Pro Apotheke vor Ort

ABDA startet Unterschriftenaktion XXL

Berlin - 09.11.2016, 07:00 Uhr

Unterschriften für die Apotheke vor Ort: Ab Dezember will die ABDA über acht Wochen lang Unterschriften sammeln. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2002. (Foto: dpa)

Unterschriften für die Apotheke vor Ort: Ab Dezember will die ABDA über acht Wochen lang Unterschriften sammeln. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2002. (Foto: dpa)


Nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung folgt bereits bald der nächste Schritt in der PR-Kampagne der ABDA: Ab Anfang Dezember sollen alle Apotheken in Deutschland Unterschriften sammeln. Möglichst viele Bürger sollen sich für die Versorgung durch die inhabergeführte Apotheke vor Ort aussprechen.

In der Dramaturgie der PR-Kampagne soll sich schon bald das nächste Kapitel öffnen. Nach den Anzeigen in überregionalen Zeitungen, der Aktivierung der Wahlkreisapotheker, politischen Gesprächen auf Spitzenebene in Berlin sowie der Plakataktion an Berliner Bahnhöfen steht nun eine groß angelegte Unterschriftenaktion an. Nach Informationen von DAZ.online sollen möglichst alle Apotheken in Deutschland daran teilnehmen.

Ein genaues Startdatum steht noch nicht fest, da die ABDA gemeinsam mit der PR-Agentur Cyrano noch an der Umsetzung arbeitet. Gegenüber DAZ.online bestätigte ABDA-Sprecher Reiner Kern aber: „Es wird eine solche Aktion geben. Die Unterschriftensammlung soll über zwei Monate laufen. Wir wollen die Sympathie der Bevölkerung für die Apotheke vor Ort qualitativ und quantitativ darstellen.“

Wie der Text auf den Unterschriften lauten soll, wollte Kern noch nicht verraten. Dem Vernehmen nach soll aber kein konkretes politisches Ziel zur „Abstimmung“  gestellt werden. So sollen die Bürger nicht gegen den Rx-Versandhandel oder für den Erhalt der Rx-Preisbindung unterschreiben. Vielmehr geht es darum, möglichst viele Unterstützer für die Arbeit der inhabergeführten Apotheken vor Ort zu finden.

Kampagne soll bis Ende Februar laufen

Spätestens Anfang Februar soll die Aktion wieder beendet werden, um die Anzahl der gesammelten Unterschriften zu zählen.

Aus strategischer Sicht könnte das Ergebnis für die Apotheker im neuen Jahr noch wichtig werden: Denn schließt sich an das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Rx-Versandhandelsverbot tatsächlich ein EU-Notifizierungsverfahren an, könnte es Monate dauern, bis die ABDA an ihrem politischen Ziel – dem Rx-Versandverbot – angekommen ist.

In dieser Zeit gilt es für die ABDA, den Druck auf die Politik hoch zu halten. Vorstellbar wäre schließlich, dass sich ein EU-Mitgliedstaat oder die EU-Kommission gegen das Verbot ausspricht. Um sich gegen solche Hürden zu munitionieren, sucht die ABDA die Unterstützung der Bevölkerung per Unterschriftensammlung.

Der Vorteil an dem relativ unverbindlichen Text auf den Unterschriftenlisten ist, dass man das Ergebnis der Aktion auch bei zukünftigen Lobby-Tätigkeiten verwenden kann. Denn selbst wenn das Rx-Versandverbot bis Februar schon in trockenen Tüchern ist, kann die ABDA die Nachricht, dass mehrere Hunderttausend Bundesbürger die Apotheke vor Ort unterstützen, immer gut gebrauchen.

Wie die Aktion organisiert wird, ist derzeit noch offen. ABDA-Sprecher Kern sagte lediglich, dass die Maßnahme noch in Planung sei. Vorstellbar wäre aber, dass die ABDA die Unterschriftenlisten und die dazugehörigen Info-Flyer im geschlossenen Bereich von abda.de zur Verfügung stellt. Über die Mitgliedsorganisationen in den Ländern könnten Informationsmaterialien an die Apotheken verteilt werden. Fest steht: Schon bald sollen die Apotheker mehr erfahren.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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7 Kommentare

Jammerlappen

von Stefan Eckardt am 09.11.2016 um 18:19 Uhr

Was bringt denn ihr jammern und echauffieren auf Apothekenportalen? Eben. Also beteiligen sie sich. Nur mir der Unterstützung der Bürger wird es gehen. Letzte Nacht wird auch in Deutschland Wirkung zeigen. Und zur Frage was es gebracht hat - es gibt noch 20.000 Apotheken. Noch. Aber mit schlau reden bzw. posten ohne einen Funken Handlung dahinter wird es sich schnell ändern.

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Unterschriftenaktion XXL

von Bernd Jas am 09.11.2016 um 11:13 Uhr

Hört doch auf mit dem Quatsch; Unterschriftensammlungen (wie 2004 gg. Versandhandel, gegen Ketten-Apotheken, für verminderte MwSt. usw.), Dienst nach Vorschrift, Notdienstkläppchenprotest, Demo, Apothekerprotest.
All das hat doch nichts gebracht.
Trullalala hat sämtliche Unterschriften (mehrere Millionen) in der runden Ablage versenkt.
Wir sollten uns lieber in unsere Pillenbuden stellen, und mit wehenden Fahnen, aufrecht hinter dem HV-Tisch stehend, mit starkem Rückgrat, stolz wie spanische Toreros, allen Widrigkeiten trotzend UNTERGEHEN.



Ich für meinen Teil meine: macht doch was Ihr wollt; ich mach mit und kämpfe!
Kai-Peter Siemsen hat wegen künftiger Geschlossenheit auf seine Kandidatur verzichtet; ein guter Grund mehr mitzumachen.

Denn wer nicht kämpft braucht einen sehr starken Glauben, dass alles nur ein böser Traum ist: EuGh-Urteil, Zyto-Ausschreibungen, Trump, usw. Ich wünsche dabei viel, viel Kraft und noch mehr Glück für´s Durchschlafen.

Denn das kennen wir ja zu genüge:
"Es hätte ja schlimmer........", und es kam schlimmer. Wie immer.


Wir haben damals fast 3000 (dreitausend) Unterschriften gegen den Versandhandel gesammelt.
Diesmal knacken wir die 3000! Ja´ tschakka.

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Aktionen

von Peter Bauer am 09.11.2016 um 10:40 Uhr

Ich habe so den Eindruck bei diesen Aktionen ist die Verzweiflung dieTriebfeder.Papier ist bekanntlich äußerst geduldig und möchte sagen,dass jede einzelne Unterschrift genau gar nichts wert ist.Erstens im Hinblick auf eine Zusage in der Apotheke vor Ort einzukaufen und zweitens um irgendeinen Entscheidungsträger zu beeindrucken.Ich würde sogar soweit gehen zu sagen,dass jeder Chroniker ,der nicht im Versandhandel die Rabatte auf seine Rezepte wahrnimmt,für mich geistig zumindest nicht nachvollziehbar ist.Der entscheidende Dreh-und Angelpunkt ist wie immer primär das Geld und nichts anderes.Für uns geht's um die finanzielle Existenz,für die Patienten und Krankenkassen um Rabatte und für die Politik darum die Möglichkeit zu schaffen,billig an Arzneimittel zu kommen.Erst in zweiter Linie werden die bereits jetzt vorstellbaren Versorgungsprobleme veriziert werden,Aber bis es soweit ist kann man die Frucht Apotheke ausquetschen.

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AW: Aktionen

von Christian Becker am 12.11.2016 um 17:15 Uhr

"Ich würde sogar soweit gehen zu sagen,dass jeder Chroniker ,der nicht im Versandhandel die Rabatte auf seine Rezepte wahrnimmt,für mich geistig zumindest nicht nachvollziehbar ist."
Sie sprechen also allen anderen die Fähigkeit ab, sich die Gedanken zu machen, die sich die Apotheker spätestens seit dem Urteil machen?
Natürlich sehen sehr viele zunächst mal Einsparungen - aber es gibt eben auch die Leute, die zu ihrer Apotheke stehen und den Ersparnissen die Versorgungssicherheit vorziehen - so wie es immer auch einige (wenn auch zu wenige) gab, die damals in den Dorfläden trotz höherer Preise gekauft haben, wie immer noch Leute in Buchläden statt zu Amazon gehen oder im Fachhandel einkaufen.
Das reicht vielleicht nicht aus... aber nachvollziehen können müsste man doch können, dass manche eben auf die Rx-Boni verzichten.

Letales Entsetzen!

von Christian Giese am 09.11.2016 um 10:39 Uhr

Auch an diesem Rohrkrepierer kann man nur feststellen, dass die ABDA, mehr als schlechte Berater oder vermutlich gar keine hat.
Keinerlei vitale Emotion, keinerlei Empathie und politisch total wirkungslos, von Vorgestern!

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Unterschriftensammlung

von Dr. Albrecht Emmerich am 09.11.2016 um 9:09 Uhr

Wie oft hatten wir in der Vergangenheit solche Aktionen? Was hat's gebracht?
Solange die Apothekerschaft sich nicht einig ist und für mindestens vier Wochen Dienst nach Vorschrift macht ändert sich gar nix!
Wieviele Arbeitsstunden werden jeden Tag unentgeltlich von den Apotheken geleistet um die Fehler von Verschreibungen zu korrigieren?
Wieviel Zeit für Dokumentation von nicht lieferbaren Rabattarzneimitteln weil die Krankenkassen leichtfertig Verträge mit Firmen geschlossen hat, die diese hinterher nicht einhalten können?
Es ist Zeit zum handeln!! Der Druck muss von den Versicherten direkt kommen und nicht von Paketen von Unterschriften, die wir irgendwo hinterlegen.

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AW: Unterschriftensammlung

von Heiko Barz am 15.03.2017 um 12:15 Uhr

Sie haben in Allem Recht, Herr Kollege, aber bedenken Sie, dass Ulla Schmidt - SPD und B. Bender - B90/Grüne 2004 bei den Verhandlungen um den Fremd-und Mehrbesitz den Grundstein der heute so beklagenswerten Apothekensituation gelegt haben. Und jene sind heute noch stolz auf ihre Leistung.
Wie unehrlich diese Politiker sind, sehen Sie exemplarisch bei den anstehenden Wahlen landes-und bundesweit. NRW ( kurz vor der Landeswahl )bekundet die Wichtigkeit des RXArzneimittelversandverbots und wie schwerwiegend doch die individuelle Beratungsleistung des Apothekers für die Patienten sei.
Angst vor dem wahlpolitischen Multiplikator APOTHEKE ?
Im Nachherein wird Lauterbach seine Schäfchen zu Ordnung und seiner Meinung einnorden. Hat sich nicht auch Frau Rundt SPD Niedersachsens Gesundheitsministerin für diese RX VvB ausgesprochen? Hört man noch was von ihr? Lauterbach wird ihr solche Daumenschrauben angelegt haben, dass sie nur noch als Kreidefresser anzusehen ist.
Auch Ihr Vorschlag zum Dienst nach Vorschrift würde sich unter den Kollegen nie durchsetzen lassen, weil sich viele dabei einen
finanziellen Vorteil erhoffen.
Idealismus ist ehrenhaft; Aber unter konkurrierenden Apothekern?
Ich bin zu lange dabei, als dass ich da irgend eine Hoffnung hegen könnte.

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