DAZ-Tipp aus der Redaktion

Den Patienten überzeugen

Stuttgart - 17.11.2016, 17:45 Uhr

Wie kann man in der Apotheke nonadhärente Patienten zu mehr Therapietreue motivieren? (Foto: underdogstudios / Fotolia)

Wie kann man in der Apotheke nonadhärente Patienten zu mehr Therapietreue motivieren? (Foto: underdogstudios / Fotolia)


Wie schafft man es, dass Patienten ihre Arzneimittel wirklich einnehmen? Vor allem multimorbide Ältere stehen oft vor einem unübersichtlichen Packungsberg und sind überfordert. In der aktuellen DAZ erhalten Sie Anregungen, wie Sie strukturiert vorgehen, damit aus einer umfassenden Medikationsanalyse ein Medikationsmanagement wird. Und vor allem wie man das alles zum Beispiel einer älteren Dame vermittelt, sodass sie sich verstanden und sicher fühlt und ihre Medikamente regelmäßig einnimmt. 

„Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist nicht behalten. Behalten ist nicht angewandt. Angewandt ist nicht beibehalten.“ Das Zitat kennen Sie ganz bestimmt – auch weil Sie das jeden Tag in Ihrer Apotheke erleben. Patienten bekommen vom Arzt ein Rezept – und von Ihnen das Arzneimittel mit entsprechenden Einnahmehinweisen. Doch wenden sie diese dann auch wie beschrieben und regelmäßig an? Die traurige Antwort ist bekannt: Nur ein Bruchteil der Arzneimittel werden eingenommen und erreichen ihren korrekten Zielort.

Zur Frage, wie man nonadhärente Patienten zu mehr Therapietreue motivieren kann, empfehlen ich Ihnen aus der aktuellen DAZ einen tollen und praxisnahen Beitrag: „Den Patienten überzeugen - Mit motivierender Gesprächsführung die Adhärenz fördern“. Apothekerin Dr. Verena Stahl beschreibt die Methoden einer „motivierenden Gesprächsführung“, mit denen eine wirkliche Verhaltensänderung erreicht werden kann. Nur wenn der Patient Einsicht in sein „Fehlverhalten“ (mangelnde Therapietreue) hat und von sich aus zu einer Änderung bereit ist, wird er zuverlässig seine Arzneimittel einnehmen. Um ihn zu dieser Verhaltensänderung zu bewegen, bedarf es „technischer Prozesse“ wie Vereinfachung des Medikationsregimes, verbesserter Nutzung von Erinnerungshilfen und einer intensiveren Einbeziehung von Angehörigen oder Pflegenden, aber vor allem bedarf es Soft Skills, mit denen die Gesundheitskompetenz und die Motivation des Patienten gefördert werden. Ganz sicher zählen dazu nicht vorwurfsvolles Drängen, Konfrontieren oder Argumentieren, sondern eine motivierende Gesprächsführung. Und die bedeutet offene Fragen, aktives Zuhören, nicht wertende sondern bestätigende Aussagen und ein echtes Interesse an den Belangen des Patienten. Diese positive innere „therapeutische“ Grundhaltung lässt sich nicht von heute auf morgen erlernen. Doch sie lässt sich üben, wie Verena Stahl in ihrem Beitrag zeigt. Ein erster Schritt ist reflektierendes Zuhören, indem man sich dem Patienten zuwendet und interessiert zuhört, ihn ausreden lässt und in bestimmten Punkten nachhakt. Nicht so selbstverständlich und so einfach, wie sich das hier liest … 

Wie aus dem Medikationsplan ein Medikationsmanagement wird

Das pharmazeutisch-fachliche Wissen, wie man einen Medikationsplan optimiert, vermittelt unser aktueller POP-Fall „Vom Medikationsplan zum Medikationsmanagement“. Darin stellt das Autorenteam um Olaf Rose Ihnen Frau W. vor. Eine 83-jährige Dame mit Alzheimer, Diabetes, Bluthochdruck, Hypothyreose, Gicht und depressiven Episoden – und mit mehreren Medikationsplänen und einer Vielzahl an Arzneimitteln, mit der Frau W. einfach überfordert ist. Hier kann man erfahren, wie es gelingt, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten das Therapieregime zu vereinfachen und die Einnahmezeitpunkte zu reduzieren – und damit die Adhärenz der Patientin zu verbessern. 

Auch lesenswert: „Cranberry-Zubereitungen ohne Wirkung“. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Martin Smollich, Professor für Klinische Pharmakologie und Pharmakonutrition an der Praxishochschule Rheine, nach der Auswertung einer aktuellen randomisierten klinischen Studie mit Cranberry-Proanthocyanidin-haltigen Kapseln. Er ist der Meinung, dass Cranberry-Zubereitungen ältere Frauen nicht vor Bakteriurie plus Pyurie schützen können, da diese nur so wirksam sind wie Placebo. In der Apotheke sollte deshalb auch nicht suggeriert werden, dass diese Cranberry-Produkte „möglicherweise“ wirksam sind – vielmehr sollte aufgrund der erwiesenen Unwirksamkeit von ihrer Anwendung abgeraten werden.


Dr. Carolina Kusnick (ck), Apothekerin 
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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