Patentstreit um Cholesterinsenker

Etappensieg für Amgen in den USA

Berlin - 06.01.2017, 17:00 Uhr

Amgen und Sanofi haben fast zeitgleich extrem ähnliche monoklonale Antikörper auf den Markt gebracht und streiten nun in den USA um Patentrechte. (Foto: dpa)

Amgen und Sanofi haben fast zeitgleich extrem ähnliche monoklonale Antikörper auf den Markt gebracht und streiten nun in den USA um Patentrechte. (Foto: dpa)


Sanofi muss in den USA einen heftigen Rückschlag einstecken: Der Biotech-Konzern Amgen konnte im Patentstreit mit seinem französischen Konkurrenten um die monoklonalen Antikörper Repatha und Praluent einen Erfolg verbuchen. 

Der weltweit größte Biotech-Konzern Amgen hat im Streit um seinen Cholesterin-Senker Repatha® (Evolocumab) einen juristischen Etappensieg errungen. Ein US-Gericht in Delaware ordnete am gestrigen Donnerstag an, dass der französische Pharmakonzern Sanofi und sein US-Partner Regeneron den Verkauf ihres Konkurrenzproduktes Praluent® (Alirocumab)  stoppen müssen. Das Medikament verletze Patentrechte von Amgen, hieß es zur Begründung.

Sanofi kündigte postwendend an, in Berufung zu gehen. „Wir sind seit langem der Meinung, dass Amgens Patentansprüche hinfällig sind“, sagte Sanofi-Vorstand Karen Linehan laut Mitteilung.

Die Besonderheiten der PCSK9-Inhibitoren

Die beiden so sehr vergleichbaren Cholesterinsenker von zwei unterschiedlichen Firmen machen auch in Deutschland von sich reden. Bei ihnen handelt es sich um monokonale Antikörper. Sie gehören zur neuen Klasse der PCSK9-Inhibitoren und senken den LDL-Cholesterin-Spiegel auf eine neue Art und Weise. Sie helfen auch Patienten, denen sonst nur noch eine Apherese, eine regelmäßige Blutwäsche, als Option bleibt. Allerdings: Die Präparate sind sehr teuer. In den USA schlägt eine Behandlung mit jeweils rund 14.000 Dollar pro Jahr zu Buche.

Hierzulande ging der Gemeinsame Bundesausschuss im Verfahren der frühen Nutzenbewertung einen besonderen Weg. Er beschloss für beide Arzneimittel einen Verordnungsausschluss – mit Ausnahmen für kardiovaskuläre Hochrisikopatienten. In den meisten Subgruppen attestierte er der Luxus-Variante der Cholesterinsenker nämlich keinen Zusatznutzen gegenüber bewährten Arzneimitteln. Erstattungsbetragsverhandlungen, bei denen der GKV-Spitzenverband die Preise etwa für Statine als Basis heranzieht, hätten die Hersteller mit Sicherheit nicht geführt.

Übrigens: Nach der US-Gerichtsentscheidung stiegen die Amgen-Aktien im nachbörslichen US-Handel um mehr als fünf Prozent. Regeneron-Anteilsscheine gaben hingegen um mehr als ein Prozent nach. Experten rechnen bisher bei Praluent® mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden US-Dollar bis 2020.

 


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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