Große Koalition

Krisentreffen zum Arzneimittel-Versandhandel

Berlin - 20.01.2017, 17:31 Uhr

Lösung im Versandhandels-Konflikt? Dr. Georg Nüßlein (CSU) lädt die gesundheitspolitischen Spitzen der Großen Koalition ein, um über das EuGH-Urteil und das Rx-Versandverbot zu sprechen. Auch Friedemann Schmidt (ABDA) und Versandapotheken-Chef Christian Buse dürfen mitreden. (Foto: Külker)

Lösung im Versandhandels-Konflikt? Dr. Georg Nüßlein (CSU) lädt die gesundheitspolitischen Spitzen der Großen Koalition ein, um über das EuGH-Urteil und das Rx-Versandverbot zu sprechen. Auch Friedemann Schmidt (ABDA) und Versandapotheken-Chef Christian Buse dürfen mitreden. (Foto: Külker)


Die Zukunft des Arzneimittel-Versandhandels könnte sich bei einem Spitzengespräch in der kommenden Woche klären. Der in der Unionsfraktion für das Thema Gesundheit zuständige Fraktionsvize Dr. Georg Nüßlein hat die gesundheitspolitischen Spitzen der Union und der SPD zu einem Fachgespräch eingeladen. Als Experten geladen sind auch Friedemann Schmidt (ABDA) und Christian Buse – der Chef des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken.

Die gestrige Bundestagsdebatte zum Linken-Antrag (Rx-Versandverbot) zeigte erneut, wie weit die Vorstellungen der Großen Koalition beim Arzneimittel-Versandhandel auseinander liegen. Michael Hennrich (CDU), Arzneimittelexperte in der Union, warb auf der einen Seite für den Referentenentwurf von seinem Parteikollegen Hermann Gröhe. Hennrich kritisierte das EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung scharf und forderte die SPD-Abgeordneten auf, den Widerstand aufzugeben und den Rx-Versand zu verbieten.

Die beiden SPD-Politiker Sabine Dittmar und Edgar Franke hingegen blieben dabei: Sie wollen den Rx-Versandhandel erhalten, weil er aus ihrer Sicht wichtig für die Versorgung ist. Die Apothekenexpertin Dittmar wies darauf hin, dass es einige spezialisierte Versandhändler gebe, die wichtige Rx-Medikamente durch die ganze Bundesrepublik liefern. Außerdem sei im Falle eines Verbotes die Rechtsmäßigkeit vieler Apothekenbotendienste bedroht. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach äußerte sich nicht zu dem Thema – obwohl Lauterbach vor einigen Tagen für Wirbel in der Debatte sorgte, als er einen Kompromiss mit der Union ankündigte.

Georg Nüßlein, stellvertretender Fraktionsvorsitzender in der Unionsfraktion, will sich das Theater anscheinend nicht mehr länger mit anschauen. Der CSU-Politiker hat am kommenden Donnerstag die gesundheitspolitischen Spitzen eingeladen, um den Konflikt zu lösen. Für die Union nehmen neben Nüßlein auch Hennrich und Maria Michalk, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, an dem Treffen teil. Für die SPD sind eingeladen Sabine Dittmar und die gesundheitspolitische Sprecherin Hilde Mattheis. Und: Karl Lauterbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Apotheken-Gespräch im Bundestag

Verhärtete Fronten im Versandhandels-Konflikt

Apothekenthema im Bundestag

Bewegung im Versandhandels-Konflikt

Das Rx-Versandverbot bleibt umstritten – ABDA und BVDVA zum Gespräch geladen

Rückt eine gemeinsame Lösung näher?

Interview Dr. Georg Nüßlein (CSU)

„Die SPD muss jetzt was für die Apotheken tun“

Gröhe legt neuen Referentenentwurf mit geänderter Begründung vor

Große Koalition: Tauziehen um Rx-Versandhandel

Arzneimittelthemen im Kanzleramt

Union will Rx-Versandverbot zur Chefsache machen

6 Kommentare

Drohendes Verbot des Arzneimittelversandhandels

von Kurt Roihr am 08.03.2017 um 14:14 Uhr

RX-Vrsandverbot ist extrem Verbraucher-feindlich. Insbesondere
ältere Bürger werden belastet.Bei der Versandapotheke sind alle Medikamente vorrätig. Bei kleinen Apotheken, insbesondere im flachen Land, ist deshalb eine doppelte Vorsprache nicht selten.
Die Gröheargumente sind scheinheilig.Im Mittelpunkt muss die reibungslose Versorgung der Menschen stehen. Das garantieren die Versandapotheken.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

"Weißer Rauch" für Krisentreffen.

von Christian Timme am 21.01.2017 um 18:09 Uhr

Herrn Dr. Nüßlein sollten die Füße geküsst werden. Den Ansatz von G. Müller, "Sixtinischen Kapelle", finde ich gut. Sollte als Standardlösung festgelegt werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Miteinander reden : Eine gute Idee .......

von Gunnar Müller, Detmold am 20.01.2017 um 19:55 Uhr

.....Aber:
Warum nicht früher?! Die Positionen waren doch "eindeutig"......
Also:
Tür zusperren und keine/n 'rauslassen, bis CDUCSUSPD eine Lösung gefunden haben......

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Wir können dichtmachen

von Christiane Patzelt am 20.01.2017 um 19:04 Uhr

.......am Versand geilen sich ja alle geradezu auf!!! Wir vor Ort sind der Politik schwer egal, wir sind geopfert und mit dieser ABDA sowieso einfach am Ar....Mir scheppern die Worte von Lutz Tisch noch im Ohr (und seit dem plagt mich Übelkeit über solch diletantischen Auftreten der gesamten ABDA-Riege)!

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Wir können dichtmachen

von G. Wagner am 20.01.2017 um 19:39 Uhr

Was hat Lutz Tisch denn gesagt?

AW: Wir können dichtmachen

von Christiane Patzelt am 21.01.2017 um 8:56 Uhr

Werter Kollege,
Herr Tisch proklamierte, dass der EuGh sich niemals für Rabatte auf Zuzahlungen ausspricht! Schon vergessen? Das Urteil traf die ABDA ohne Plan B in der Tasche wie die kalte Hand am nackten Arsch! Und jetzt stehen wir da, seit Monaten, ohne eine Lösung, die für uns vor-Ortler irgendwie nützlich sein könnte. DocMorris macht gerade, was es will und die Politik steht applaudierend daneben und feuert den Versender auch noch an ( siehe posts von Schulz-Asche und Dittmar ). Grüne und SPD nehmen in Kauf, dass die Arzneiversorgung ausgehöhlt wird, nimmt unsere Pleiten und Insolvenzen in Kauf und blöckt mir noch ins Gesicht, wie WICHTIG der Versandhandel ist!! Diese Parteien sind unwählbar, diese Parteien sind mittelstandsfeindlich!! Blöderweise müssen diese genannten Damen noch nicht einmal Verantwortung für den Blödsinn übernehmen, den sie verzapfen! Wir vor-Ortler schon, denn wie haben Angestellte, die wir entlassen müssen, viele von uns haben Kredite, die noch bedient werden müssen und viele von uns haben Familie, die versorgt werden muss. Denn in Apotheken arbeiten zu 90% Frauen, Frauen, die ihre Familien versorgen. Aber das sind alles scheinbar keine Inhalte rot-grüner Politik mehr! SPD und Grüne reden dem vom saudischen Geld gefütterten Konzernen lieber nach dem Mund, als sich um uns Apotheken vor Ort zu kümmern! Traurig aber isso!

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.