Versandapotheke

Streit um Sanicare spitzt sich zu

Stuttgart - 25.01.2017, 14:00 Uhr

Unter einem früheren Betreiber versuchte die Versandapotheke Sanicare, mit Werbung auf einem historischen Flugzeug Aufmerksamkeit zu erregen. Nun führen Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern zu Schlagzeilen. (Foto: dpa)

Unter einem früheren Betreiber versuchte die Versandapotheke Sanicare, mit Werbung auf einem historischen Flugzeug Aufmerksamkeit zu erregen. Nun führen Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern zu Schlagzeilen. (Foto: dpa)


Es geht um verschenkte Anteile, im Handelsregister nicht eingetragene Gesellschafter und viel Geld: Die Witwe und Erbin des ehemaligen Sanicare-Inhabers Volkmar Schein versucht, über verschiedene Gerichtsprozesse gegen die derzeitigen Leiter der Versandapotheke vorzugehen – wie auch gegen andere Firmen. Doch sie wird offenbar gleichfalls unter Druck gesetzt.

„Zurück auf die Sonnenseite des Lebens“, heißt es im aktuellen Newsletter der Versandapotheke Sanicare. Doch dies bezieht sich offenbar nur auf das beworbene „Pflanzliche Arzneimittel bei depressiven Verstimmungen“, kaum jedoch auf die Inhaber der Versandapotheke – denn diese kämpfen derzeit vor Gericht um Anteile sowie die Frage, wer Gesellschafter der Apotheke in Bad Laer ist.

Nach dem Tod des früheren Inhabers Johannes Mönter und einer Insolvenz-Anmeldung hatte der Apotheker Volkmar Schein Sanicare im Jahr 2013 mitsamt der angegliederten Firmen übernommen. 2014 kam sein Kollege Christoph Bertram als Gesellschafter mit ins Boot, doch Auseinandersetzungen zwischen den Apothekern führten wohl dazu, dass Schein sich zunehmend aus dem Betrieb herauszog. Schein übertrug fast alle Anteile an seinen Kollegen Bertram – wie schon zuvor ohne ein Entgelt zu verlangen. Schein beging im Sommer 2016 Suizid.

Witwe sieht Verträge als unwirksam an

Seine Ehefrau und Witwe Ingrid Schein versucht aktuell vor Gericht, die Übertragung der Anteile für ungültig zu erklären – da sie nach dem Eherecht hätte zustimmen müssen. Nach Auskunft ihrer Rechtsanwälte Comtesse & Comtesse beantragte Ingrid Schein beim Amtsgericht in Neunkirchen, die beiden jeweiligen Verträge für unwirksam erklären zu lassen. Sie hielt dies für notwendig, da Bertram sowie der Kaufmännische Leiter der Sanicare-Gesellschaft BS-Apotheken-OHG, Detlef Dusel, dazu übergegangen seien, „vollendete Tatsachen zu schaffen“ – indem sie Vermögensdispositionen getroffen, arbeitsvertragliche Regelungen abgeschlossen und Gesellschafterversammlungen zum Zwecke der Aufnahme eines neuen Gesellschafters abgehalten haben. Nach Auffassung der Witwe sollte „letzten Endes Herr Dr. Volkmar Schein aus der Inhaberschaft der Apotheke hinausgedrängt werden“, wie ihre Anwälte gegenüber DAZ.online erklären.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Verdeckter Fremdbesitz?

von Thomas Arne am 26.01.2017 um 12:09 Uhr

Die Anerkennung von Herrn Meyer als Mitinhaber durch die Kamner erscheint mir als sinvoll, da falls Bertram das Verfahren um die Inhaberschaft verliert, sofort ein Apothekenverwalter für die Seite Schein bestellt werden müsste.

Beteiligte u. Konkurrenten von Sanicare, die Ihre Apotheken eigenverantwortlich leiten sollten ein Augenmerk auf folgende Punkte legen:
- die unzähligen großen GmbHs (u. AG) des kaufmännichen Leiters von Sanicare, welcher wegen angeblicher Unstimmigkeiten vonDr. Schein entlassen wurde, und von Bertram wieder eingestellt.
-Die damit eventuell bestehende massive finanzielle Verstrickung eines nicht Approbierten mit den derzeitigen Inhabern (Einmischung von Kapitalgebern in den Apothekenbetrieb? Oder gar versteckter Fremdbesitz??)
-Auch Herr Meyer sitzt seit kurzem in der geschäftsführenden Funktion einer GmbH des kaufmännischen Leiters D.D-S(Top-B........GmbH)
-die Unternehmensberatungsgesellschaft (Me.......Gmbh) des derzeitigen möglichen Hauptinhaber B, welche 2013 gegründert wurde, und welche B 2014 laut Bundesanzeiger einen Eigenkapitalzuwachs von über 700T€ im Nebenerwerb (neben der Leitung seiner vier ehemaligen Apotheken) beschert hat.(Gewinnabschöpf GmbH für die evtl. bereits 2014 existente versteckte Inhaberschaft einer Versandapotheke, welche 500km entfernt von seinen damaligen Apotheken liegt? Sanicare als Melkkuh?)
-die unentgeltliche Übertragung von S zu B bedeutet auch, dass der neue Inhaber nicht die Finanzierungskredite des Kaufpreises (5,1Mio€)übernommen hat. Was hat Herr Schein sich dabei gedacht? Wollte er seine eigene Familie damit in die Pleite gehen lassen, um die Firma zu retten? Oder wurde Schein mit der Veröffentlichung von Verfehlungen aus der Vergangenheit- welche evtl zum Approbationsentzug geführt hätten- erpresst?
Man kann nur hoffen, dass die Gerichte hier für Klarheit sorgen. Kapitalhengste sind im deutschen Apothekenwesen nicht erwünscht.
-laut den Statistiken von google trends und similarweb befindet sich die Website von Sanicare in einem Trend zurückgehender Klickzahlen und google anfragen, was im Vergleich zum Gesamtmarkt eine besonders schlechte Performance darstellt. Deshalb sollten sich die Gerichte beeilen, bevor erneuter Schaden für den Steuerzahler bei dieser Firma entsteht.
PS Bevor mich jemand verklagt: Ich behaupte mit diesem Post gar nichts, er basiert rein auf vagen Vermutungen und auf fünf Minuten online Recherche zu den o.g. Personen. Quellen sind: apotheke adhoc, NOZ, DAZ, Bundesanzeiger sowie Moneyhouse. Ich stehe weder mit Beteiligten in Kontakt, noch kenne ich einen der Beteiligten persönlich.

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