Wirksame Komplementärmedizin

Evidenz für Akupunktur

25.01.2017, 15:00 Uhr

Wirksamkeit für komplementäre Heilmethoden nachweisen: Forscher aus Heidelberg, Tübingen, Ulm und Freiburg gründen hierfür den Verband AKZIM. (Foto: Andrey Popov / Fotolia)

Wirksamkeit für komplementäre Heilmethoden nachweisen: Forscher aus Heidelberg, Tübingen, Ulm und Freiburg gründen hierfür den Verband AKZIM. (Foto: Andrey Popov / Fotolia)


Phytotherapie, Ernährung und Akupunktur: Komplementäre Medizin soll mehr Evidenz bekommen – das ist Ziel des neuen Akademischen Zentrums für Komplementäre und integrative Medizin. Forscher der Universitätsklinika Tübingen, Freiburg, Heidelberg und Ulm haben sich hierfür zusammengeschlossen. Das Land Baden-Württemberg fördert die Forschung mit 1,2 Millionen Euro.

Schulmedizin und komplementäre Heilmethoden gehen nicht immer Hand in Hand. Nicht selten gibt es vehemente Verfechter der jeweiligen Behandlungsmethode. „Häufig besteht eine Distanz zwischen den Vertretern der konventionellen Medizin und der Komplementärmedizin“, sagt die baden-württembergische Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer. Dabei sieht sie im Zusammenwirken beider Ansätze „gewaltiges Potenzial – für die Medizin und die Behandlung kranker Menschen“.

Wirksamkeit und Sicherheit auch für Komplementärmedizin

Während Arzneimittel aus dem Bereich der konventionellen Medizin in aufwendigen Zulassungsverfahren Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachweisen müssen, fehlt für komplementäre Heilmethoden allerdings häufig diese Evidenz. Dieses Ziel haben sich nun Forscher der baden-württembergischen Universitätsklinika in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm gesetzt: Sicherheit und Wirksamkeit auch bei komplementären Heilverfahren nachzuweisen, und zwar nach strengen medizinischen Kriterien.

Ihren Schwerpunkt setzt das eigens hierfür neu gegründete Akademische Zentrum für Komplementäre und integrative Medizin (AZKIM) auf Phytotherapie, Ernährung und Akupunktur. Bei den Therapiebereichen konzentrieren sich die Forscher auf Tumorerkrankungen und immunologische Erkrankungen. Auch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg (MWK) findet diesen Ansatz förderungswürdig: Es unterstützt die Forschung von AKZIM mit 1,2 Millionen Euro über drei Jahre.

Komplementärmedizin an Universitäten lehren

In der Bevölkerung genießen Naturheilmittel zunehmend breite Akzeptanz – eine Allenbach-Untersuchung von 2010 fand, dass lediglich sieben Prozent der Bundesbürger diese Therapieform strikt ablehnen. An den Hochschulen hingegen sind komplementäre Behandlungsmethoden bislang eher vernachlässigt.

Die Experten der Universitätsklinika wollen nicht nur die Grundlagen- und klinische Forschung vorantreiben, sondern insbesondere auch die komplementäre Medizin bereits stärker in die universitäre Ausbildung einbinden. „Langfristiges Ziel ist es, jene komplementärmedizinischen Therapien, die auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, in eine ganzheitliche Universitätsmedizin zu integrieren", sagt Professor Yvonne Samstag. Sie ist Initiatorin und federführende Sprecherin des AKZIM und leitet die Molekulare Immunologie am Institut für Immunologie des Universitätsklinikum Heidelberg.

„Ob tatsächlich und wenn ja wodurch positive klinische Effekte erzielt werden, ist oft unklar. Selbst bei einer zu beobachtenden positiven Wirkung sind die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen weitgehend ungeklärt", erläutert Professor Yvonne Samstag. 

Derzeit forschen die Wissenschaftler um AKZIM an den Wirkungen des Langen Pfeffers – wie Inhaltsstoffe dieser asiatischen Gewürzpflanze Tumor- und Immunzellen beeinflussen können. Ein weiterer Fokus liegt auf der afrikanischen Heilpflanze Kalata Kalata. AKZIM untersucht deren therapeutisches Potenzial bei Multipler Sklerose und Rheumatoider Arthritis.


cel / DAZ.online 
cmueller@daz.online


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2 Kommentare

Phytotherapie und Komplementärmedizin

von ChemDoc am 25.01.2017 um 23:16 Uhr

Komplementärmedizin ungleich Phytotherapie ungleich Naturheilkunde

Also: die Behandlung mit wirksamen(!) Pflanzenextrakten ist nicht "alternativ" oder "komplementär", sondern evidenzbasiert. Dass interessierte Kreise das gern "übersehen", ist verständlich. Seriöser Journalismus sollte aber darüber stehen.

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Komplementär und alternativ mal wieder...

von Udo Endruscheit am 25.01.2017 um 17:08 Uhr

Hier muss man aufmerksam hinschauen. Zuvörderst wäre es sinnvoll, wenn endlich einmal mit klaren Begrifflichkeiten gearbeitet würde. Die Grenze verläuft nicht zwischen alternativ und/oder komplementär auf der einen Seite und der "Schulmedizin" auf der anderen. Sondern zwischen nachgewiesen wirksamen und unwirksamen Mitteln und Methoden. Was wirksam ist, ist Medizin. Alles andere ist weder komplementär noch alternativ.
Und so gehen dann auch Dinge wie Phythotherapie (kann sehr wirksam sein, kann beforscht werden und gehört in ärztliche Hände) und Akupunktur (nachgewiesenermaßen dummes Zeug) in einem Atemzug durcheinander. Und da wird schon die möglicherweise gute Absicht eingetrübt.

Die Erforschung von Pflanzenwirkstoffen im Rahmen der evidenzbasierten Medizin und Pharmakologie ist doch nichts Neues. Jede Menge ursprüngliche Pflanzenwirkstoffe sind heute synthetisiert in pharmazeutischen Präparaten wirksam.

Verhängnisvoll ist hier doch nur wieder die Grenzziehung: "Alternativ" und "komplementär" sind Leerformeln, im ungünstigsten Fall Kampfbegriffe. Und wenn sich ein Institut so nennt (ich habe hier in Essen direkt so eines vor der Nase, das sozusagen Tür an Tür mit der Carstens-Stiftung zusammenarbeitet), dann wird das nichts Gutes heißen.

Die Pharmaindustrie greift in aller Regel jeden halbwegs erfolgversprechenden Wirkstoff aus dem Pflanzenreich auf und macht wenigstens Vorstudien. Auf diese Weise sind beispielweise die ersten Chemotherapeutika entstanden. Allein aus ökonomischen Gründen wird dies in aller Regel sehr zielgerichtet geschehen. Ein öffentlich gefördertes akademisches Institut, zumal mit dem mütterlich-ministerialen Segen für "Komplementäres" und "Alternatives", hat viel mehr Freiheit für freies Fantasieren.

Hinzu kommt, dass jede Menge Studien für das, was die Ministerin für Alternativ- und Komplementärmedizin hält, längst vorliegen. Akupunktur (mit einem "k") ist erledigt, siehe ganz aktuell:
http://edzardernst.com/.../acupuncture-is-not-an.../.

Ebenso die meisten Ansätze der TCM und sehr viel anderes. Sonst wäre es ja längst im Kanon der evidenzbasierten Medizin gelandet.
Wer wusste übrigens, dass Studien "auf Bestellung" mit hemmungslos gefälschten Daten und Ergebnissen in China normal sind und keineswegs als ehrenrührig gelten? Siehe:
http://edzardernst.com/.../data-fabrication-in-china-is.../

Man möge doch nicht suggerieren, dass es ausgerechnet auf dem Gebiet "komplementärer" und "alternativer" Mittel und Methoden vorrangigen Forschungsbedarf gebe. Vielmehr wäre es an der Zeit, dass sich die Politik endlich vorbehaltlos zur evidenzbasierten Medizin als Grundlage für das öffentliche Gesundheitswesen erklären würde. Wozu dann auch die Streichung der "besonderen Therapieeinrichtungen" aus dem Sozialgesetzbuch gehören würde.

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