Gröhe zum Apothekenmarkt

„Beratungshonorar löst kein Problem“

Berlin - 27.12.2016, 13:00 Uhr

Spricht sich erneut gegen zu viel Wettbewerb im Apothekenmarkt aus: Herman Gröhe. (Foto: dpa)

Spricht sich erneut gegen zu viel Wettbewerb im Apothekenmarkt aus: Herman Gröhe. (Foto: dpa)


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will den Apothekenmarkt so erhalten, wie er derzeit ist. In einem Interview mit der Rheinischen Post sprach sich Gröhe gegen mehr Wettbewerb und die Aufhebung des Mehrbesitzverbotes sowie für ein Rx-Versandverbot aus. Allerdings stellte der Minister klar: Mehr Geld wird es mit ihm nicht geben.

Nur einige Tage nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung reagierte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und sprach sich dafür aus, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verbieten. In den vergangenen Wochen musste er dafür herbe Kritik einstecken. Insbesondere große, überregionale Tageszeitungen, aber auch mehrere Politiker erklärten, Gröhe sei vor der Apothekerlobby zu schnell eingeknickt. Kurz vor Weihnachten legte Gröhe dann schließlich wirklich einen Referentenentwurf vor, der das komplette Verbot des Rx-Versandes vorsieht.

Zum wiederholten Male verteidigt Gröhe sein Vorgehen nun aber. Gegenüber der Rheinischen Post erklärte der Minister: „Arzneimittelversorgung ist weit mehr als Arzneimittelverkauf! Es geht auch um Beratung – gut erreichbar, rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Unsere bewährte Apothekenversorgung wäre gefährdet, wenn es in Folge der EuGH-Entscheidung zu einem massiven Anstieg des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln käme. In 21 Staaten in der EU gibt es im Übrigen ein solches Verbot – unbeanstandet vom EuGH.“

In einem Radiointerview hatte Gröhe den Versandapotheken indirekt die Schuld an der jetzigen Sachlage gegeben. Gröhe sagte, dass die Versender durch das EuGH-Verfahren einen Kompromiss aufgekündigt hätten, nach dem der Versandhandel zwar erlaubt sei, aber für alle die gleiche Preise gelten müssten.

Im Interview mit der Rheinischen Post spricht der Minister erneut gegen zu viel Wettbewerb im Apothekenmarkt aus. Könnten inländische Versender auch Rx-Boni anbieten, „würde dies die Lage für die Präsenz-Apotheken weiter verschärfen.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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6 Kommentare

Gesundes denken und schreiben für Dummies ...

von Christian Timme am 28.12.2016 um 18:03 Uhr

Hinter dem angeblichen Vorwurf der Klientelpolitik steckt das typische Profil des Kurzdenkers. Viele Menschen haben etwas gegen Klientelpolitik, es riecht nach Bevorzugung, immer die ... usw. Hinter der Klientelpolitik kommt aber ganz schnell die Verbraucherpolitik. Und wenn die "Klientel" erstmal weg sind, dann geht die "Heulerei" beim Verbraucher erst richtig los. Was könnte ich wohl damit gemeint haben?. Noch viel Spaß bei diesem Denkansatz. Wenn daraus das wird, wofür DocMorris steht, werden diese "Liberalen", Digitalisierten", "Disruptoren" usw. eine sehr traurige, einsame, kalte und kommerzialisierte und persönliche Gesundheitserfahrung machen, die "1984" wie ein Puppenspiel aussehen lässt.

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"Würden Versandapotheker....

von susann am 27.12.2016 um 15:25 Uhr

...die gleichen Boni beanspruchen,würde das die Lage der Präsenzapotheken weiter verschärfen"
Alles andere habe ich sehr gut verstanden,aber damit hat Gröhe sich verraten.Das riecht nach Klientelpolitik,überhaupt nicht nach irgendeiner sog. "Gerechtigkeit."

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: "Würden Versandapotheker

von Gerrit Linnemann am 27.12.2016 um 16:32 Uhr

Leider die typische oberflächliche Argumentation:

Wenn deutsche Versandapotheken auch Rx-Boni geben dürfen (der jetzige Zustand ist eine Inländerdiskriminierung, also ist das nur eine Frage der Zeit), bricht den Apotheken vor Ort der Ertrag weg, mit dem jetzt Rezepturen, Betäubungsmittelabgabe, Notdienste und Präsenz für Beratung querfinanzieren und ihre eigene Existenz finanzieren.

Genau dies hat Herr Gröhe im Gegensatz zu Lauterbach, Dittmar und Lindner mit seinen gelben Welpen verstanden, das hat nichts mit Klientelpolitik zu tun.

Das hat damit was zu tun, ob es in Deutschland auch in Zukunft noch eine flächendeckende Versorgung miit Arzneimitteln rund um die Uhr gibt oder nicht.

AW: "Würden Versandapotheker

von Michael J. Müller am 27.12.2016 um 19:53 Uhr

...selbstverständlich würde es die Lage vieler Vor-Ort-Apotheken massiv verschärfen. Uns bliebe dann vermehrt die (beratungsintensive) Akutversorgung, defizitäre Rezepturen, BTM und die kostenfreie Beratungsleistung nach dem Motto "vielen Dank, ich überlege es mir nochmal...". Die beliebten Chroniker würden bequem online versorgt.
Ich sehe hierin überhaupt keine Klientelpolitik, sondern eine realistische Einschätzung der Sachlage.
P.S.: wie wäre es, unter Klarnamen zu schreiben?

AW: "Würden Versandapotheker

von Hermann Gröhe (nicht CDU) am 01.01.2017 um 15:26 Uhr

@Gerrit Linnemann
Klarnamen bringen gar nichts und ob jemand darunter schreibt oder unter einem fiktiven, einem Klarnamen ähnlichen, kann man hier nicht erkennen.
Ich schreibe z.B. normalerweise als Christian Becker, hier zu Demonstrationszwecken mal unter einem anderen Namen.

prima

von Karl Friedrich Müller am 27.12.2016 um 14:58 Uhr

Gröhe blickt durch. Sehr wohltuend.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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