Neuartige Kooperation in der Schweiz

Eine Offizinapotheke im Krankenhaus

Remagen - 29.11.2016, 09:30 Uhr

Das KSA im Schweizer Kanton Aarau geht mit einer Apotheke der besonderen Art neue Wege an der Schnittstelle vom Krankenhaus in die ambulante Versorgung. (Foto: KSA)

Das KSA im Schweizer Kanton Aarau geht mit einer Apotheke der besonderen Art neue Wege an der Schnittstelle vom Krankenhaus in die ambulante Versorgung. (Foto: KSA)


Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, kann in der Arzneimitteltherapie einiges schief gehen. Vor allem, wenn er nachher andere Medikamente bekommt als auf der Station. In der Schweiz wurde jetzt ein innovatives Projekt zu dieser kritischen Schnittstelle aus der Taufe gehoben.

Im Hauptgebäude des Kantonsspitals Aarau (KSA) wird Ende Januar 2017 die „Apotheke im Spital Aarau“ ihren Betrieb aufnehmen. Das klingt wie der Name einer Krankenhausapotheke, doch das ist sie nicht. Die „Apotheke im Spital Aarau“ ist eine Offizinapotheke, die künftig als Schnittstelle zwischen dem Krankenhaus und den nachversorgenden Stammapotheken fungieren soll. Sie wird durch 31 Apotheken aus Aarau, Lenzburg, dem Suhren- und unteren Wynental betrieben und ist in das Netz der umliegenden Offizinapotheken eingebunden. Die 31 Apotheken haben sich in der AISA AG („Apotheke im Spital Aarau AG") zusammengeschlossen. Verwaltungsratspräsident der AG ist der Präsident des Schweizerischen Apothekerverbands Pharmasuisse Fabian Vaucher, der eine Apotheke in Buchs betreibt. 

Umfassende Gesamtdienstleistung

Die neue Offizinapotheke im Krankenhaus soll im Rahmen des Entlassmanagements eine optimale Erstversorgung sicherstellen und den Informationsfluss zwischen den einzelnen Leistungserbringern verbessern. Hiermit sollen Arzneimittelrisiken wie Interaktionen oder Wechselwirkungen minimiert und Doppelverordnungen verhindert werden. Der Hauptgeschäftsführer des Kantonsspitals Aarau Robert Rhiner sieht deshalb in der Kooperation einen Qualitätsvorsprung: „Durch eine nahtlose und integrierte Patientenbetreuung vom Spitaleintritt bis zur Entlassung und darüber hinaus ermöglichen wir eine umfassende Gesamtdienstleistung im Sinne des Masterplans Integrierte Versorgung Kanton Aargau.“

Auch die Krankenhausapotheke profitiert davon

Das KSA hat natürlich auch eine eigene Krankenhausapotheke, die schwerpunktmäßig für die Versorgung auf den Stationen zuständig ist. Auch sie wird von der Kooperation profitieren. Über die „Apotheke im Spital Aarau“ kann sie den ambulanten Patienten ihre spezialisierten, individuell hergestellten Arzneimittel wie Zytostatika, Ciclosporin-Augentropfen, Antibiotika-Kassetten und Ähnliches künftig besser zugänglich machen. Damit werden Patienten mit komplexen Therapien auch nach der Entlassung ohne Unterbrechung optimal weiterversorgt.

Schluss mit dem alternierenden Notdienst 

Ab Mitte 2017 soll die „Apotheke im Spital Aarau“ außerdem den zentralisierten 24-Stunden-Notfalldienst für die Regionen Aarau, Lenzburg, Suhren- und unteres Wynental übernehmen. Unter Zuschlag einer Notfallpauschale können dann nachts und an Sonn- und Feiertagen Medikamente und Medizinalprodukte dort bezogen werden. Diese Notfallversorgung ersetzt die bisherige Regelung mit wochenweise alternierendem Notdienst in den Offizinapotheken der Region. „Die 24 h-Notfallversorgung an einem zentralen Ort entspricht dem Bedürfnis von Patienten und Bevölkerung“, kommentiert Fabian Vaucher die Neuerung. „Sie müssen sich im Bedarfsfall nicht mehr zuerst erkundigen, welche Apotheke in der Region gerade Notfalldienst leistet.“  

Größtes Krankenhaus des Kantons

Das KSA im Kanton Aargau im Norden der Deutschschweiz ist neben den Universitätsspitälern eines der drei größten Zentrumsspitäler der Schweiz. Als überregionales Gesundheitszentrum mit außerkantonaler Ausstrahlung verfügt das KSA eigenen Angaben zufolge über eine erstklassige medizinisch-technische Infrastruktur. Das medizinische Leistungsangebot reicht von der Grundversorgung über die spezialisierte bis hin zur hochspezialisierten Medizin. In über 30 Behandlungs- und Diagnosezentren sind rund 4100 Fachpersonen aus Diagnostik, Medizin, Pflege, Therapie und anderen Berufsbereichen jährlich für über 27.000 stationäre und über 520.000 ambulante Behandlungen verantwortlich.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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