H5N8-Epidemie

Vogelgrippe erstmals auch in Niedersachsen

Hannover/Riems - 16.11.2016, 15:30 Uhr

Alle Bundesländer haben inzwischen Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe-Epidemie ergriffen. (Foto: dpa)

Alle Bundesländer haben inzwischen Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe-Epidemie ergriffen. (Foto: dpa)


Mit einem schnellen Ende der Vogelgrippe-Epidemie ist nicht zu rechnen. Inzwischen verstehen die Forscher zwar den Eintragsweg immer besser, doch das Risiko von Ansteckungen ist weiter groß. Am Mittwoch wurde ein erster Fall in Niedersachsen bekannt, wo rund die Hälfte aller deutschen Hühner, Puten und Enten gehalten wird.

Die Vogelgrippe mit dem für Menschen bislang nicht gefährlichen H5N8-Erreger breitet sich weiter aus. Neben infizierten Wildtieren kam es Ende vergangener Woche auch zu einem Ausbruch in einem schleswig-holsteinischen Geflügelbetrieb: 30.000 Hühner mussten getötet werden. Wie der Erreger in den abgeschlossenen Betrieb kam, ist weiter unklar.

Erstmals seit Beginn der aktuellen Epidemie ist auch in Niedersachsen die Vogelgrippe nachgewiesen worden. Bei einer am Eixer See im Kreis Peine entdeckten Wildente sei die hochpathogene Virus-Variante gefunden worden, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Damit wurden inzwischen aus sechs Bundesländern Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Als letztes der Bundesländer ordnete auch Berlin für bestimmte Risikoregionen vor allem nahe Flüssen und Seen eine Stallpflicht an.

In Niedersachsen wird rund die Hälfte aller deutschen Hühner, Puten und Enten gehalten. Nun gibt es auch dort einen Vogelgrippe-Fall – bei einem Wildvogel. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) appellierte an Geflügelhalter, strikt alle Schutzmaßnahmen einzuhalten. „Das gilt insbesondere für Hygienevorkehrungen etwa durch Schleusen, Desinfektionsmatten, Handwaschbecken und Schutzkleidung“, erklärter er. Zutritt zu den Beständen sollten allein die Tierhalter haben. 

Tiere müssen in den Stall

Im Kreis Peine wurde die Stallpflicht angeordnet – wie zuvor bereits in 20 anderen Landkreisen Niedersachsens. Um den Fundort der Ente wurde ein Sperrbezirk mit drei Kilometern Radius eingerichtet. In dem Gebiet gebe es 50 Betriebe mit insgesamt rund 1600 Tieren, hieß es vom Ministerium. In einer zusätzlichen Beobachtungszone von zehn Kilometern leben demnach rund 120.000 Tiere in Geflügelhaltungen. Auch in anderen Bundesländern wurde die Stallpflicht auf weitere Landkreise ausgedehnt. Damit soll der Kontakt zu erkrankten Wildvögeln, ihrem Kot oder verunreinigtem Wasser verhindert werden.

Der H5N8-Erreger sei vermutlich von Zugvögeln nach Europa getragen worden, und der Vogelzug habe gerade erst begonnen, erklärte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Weitere Ausbrüche auf Geflügelhöfen seien jederzeit möglich. „Bei dem aktuell hohen Infektionsdruck durch Wildvögel von außen sind vereinzelte Einträge in Nutzgeflügelbestände nicht zu 100 Prozent zu verhindern.“ 

In Kassel wurde vorsichtshalber die für dieses Wochenende geplante größte deutsche Vogelschau mit rund 1000 Züchtern und 14.000 Tieren abgesagt. Die Veranstaltung hätte im Risikogebiet der Fuldaauen stattgefunden, teilte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel am Dienstag mit. „Das Risiko einer Ansteckung von Tieren während dieser Veranstaltung mit dem Virus sowie einer Weiterverbreitung des Erregers über Deutschland ist zu groß“, hieß es. Die Vogelschau hat seit 1953 bisher 64 Mal stattgefunden – nun fällt sie erstmals aus.



dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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