Nordrhein-Westfalen

Zyto-Apotheker in Untersuchungshaft

Berlin - 02.12.2016, 09:15 Uhr

Falsch gemischt: Ein Apotheker aus Bottrop wird beschuldigt, über Jahre hinweg Krebsarzneimittel absichtlich falsch dosiert zu haben. (Foto: DAZ.online)

Falsch gemischt: Ein Apotheker aus Bottrop wird beschuldigt, über Jahre hinweg Krebsarzneimittel absichtlich falsch dosiert zu haben. (Foto: DAZ.online)


Ein Apotheker aus dem nordrhein-westfälischen Bottrop steht im Verdacht, Krebsmedikamente bei der Herstellung von sterilen Infusionen absichtlich zu niedrig dosiert zu haben. Der 46-Jährige sitze inzwischen in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft Essen am gestrigen Donnerstag mit.

In mindestens 40.000 Fällen soll der Apotheker Infusionen zur Krebsimmuntherapie abweichend von den individuellen ärztlichen Verordnungen zu gering dosiert haben. Dabei habe er auch gegen Hygienevorschriften verstoßen. Mit den Kassen habe der Apotheker den vollen Betrag für die angeforderte Dosierung abgerechnet, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der finanzielle Schaden liege bei 2,5 Millionen Euro.

Medienberichten zufolge hat die Staatsanwaltschaft inzwischen sowohl die Privat- als auch die Apothekenräume des Pharmazeuten durchsucht. Dabei sollen Listen mit Patientennamen sichergestellt worden sein. Allerdings sei es nicht leicht herauszufinden, welcher der behandelten Patienten tatsächlich eine falsche Zubereitung erhielt. Welchen gesundheitlichen Schaden der Apotheker angerichtet hat, ist daher noch offen. Es sei voraussichtlich nicht herauszubekommen, welche Patienten von fehlerhaften Infusionen betroffen waren und welche Auswirkungen das gehabt haben könnte, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der Apotheker schweige.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert die Ermittler auf, schnellstens aufzuklären, welche Patienten gestreckte Medikamente erhalten haben. „Das Schweigen des Apothekers darf den Opferschutz nicht behindern. Schließlich sind die Daten der Patienten den belieferten Krankenhäusern und Arztpraxen bekannt“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Deshalb seien auch die Kliniken und Ärzte aufgefordert, nicht nur die Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen zu unterstützen, sondern direkt Kontakt mit den betroffenen Patienten aufzunehmen.

Aktualisierung am 2.12.2016 um 12.30 Uhr: Das Thema des beschuldigten Zyto-Apothekers hatte in den vergangen Stunden eine sehr große Medienresonanz. Unter anderem die Bild-Zeitung hat sich dazu entschieden, die Geschichte als Titelstory zu bringen. Auf der Bild-Titelseite vom heutigen Freitag ist ein Foto des Beschuldigten zu sehen.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Peter s.

von heinzb am 05.12.2016 um 22:53 Uhr

Unglaublich, unsere Tochter hatte B-zelliges Lym. und starb bei uns mit 22 Jahren in 2014, sollte es sein Anteil sein, dann sollte er sich wünschen, schnell zu sterben, denke ich.

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Apotheker Bottrop..

von Hendrich am 05.12.2016 um 20:19 Uhr

Bestätige meinen Kommentar wir oben. Gruß, HHHendrich

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Apotheker Bottrop..

von Hendrich am 05.12.2016 um 20:19 Uhr

Bestätige meinen Kommentar wir oben. Gruß, HHHendrich

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Apotheker im Knast

von Alexander Zeitler am 04.12.2016 um 17:28 Uhr

Wenn das so stimmt, dann gehören diese Typen auch in den Knast. Die machen unseren Ruf noch vollends kaputt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Apotheker im Knast

von Heñdrich am 05.12.2016 um 17:45 Uhr

Sicher sind bei Ihnen noch weitere Kommentare einglaufen.
Bitte alle veröffentlichen, damit Kunden endlich begreifen,
dass nicht die InternetApotheken die Bösen sind...
Gruss der bei Zuzahlung viel Geld sparende
H. H.Hendrich

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