Verbraucherbefragung

Zwei Drittel kaufen Arzneimittel lieber nicht im Versand

Stuttgart - 03.11.2016, 07:00 Uhr

Arzneimittel per Mausklick? Zwei Drittel gehen lieber in die Apotheke nebenan. (Foto: babimu / Fotolia)

Arzneimittel per Mausklick? Zwei Drittel gehen lieber in die Apotheke nebenan. (Foto: babimu / Fotolia)


Nur 32 Prozent der Deutschen geben an, Arzneimittel lieber im Internet zu bestellen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des E-Commerce-Verbands bevh und des Marktforschungsunternehmens Boniversum. In den letzten zwei Jahren ist diese Zahl zudem leicht zurückgegangen.

Rund 60 Prozent der Deutschen kaufen lieber im stationären Handel ein, 40 Prozent bestellen lieber im Versandhandel, ob nun „klassisch“ aus dem Katalog oder online. Doch die Zahl der Versand-Fans steigt erstmals seit Jahren nicht mehr, wie eine Befragung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) und der Creditreform Boniversum ergeben hat. Besonders gern werden Bücher, Unterhaltungselektronik und Medien sowie Handys und andere Telekommunikationsgeräte bestellt. Lebensmittel, Heimwerkerbedarf und Gartenzubehör sowie Möbel und Dekorationsartikel werden nur selten online gekauft, hier ziehen die Deutschen den stationären Handel vor.

68 Prozent gehen lieber in die Apotheke

Von den zwölf abgefragten Produktgruppen (s. Tab.) kommen Arzneimittel auf den achten Rang. Nur 32 Prozent kaufen sie lieber im Versand, 68 Prozent ziehen die Apotheke vor Ort vor. Die Zahl der „Versand-Fans“ ist auch bei dieser Produktgruppe seit 2014 gesunken, wenn auch nur leicht um 3,8 Prozent. Diese Zurückhaltung gegenüber dem Arzneimittelversand zeigt sich auch in den Umsatzzahlen. Der Umsatz mit Arzneimitteln ist im E-Commerce nach Zahlen der bevh im dritten Quartal um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Er belief sich auf 140 Millionen Euro (inkl. Mehrwertsteuer). Drogerieartikel hingegen haben im Internethandel 13,3 Prozent zugelegt auf nun 368 Millionen Euro Brutto-Umsatz. 

Ranking 2016: Einkaufspräferenzen nach Produktbereichen – Online- und Versandhandel

Produktbereich Online- und Versandhandel
  2014 2015 2016 11/16
Bücher 66,7% 64,5% 61,6% -5,1%
Unterhaltungselektronik / Medien / Bild- und Tonträger 60,5% 63,3% 59,2% -8,7%
Telekommunikation / Handy und Zubehör 55,3% 57,6% 58,4% +0,5%
Computer und Zubehör 58,3% 57,6% 57,3% +0,6%
Gutscheine unterschiedlicher Anbieter 57,8% 58,5% 53,6% -7,2%
Spielwaren 46,3% 44,1% 45,1% -0,1%
Bekleidung / Textilien / Schuhe 41,8% 41,8% 42,0% +4,0%
Medikamente 32,3% 31,9% 32,1% -3,8%
Schmuck und Uhren 30,0% 30,9% 29,5% +6,1%
Möbel und Dekorationsartikel 20,3% 23,8% 21,4% +5,2%
Heimwerkerbedarf / Gartenzubehör und Blumen 13,7% 16,1% 15,4% +5,0%
Lebensmittel, Delikatessen, Wein 5,4% 6,6% 6,8% +3,9%
Anteil an allen Nennungen 40,7% 41,4% 40,2% +4,8%

Prozentuale Verteilung aller Nennungen. Seit 2014 werden die Produktbereiche „Bücher“ und „Gutscheine unterschiedlicher Anbieter“ separat ausgewiesen (Abweichungswert für Bücher daher für die Jahre 2014 / 2016) – Quelle: bevh

Ist der Zenit erreicht?

Generell wächst die Kaufpräferenz der Deutschen für den E-Commerce nicht mehr. Die Zahl der Befragten, die angeben, bevorzugt im Versandhandel einzukaufen, ging von 2015 auf 2016 ganz leicht um 1,2 Prozent auf 40,2 Prozent zurück. 59,8 Prozent gaben dagegen an, lieber im stationären Einzelhandel einzukaufen. Überhaupt nicht im Versand kaufen aber nur 10 Prozent ein. Doch auch diese Zahl ist leicht gestiegen, im vergangenen Jahr lag sie noch bei 7,7 Prozent. Das Internet-Fachportal t3n.de sieht den Trend zum Online-Shopping in Deutschland bereits auf dem Rückzug und fragt, ob der E-Commerce in Deutschland bereits „auf dem Zenit“ sei. Der Boom scheine an eine Grenze zu stoßen. 

Bemerkenswert ist dabei, dass die Zahlen nicht von Interessenvertretern des stationären Handels stammen, sondern vom Interessenverband der deutschen E-Commerce-Anbieter. Dem bevh gehören übrigens auch Versandapotheken an, der Bundesverband Deutscher Versandapotheken BVDVA kooperiert mit dem bevh.


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4 Kommentare

Alter

von DAZ.online Redaktion am 03.11.2016 um 16:11 Uhr

Liebe Frau Buschow,
grundsätzlich bestellen in der Untersuchung die Jüngeren mehr im Internet.
Grüße
Ihre DAZ.online-Redaktion

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Versorgungssektor Arzneimittel

von Heiko Barz am 03.11.2016 um 12:24 Uhr

Arzneimittelversorgungskette: zeitlich aufsteigend,

Apotheke, Versandapotheke, Lizenz apo, Versandapotheke (ausland), Drogerie DM und Co, Apothekenketten ( Morris ), Aldi, Lidl, Amazon und Zalando und dann folgende qualifizierte Auslieferung durch Liferando de.
das ist eine Zukunft!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Alter

von Barbara Buschow am 03.11.2016 um 9:35 Uhr

Wäre interessant die Altersstruktur der Kunden, die Medis online bestellen zu kennen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: @Frau Buschow: Fakten...

von Rolf Lachenmaier am 03.11.2016 um 11:59 Uhr

Hallo Frau Buschow, ich steh ja nicht so auf solche Umfragen. Mit sind Zahlen lieber. Und wenn ich das richtig gesehen habe, betrug der Packungsanteil der gesamten Versender im RX-Bereich starke 0,6%! (2014). Das ist so obsolet, dass man da keinen Politiker, der hier "Versorgungsgründe" oder ähnliches in den Ring wirft, verstehen kann.

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