Neue Impfempfehlung in Sachsen

Vierfach gegen Grippe

09.12.2016, 17:00 Uhr

 Dreifach- oder Vierfachimpfung gegen Influenza? Sachsen empfiehlt ab 2017 den tetravalenten Grippeimpfstoff. (Foto: taddle / Fotolia)

 Dreifach- oder Vierfachimpfung gegen Influenza? Sachsen empfiehlt ab 2017 den tetravalenten Grippeimpfstoff. (Foto: taddle / Fotolia)


Die Sächsische Impfkommission hat ihre Empfehlungen zur Grippeimpfung aktualisiert: Ab 2017 sollen Patienten die tetravalente Influenza-Impfung erhalten anstelle der bislang üblichen trivalenten. Dreifach- oder Vierfachimpfstoff gegen Grippe? Was sagt die STIKO?

Ab 2017 empfiehlt die Impfkommission in Sachsen (SIKO), Patienten primär mit dem Vierfachimpfstoff anstelle des Dreifachimpfstoffes gegen Grippe zu immunisieren. Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Dr. Dietmar Beier, erklärt: „In der letzten Saison 2015/2016 wurde etwa die Hälfte aller Influenza-Erkrankungen in Deutschland durch den Influenza-B-Stamm hervorgerufen, der nur im tetravalenten Impfstoff enthalten war“. 

Trivalente Impfstoffe enthalten zwei Antigene der Influenza-A-Stämme (derzeit H1N1 und H3N2) und ein Antigen der B-Stämme (derzeit B/Victoria). Tetravalente hingegen haben ein zusätzliches B-Antigen (derzeit B/Yamagata). In der Grippesaison 2015/2016 stellte die Yamagata-Linie die B-Komponente des trivalente Impfstoffes dar – allerdings waren 96 Prozent aller zirkulierenden Influenza-B-Viren vom Victoria-Subtyp. Die Wiederholung dieses ausgeprägten B-„Mismatch“ mit der Gefahr eines unzureichenden Impfschutzes der Patienten soll künftig durch die Priorisierung des Vierfachimpfstoffs mit beiden B-Komponenten verhindert werden.

In der Bundesrepublik sind sowohl tri- als auch zwei tetravalente Grippeimpfungen (Influsplit Tetra®, Fluenz Tetra®) verfügbar.

Ärztekammer Sachsen fordert Vierfachimpfstoff für alle Patienten

Warum bekommen also nicht schon längst alle Patienten eine Vierfachimpfung gegen Influenza? In der Regel erstattet die GKV ihren Versicherten lediglich die Dreifachimpfung. Tetravalente Immunisierungen kommen hauptsächlich bei privat Krankenversicherten und im betriebsärztlichen Bereich zum Einsatz. In begründeten Einzelfällen – wenn der Arzt einen besonders schweren Krankheitsverlauf bei einem Patienten fürchtet – erstattet allerdings auch die GKV die Kosten einer Viererkombination. 

Die Landesärztekammer Sachsen forderte auf ihrer Tagung im November 2016 die Krankenkassen auf, diese Ausnahme zur Regel zumachen, um allen Patienten den breiteren Impfschutz zu ermöglichen.

Dreifach- oder Vierfachimpfung bei Influenza? Was sagt die STIKO?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) spricht keine klare Empfehlung zugunsten einer tetravalenten Influenzaimpfung aus. Allerdings räumt sie ein: „In Saisons, in denen zwei B-Stämme zu gleichen Anteilen zirkulieren, oder in denen derjenige B-Stamm dominant zirkuliert, der nicht im trivalenten Impf­stoff enthalten ist, erscheint es plausibel, dass der tetravalente Impf­stoff gegenüber den B-Stämmen einen breiteren Schutz bietet.“

Da das Influenzavirus in starkem Maß einer saisonalen Veränderung unterliegt, ändert sich auch die Zusammensetzung des Impfstoffes entsprechend. Die Empfehlungen der STIKO zur Antigenkombination orientieren sich an denen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) .

Zu spät für eine Impfung für die aktuelle Grippesaison?

Den Höhepunkt der Grippesaison erwarten die Experten des Robert-Koch-Instituts nach dem Jahreswechsel. Sie berufen sich hierbei auf Erfahrungen der vergangenen Jahre. Bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist, dauert es zehn bis 14 Tage. Somit ist auch zum jetzigen Zeitpunkt eine Grippeimpfung durchaus sinnvoll.

Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung allen Personen ab 60 Jahren und Bewohnern von Alten- oder Pflegeeinrichtungen. Auch Patienten, die durch ein anderes Grundleiden (zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, chronische Erkrankungen der Atemwege, MS, HIV, ...) geschwächt sind, sollten sich jährlich gegen Influenza impfen lassen. Für Schwangere spricht die Ständige Impfkommission eine Empfehlung ab dem zweiten Trimenon aus.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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