Interpharm 2017

Antiinfektiva in der Schwangerschaft

Bonn - 22.02.2017, 17:00 Uhr

Zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Schwangerschaft stehen meistens gut erprobte und unbedenkliche Mittel zur Verfügung. (Foto: VadimGuzhva / Fotolia)

Zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Schwangerschaft stehen meistens gut erprobte und unbedenkliche Mittel zur Verfügung. (Foto: VadimGuzhva / Fotolia)


Infektionskrankheiten müssen selbstverständlich auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent behandelt werden. Eine antiinfektive Therapie muss effektiv für die mütterliche Erkrankung und sicher für das ungeborene Kind sein. Dr. med. Stephanie Padberg über die pharmakotherapeutische Risikominimierung für Mutter und Kind.

Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft gefährden nicht nur die Schwangere, sondern komplizieren auch den Verlauf der Schwangerschaft. So können Infektionen unter anderem zu ­vorzeitigen Wehen oder vorzeitigem Blasensprung führen und so das Risiko für eine Fehlgeburt oder Frühgeburt erhöhen. Bestimmte Erreger gehen auch auf das ungeborene Kind über und schädigen den Feten direkt. Um irrationale Fehlentscheidungen zu vermeiden, sollte die Schwangere über die Notwendigkeit und Sicherheit der Therapie aufgeklärt werden.

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Falls bei einer Schwangeren eine medikamentöse antiinfektive ­Behandlung erforderlich ist, richtet sich diese primär nach der ­Empfindlichkeit der Erreger. Nach heutigem Kenntnisstand hat sich keines der länger eingeführten Antiinfektiva als ernsthaft entwicklungstoxisch für den Embryo oder Feten gezeigt. Zwar wurden von einzelnen Autoren Signale erörtert, doch konnte ein solcher Verdacht bisher nicht erhärtet werden. Grundsätzlich sollten bei Frauen im gebärfähigen Alter für die Schwangerschaft sichere Arzneimittel bevorzugt werden, da es oft auch ungeplant zu einer Schwangerschaft kommen kann.

Zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Schwangerschaft stehen meistens gut erprobte und unbedenkliche Mittel zur Verfügung. Penicilline und Cephalosporine sind bei Schwangeren am besten untersucht und auch in Kombination mit einem β-Lactamase-Hemmstoff in der gesamten Schwangerschaft Mittel der ersten Wahl. Als Alternative, zum Beispiel bei Allergie, können Makrolide verordnet werden.

Da Infektionen teilweise mit hohem Fieber assoziiert sind und ein gering erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Hyperthermie in der Schwangerschaft diskutiert wird, sollte hohes Fieber mit Paracetamol bzw. physikalischen Maßnahmen gesenkt werden. Bis zur 28. Schwangerschaftswoche kann auch Ibuprofen zur Fiebersenkung eingesetzt werden.

Im Fall von vital bedrohlichen Infektionen, insbesondere mit Problemkeimen, kann eine Therapie mit schlechter erprobten oder für die Schwangerschaft suspekten Antibiotika erforderlich werden. In solchen Fällen überwiegt der therapeutische Nutzen das potenzielle Risiko für das ungeborene Kind. Die Fachinformationen oder die ­Rote Liste helfen in diesen Fällen oft nicht weiter. Zusätzlich fehlt die Zulassung vieler Wirkstoffe für die Schwangerschaft bzw. es liegt sogar eine Kontraindikation vor.

In diesem Vortrag wird anhand von ausgewählten Beispielen dargestellt, wie man auch in problematischen Situationen eine adäquate antiinfektive Therapieoption finden und eventuelle Risiken besser beurteilen kann. Neben einer kritischen Nutzen-Risiko-Abwägung wird gezeigt, wo man entsprechende Informationen finden kann. Eine Möglichkeit bietet die Website des Pharmakovigilanz- und ­Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie unter www.embryotox.de.

Interpharm-Vortrag

„Antiinfektiva in der Schwangerschaft – Pharmatherapeutische Risikominimierung für Mutter und Kind“

Dr. med. Stephanie Padberg, am Samstag, den 01. April 2017, auf der IINTERPHARM in Bonn.


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