelausschuss der EMA (CHMP) hat nämlich vergangene Woche empfohlen, mit Rolapitant einen weiteren Wirkstoff dieser Gruppe zuzulassen. Das Präparat mit dem Handelsnamen Varuby soll zur Vorbeugung von verzögerter Übelkeit und Erbrechen verwendet werden – und zwar bei moderat bis hoch emetogener Chemotherapie.

Die Substanz hat eine  Halbwertszeit von bis zu einer Woche und wird als Filmtablette mit 90 mg Wirkstoff im Rahmen einer antiemetischen Kombinationstherapie gegeben. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Verstopfung und Müdigkeit. Zahlreiche Wechselwirkungen sind möglich, da Rolapitant ein Substrat von CYP3A4 ist sowie ein Hemmer von CYP2D6, P-Glykoprotein und dem Breast Cancer Resistance Protein BCRP (synonym: ABCG2), einem weiteren Effluxtransporter. 

NK1-Antagonisten blockieren die Effekte von Substanz P

Die Wirksamkeit der NK1-Antagonisten beruht auf einem selektiven und kompetitiven Antagonismus an Neurokinin-1-Rezeptoren, deren Aktivierung  im Brechzentrum des Hirnstamms an der Entstehung von Übelkeit und Erbrechen beteiligt ist. NK1-Antagonisten blockieren dort die Effekte des natürlichen Liganden Substanz P, einem Peptid aus elf Aminosäuren.

Substanz P ist das am häufigsten vorkommende Neurokinin im zentralen Nervensystem und in erster Linie ein Mediator des verzögerten Erbrechens, während das akute Erbrechen vor allem durch Serotonin ausgelöst wird. NK1-Antagonisten werden daher immer im Rahmen einer antiemetischen Kombinationstherapie gegeben, mit einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Granisetron oder Ondansetron und mit Dexamethason.

In den USA bereits zugelassen

Das positive Votum des CHMP für Rolapitant wird nun der europäischen Kommission vorgelegt, die endgültig über die Zulassung entscheidet. In den USA ist der Wirkstoff bereits seit 2015 zugelassen. Die Zulassung basierte auf drei placebokontrollierten Phase-3-Studien mit insgesamt 2.800 Patienten.

In zwei Studien konnte bei einer hoch emetogenen Cisplatin-basierten Chemotherapie in Kombination mit Granisetron und Dexamethason der Anteil der Patienten, bei denen Erbrechen oder eine Rescue-Medikation vermieden werden konnte, im Vergleich zu Placebo gesteigert werden: Nämlich von 58,4 auf 72,7 Prozent beziehungsweise von 61,9 auf 70,1 Prozent. Unter einer moderat emetogenen Chemotherapie, in der dritten Studie, stieg Anteil der Patienten, die nicht erbrechen mussten oder keine Rescue-Medikation brauchten, von 61,6 Prozent unter Placebo auf 71,3 Prozent unter Rolapitant. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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