Versorgungsprojekte

Apotheker profitieren nur punktuell vom Innovationsfonds

Berlin - 21.11.2016, 17:35 Uhr

Bislang eine Niederlage: Die Apotheker sind bei den bezuschussten Millionen-Projekten des Innovationsfonds bislang nur am Rande beteiligt. (Foto: dpa)

Bislang eine Niederlage: Die Apotheker sind bei den bezuschussten Millionen-Projekten des Innovationsfonds bislang nur am Rande beteiligt. (Foto: dpa)


Für die Apotheker droht die erste Tranche des Innovationsfonds zur Niederlage zu werden. Die Techniker Krankenkasse ist an der Hälfte aller bezuschussten Versorgungsprojekte beteiligt, drei davon drehen sich um die Arzneimitteltherapie –Apotheker sind nur am Rande beteiligt. Zuvor mussten schon die bayerischen Apotheker Absagen hinnehmen.

Es geht um die Millionen aus dem Innovationsfonds, den der Gesetzgeber im vergangenen Jahr etabliert hat. Die gesamte Gesundheitsbranche schaute in den vergangenen Monaten auf den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der die Zusagen zur Bezuschussung in diesen Wochen an die Projekte per Post verschickt. Grundlage dieser Zuschüsse ist eine Gesetzesänderung, nach der der G-BA einen Innovationsfonds bilden sollte, der einerseits innovative Versorgungsmodelle fördert und andererseits besondere Projekte zur Versorgungsforschung unterstützt. Für die Versorgungsmodelle sollen jährlich 225 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, für die Forschungsprojekte weitere 75 Millionen Euro. Laut G-BA-Chef Hecken sollte ein Förderschwerpunkt für die nun anstehende erste Tranche die Arzneimitteltherapiesicherheit sein.

Noch ist unklar, welche der mehr als 500 eingegangenen Bewerbungen das große Los gezogen haben. Denn der G-BA will seine Entscheidung noch nicht öffentlich kommunizieren, weil die Bescheide bislang nur vorbehaltlich an die Bewerber ausgestellt wurden. Klar scheint inzwischen aber zu sein, dass rund 30 Projekte bezuschusst werden. Einige Bewerber teilen in diesen Tagen schon mit, mit welchen Ideen sie Erfolg hatten. So auch die Techniker Krankenkasse. Die TK ist eigenen Angaben zufolge an der Hälfte aller erfolgreichen Projekte beteiligt. Zur Erklärung: Eine der Bewerbungsvoraussetzungen war es, dass sich mindestens eine Krankenkasse an dem Konzept beteiligt. Teilweise sitzen sogar mehrere Krankenkassen mit im Boot. Die TK teilte mit, dass ihre Projekte mit insgesamt 120 Millionen Euro bezuschusst würden.

Drei von 15 TK-Projekten drehen sich um die Arzneimitteltherapie

Drei dieser Vorhaben drehen sich um die Arzneimittelversorgung. Einer der beiden Gewinner ist das Projekt „VERO“, für das die TK auch Konsortialführerin ist, also die Federführung innehat. Mit dem Projekt sollen die Versorgungsqualität und Versorgungseffizienz in der Indikation Rheumatoide Arthritis durch eine gezielte Förderung der Arzneimitteltherapie verbessert werden. Als Konsortialpartner sind laut TK dabei der Berufsverband Deutscher Rheumatologen, das Universitätsklinikum Erlangen, die Universität Hamburg mit dem Center for Health Economics sowie die mhplus Betriebskrankenkasse an Bord. Neben der TK sind noch 13 weitere Kassen beteiligt.

An diesem Vorhaben, das auf dem TK-Rheuma-Vertrag aufbaut, sind auch die Apotheker beteiligt, allerdings nur marginal: Teilnehmen sollen nämlich nur solche Apotheken, die über den „TK ArzneimittelCoach“ einen Vertrag mit der Techniker haben. Zur Erklärung: Die TK hatte mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) 2014 einen Vertrag über das Versorgungsmodell abgeschlossen. Seitdem können sich Patienten bei gewissen Indikationen in einer teilnehmenden Apotheke beraten lassen. Am „ArzneimittelCoach“ teilnehmende Apotheken, die sich auf die Indikation Rheuma spezialisiert haben, sollen nun auch Teil des Projektes „VERO“ werden. Allerdings sollen sie keine Entscheidungen über die Medikation treffen, sondern die Patienten, wie schon bisher, bei der Therapie begleiten. Eine Extra-Vergütung gibt es dafür nicht – möglicherwiese aber mehr teilnehmende Patienten.




Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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