Neue Arzneimittel

Alzheimerforschung am Wendepunkt

Berlin - 28.12.2016, 15:00 Uhr

Die Entwicklung von Alzheimermedikamenten gleiche einem Friedhof für klinische Studien, rund 120 gescheiterte Versuche in den letzten 20 Jahren, schrieb die Wissenschaftsredakteurin Emily Underwood. (Foto: Nomad_Soul / Fotolia)

Die Entwicklung von Alzheimermedikamenten gleiche einem Friedhof für klinische Studien, rund 120 gescheiterte Versuche in den letzten 20 Jahren, schrieb die Wissenschaftsredakteurin Emily Underwood. (Foto: Nomad_Soul / Fotolia)


Ende November stoppte Pharmakonzern Eli Lilly die weitere Entwicklung des Antikörpers Solanezumab. Der erhoffte Erfolg für Alzheimer-Patienten war nicht eingetreten. Nach vielen Rückschlägen teilen sich das Lager der Forscher, die einen wollen die gängige Amyloid-Hypothese weiter verfolgen. Die anderen wolle neue Wege bestreiten. 

Wirklich überraschend kam die Meldung nicht. Am 23. November verkündete die Pharmafirma Eli Lilly, sie breche eine klinische Studie an 2100 Alzheimerpatienten ab – das getestete Arzneimittel, der Antikörper Solanezumab, zeige nicht den erhofften Erfolg. Die Studienteilnehmer hatten sich in einem frühen Krankheitsstadium befunden und über 18 Monate eine monatliche Infusion des Antikörpers erhalten. Solanezumab bindet an lösliche Amyloid-Proteine im Blut und der Zerebrospinalflüssigkeit und soll so die Bildung von Amyloid-Plaques im Gehirn verhindern. Im Vergleich zur Placebogruppe verlangsamte sich der kognitive Leistungsabfall bei den behandelten Patienten statistisch leider nicht signifikant.

Die Nachricht ist keine wirkliche Neuigkeit – der Antikörper überzeugte bereits 2012 nicht: In zwei klinischen Studien mit jeweils mehr als 1000 Patienten hatte das Arzneimittel nicht den erhofften Effekt gezeigt. Nur eine besonders genaue Analyse der Daten weckte noch einmal Hoffnung, da einige der behandelten Patienten bei einem der drei durchgeführten Kognitionstests etwas besser abschnitten. So hatte man sich auch von der jetzt abgebrochenen Studie eine größere Wirksamkeit erwartet: Die Patienten hatten nur wenige Amyloidablagerungen im Gehirn, ihre Demenz war noch nicht weit fortgeschritten.

Die Meldung von Eli Lilly reiht sich in eine Kette von Misserfolgen. Die Entwicklung von Alzheimermedikamenten gleiche einem Friedhof für klinische Studien, rund 120 gescheiterte Versuche in den letzten 20 Jahren, schrieb die Wissenschaftsredakteurin Emily Underwood  in Science. Die Statements von Wissenschaftlern nach dem aktuellen Studienabbruch verdeutlichen, dass sich die Alzheimer-Forschung nach den vielen Rückschlägen immer stärker in zwei Lager teilt – in eines, das die gängige Amyloid-Hypothese nach wie vor unterstützt und eines mit Forschern, die neue Wege bestreiten wollen. 



Ulrike Gebhardt
redaktion@daz.online


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