DAZ-Tipp aus der Redaktion

Oh wie schön ist Kanada!

Stuttgart - 10.11.2016, 16:00 Uhr

Die Pharmazie in Kanada hat ihren Wandel bereits vollzogen. Apotheker übernehmen in hohem Maße Therapieverantwortung. (Foto: Comugnero Silvana / Fotolia)

Die Pharmazie in Kanada hat ihren Wandel bereits vollzogen. Apotheker übernehmen in hohem Maße Therapieverantwortung. (Foto: Comugnero Silvana / Fotolia)


Die Erkenntnis, dass die Arzneimitteltherapiesicherheit besonders von Patienten mit Polymedikation verbessert werden muss und dass dazu dringend der Apotheker mit ins Boot geholt werden muss, ist nicht neu. Sie hat in anderen Ländern schon zu einer Neuausrichtung des Studiums und einer Stärkung des Apothekers als Pharmakotherapie-Experten geführt. Beispiel Kanada.

Wie auch wir haben die Kanadier sich Gedanken gemacht, welche Aufgaben der Apotheker in Zukunft übernehmen muss, um den Anforderungen der Patienten und der Gesellschaft an eine sichere Arzneimitteltherapie gerecht zu werden. Wie wir haben die Kanadier – allerdings schon vor zehn Jahren -  ihr Berufsbild auf den Prüfstand gestellt und in einem Perspektivpapier die Marschrichtung für die Neuorientierung  des Apothekers hin zum Pharmakotherapie-Manager im interdisziplinären Team festgelegt. Und weil dieser Wandel nur gelingen kann, wenn das notwendige Wissen und die Kompetenzen schon vom ersten Tag im Studium vermittelt werden, hat die kanadische Berufsvertretung den pharmazeutischen Hochschulen ganz klare Vorgaben für das Studium gemacht. Dabei ist es ihr gelungen, die Hochschullehrer nicht nur zu überzeugen, sondern sogar zu begeistern, über die Hälfte der Standorte hat das Curriculum schon angepasst. Damit erhalten schon jetzt viele Pharmaziestudierende in Kanada eine so fundierte  Ausbildung in klinischer Pharmazie und Pharmakotherapie, dass sie nach Abschluss des Studiums in hohem Maße Therapieverantwortung übernehmen und sich als Pharmakotherapie-Manager im interdisziplinären Team profilieren können. 

Wende in Leipzig eingeläutet

Auch bei uns muss das Pharmaziestudium dringend angepasst werden, sollte der in unserem Perspektivpapier 2030 formulierte Wandel hin zu einer patientenorientierten Pharmazie gelingen. Doch die Einsicht wächst nur langsam. Die Klinische Pharmazie fristet an den meisten deutschen pharmazeutischen Instituten ein Schattendasein. Sie an allen Standorten so zu etablieren, dass auch in Deutschland die Studierenden das für die Neuorientierung notwendige klinische und pharmakotherapeutische Wissen  erwerben können, stößt allzu oft auf Widerstand.

Aber es gibt Hoffnung. Die schon totgesagte Pharmazie in Leipzig könnte die Wende bringen! Die Politik hat soeben grünes Licht für einen innovativen Modellstudiengang an der Universität Leipzig gegeben. Wichtige zentrale Inhalte sollen die Patientenorientierung fördern und dem Ziel dienen, die Therapiesicherheit zu steigern. Dabei kann die Universität Leipzig auf das von der Universität und dem Universitätsklinikum Leipzig schon 2015 gegründete Zentrum für Arzneimittelsicherheit  – kurz ZAMS – zurückgreifen. Geleitet wird das ZAMS von Prof. Dr. Thilo Bertsche.  Als Professor für Klinische Pharmazie hat er jahrelang an der Universität Leipzig für den Erhalt der Pharmazie gekämpft und parallel dazu gezielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Zentrum für Arzneimittelsicherheit vorangetrieben. Jetzt freut sich Bertsche über das grüne Licht für den Modellstudiengang in Leipzig und hofft, auf Basis seiner innovativen und preisgekrönten Konzepte nicht nur die Pharmazie in Leipzig voranzubringen, sondern auch bundesweit zukunftsweisende Impulse setzen zu können.

Mehr zur Pharmazie in Kanada und der Wende in Leipzig lesen Sie in der aktuellen DAZ.


Dr. Doris Uhl (du), Apothekerin
Chefredaktion DAZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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