Ökotest prüft stilltees

Wie gut sind Stilltees aus der Apotheke?

Stuttgart - 28.10.2016, 11:45 Uhr

Stilltees: Mehr Milch oder nur mehr Gift in der Milch? (Foto: stanislav_uvarov / Fotolia)

Stilltees: Mehr Milch oder nur mehr Gift in der Milch? (Foto: stanislav_uvarov / Fotolia)


Stilltees sind bei Stillenden beliebt – das dürfte nicht weiter überraschen. Sie sollen die Milchproduktion anregen ­– der Effekt ist umstritten. Doch sind die Tees zumindest unbedenklich? Ökotest prüfte 15 Stilltees, darunter auch Produkte aus der Apotheke. Wie schneiden die Tees von Weleda, Sidroga und Bombastus ab?

Wieder einmal war Ökotest im Sinne des Verbraucherschutzes unterwegs. Dieses Mal galt ihr Interesse den Stilltees. Ein sensibles Produkt für eine ebenso empfindliche Zielgruppe – gelten doch Schwangere und Stillende auch in der Apotheke als besonders kritische Kundinnen. Insgesamt 15 Tees prüfte Ökotest auf ihre Unbedenklichkeit, davon 13 mit einem Bio-Siegel. Die meisten Tees enthalten Anis, Fenchel, Kümmel und Zitronenmelisse. Die Kräutermischungen sollen die Milchbildung anregen, wissenschaftlich belegt sei dies allerdings nicht, schreibt Ökotest.

Erfahrungsgemäß fällt das Urteil der Verbraucherschützer für die Testprodukte meist niederschmetternd aus. Mit den Bewertungen „mangelhaft“ und „ungenügend“ ist Ökotest häufig recht großzügig. Bei der Bestnote zeigen sie sich meist zurückhaltend, nahezu geizig. Umso erfreulicher: Sieben Stilltees erhielten dieses Mal das Prädikat „sehr gut“, sechs der Tees bekamen die unliebsamen Stempel „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Prominente Apothekenprodukte, die im Ökotest-Labor analysiert wurden, waren die Stilltees von Weleda, Sidroga, H&S, Bombastus, Aurica und Medesign. Wo liegen die Stilltees aus der Apotheke im Ranking? Sind sie besser oder gar schlechter als Stilltees aus dem Drogeriemarkt?

Auf dem Prüfstand: Pestizide und Pyrrolizidinalkaloide

Die Kriterien, nach denen die Stilltees untersucht wurden, betrafen vor allem kritische Inhaltsstoffe: Pyrrolizidinalkaloide (PA), Pestizide und Nitrat. Beim Nitrat überzeugten die Tees „erfreulich“ uniform: Keines der Brühprodukte überschritt den Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Dieser wurde als Referenz herangezogen, da es keine speziell deklarierten Höchstmengen für Nitrat in Kräutertees gibt. Nitrat ist deshalb heikel, da der menschliche Körper es zu Nitrit reduzieren kann. Nitrit reagiert im sauren Milieu des Magens mit sekundären Aminen – wie sie in Proteinen enthalten sind – zu kanzerogenen Nitrosaminen.

Anlass für Kritik – und folglich Punkteabzug – lieferten hingegen Pestizide. Insbesondere bei den 13 als „Bio“ ausgelobten Stilltees hätte man sogar „Pestizidfreiheit“ erwarten dürfen, findet Ökotest. So gingen sie mit den Bioprodukten bei der Bewertung auch härter ins Gericht: Für das Überschreiten der EU-Höchstmengen und der Vorgaben des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) mit 0,01 mg/kg gab es bei den Biotees anstelle eines Punkts gleich zwei Punkte Abzug.

Um die Pyrrolizidinalkaloide war es unter dem Aspekt der Unbedenklichkeit nicht besser bestellt: Hier unterschieden sich die Tees massiv. Je nach Abweichung vom Grenzwert, den das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) vorgibt, verteilte Ökotest einen oder gar zwei Minuspunkte. Positiv punkteten die Tees von Alnatura, die der Drogeriemarktketten Rossmann und Dm, aber auch die Stilltees von Hipp, Holle, Lebensbaum und Salus. Sie enthielten keine Pyrrolizidinalkaloide. Die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe gelten als hepatotoxisch und kanzerogen. Und die Stilltees aus der Apotheke?

Keine Pyrrolizidinalkaloide: Sidroga Stilltee aus der Apotheke

Nur ein Apotheken-Stilltee überzeugte Ökotest durch die Abwesenheit der giftigen Pyrrolizidinalkaloide: Sidroga® Bio Stilltee. Andere Apothekentees, die speziell für stillende Frauen gedacht sind, erhielten durchweg die Note „mangelhaft“. Bei Bombastus, Weleda, H&S, Aurica und Medesign fanden sich „stark erhöhte“ PA-Werte, die teilweise ein „Vielfaches“ über dem vom BFR ausgewiesenen Maximalwert lagen.



Celine Müller (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Wie gut sind „Immunstimulanzien“ und Stilltees?

„Ökotest“ war wieder aktiv

Hersteller messen andere Werte als Öko-Test

Zu viele Pyrrolizidinalkaloide in Stilltees?

Salus Arzneitee-Kampagne für die Apotheke

Tee in Spitzenqualität

... und weitere pflanzliche Produkte, die für Schlagzeilen sorgten

Damiana für die Dame ...

Wie groß sind die Risiken durch Pyrrolizidinalkaloide?

Verunreinigte Tees

1 Kommentar

Falschangabe, mdB um Stellungnahme

von Spallek M. am 12.03.2017 um 16:07 Uhr

Hallo, wir bitte um Klarstellung bzw Korrektur Ihres Artikels "Wie gut sind Stilltees aus der Apotheke?
STUTTGART - 28.10.2016, 11:45 UHR". Auszug aus Stiftung Ökotest "Im Alnatura Stilltee steckt eine so große Menge der krebserregenden Substanzen, dass der von BfR-Experten empfohlene Tages-Höchstwert um das 15-Fache überschritten wird, wenn Mütter davon sechs Tassen trinken.". Sie hingegen schreiben:"Die Stilltees von Alnatura, Holle, Lebensbaum und Salus waren die mit „sehr gut“ ausgezeichneten Testsieger: Keine Pyrrolizidinalkaloide, keine Pestizide, und auch sonst fand Ökotest keine Mängel zum Meckern. ". Wie kann dies sein, da Alnatura schlecht abschnitt? Wir bitten um eine Stellungnahme der DAZ.
Mit freundlichen Grüßen, Dr. Spallek

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.