Schwere allergische Reaktionen

Warnhinweis für Chlorhexidin-Hautantiseptika in USA 

Stuttgart - 03.02.2017, 15:30 Uhr

In Zukunft soll bei Antiseptika unter Drug-Facts auf das Risiko schwerer allergischer Reaktionen hingewiesen werden, fordert die FDA (Foto: Screenshot DAZ.online)

In Zukunft soll bei Antiseptika unter Drug-Facts auf das Risiko schwerer allergischer Reaktionen hingewiesen werden, fordert die FDA (Foto: Screenshot DAZ.online)


Hautantiseptika mit Chlorhexidin können allergische Reaktionen auslösen. Davor warnt jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA. Bislang fand sich dieser Hinweis nur auf Mundspülungen. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte bereits 2013 auf das allergene Potenzial dieses Wirkstoffs hingewiesen – und zwar unabhängig vom Anwendungsgebiet und der Darreichungsform.

Mundspülungen mit Chlorhexidin zur Behandlung von Parodontitis, die in den USA verschreibungspflichtig sind, sowie Chlorhexedin-haltige Plättchen, die zwischen Zahn und Zahnfleisch eingelegt werden und auch nur auf Rezept zu haben sind, tragen den Warnhinweis schon lange: Der Wirkstoff Chlorhexidingluconat kann zwar seltene, aber schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie hervorrufen. 

Nun weist die amerikanische Aufsichtsbehörde darauf hin, dass das auch für Hautantiseptika gilt. Ein entsprechender Hinweis soll auf den in der Regel als OTC vertriebenen Produkten ergänzt werden. Die Behörde will die Hersteller dazu auffordern.

Heilberufler sollen Patienten vor der Anwendung fragen, ob sie jemals eine allergische Reaktion auf Chlorhexidin hatten. Wenn das der Fall ist oder nur der Verdacht besteht, soll auf alternative Antiseptika ausgewichen werden, zum Beispiel Povidon-Jod. In den USA werden laut FDA die Hautantiseptika mit Chlorhexidin hauptsächlich zur Desinfektion vor Injektionen und operativen Eingriffen eingesetzt. 

Bei der Abgabe in der Apotheke nachfragen

In Deutschland kann man diese Warnung zum Anlass nehmen, sich das Thema Chlorhexidin und Allergie nochmal ins Gedächtnis zu rufen: Bei jeglicher Abgabe Chlorhexidin-haltiger Mittel sollte in der Apotheke nach früheren unerwünschten Reaktionen auf diesen Arzneistoff gefragt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte bereits im September 2013 eine entsprechende Warnung herausgegeben. Darin war auf die Gefahr von Überempfindlichkeitsreaktionen unter Chlorhexidin hingewiesen worden. Sie könnten von lokalen Reaktionen bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen reichen. Zum damaligen Zeitpunkt lagen dem BfArM 147 Berichte aus Deutschland über anaphylaktische Reaktionen im Zusammenhang mit der Anwendung von Chlorhexidin vor, die meisten davon bei der Anwendung von Chlorhexidin-haltigen Mundspüllösungen.

Die Warnung des BfArM hatte sich aber auf den Wirkstoff Chlorhexidin generell und somit auf alle Anwendungsbiete bezogen. Das Haut- und Schleimhaut- Antiseptikum ist neben Mundspüllösungen auch in Mundgelen, Wund- und anderen Cremes, Gleitgelen für medizinische Eingriffe, Spüllösungen für Blasenkatheter, Augen- und Nasentropfen und Gelen zur Bindung überschüssiger Magensäure enthalten. Außer in Arzneimitteln findet sich Chlorhexidin auch in Wundpflastern und Kosmetika. Zu letzteren zählen Mundspüllösungen und Zahnpasta, die den Wirkstoff in niedriger Konzentration enthalten (zum Beispiel Gum Paroex 0,06 CHX). Zudem findet sich der Wirkstoff in Cremes als Konservierungsmittel. Somit entziehen sich auch in Deutschland viele Chlorhexidin-haltige Produkte der Beratung durch einen Apotheker, da sie nicht der Apothekenpflicht unterliegen. 

Chlorhexidingluconat

Chlorhexidingluconat besitzt konzentrationsabhängig gute desinfizierende Eigenschaften. Das Antiseptikum hat eine hohe Affinität zur Zellwand von Mikroorganismen und verändert deren Oberflächenbeschaffenheit. So kommt es zu einer Störung des osmotischen Gleichgewichts mit Zerstörung der zytoplasmatischen Membran der Erregerzelle. Chlorhexidin wirkt bakteriostatisch bis bakterizid auf grampositive und gramnegative Bakterien. Säurefeste Stäbchen und Sporen sind resistent. 

In Gegenwart von Blut oder Eiter ist die Wirksamkeit vermindert. Außerdem wird Chlorhexidin durch Saccharose und anionische Tenside wie Natriumlaurylsulfalt (SDS), das häufig als Schaumbildner in Zahnpasta enthalten ist, inaktiviert. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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