BMG erarbeitet Regelung

Gröhe will bei Fraktionen für Rx-Versandverbot werben

Berlin - 28.10.2016, 10:30 Uhr

Hermann Gröhe - kürzlich noch auf dem Deutschen Apothekertag - will Wort halten und das Notwendige tun, damit die flächendeckende
Arzneimittel­versorgung durch ortsnahe Apotheken weiterhin
gesichert bleibt. Das ist für ihn offenbar ein Rx-Versandverbot. (Foto: Schelbert)

Hermann Gröhe - kürzlich noch auf dem Deutschen Apothekertag - will Wort halten und das Notwendige tun, damit die flächendeckende Arzneimittel­versorgung durch ortsnahe Apotheken weiterhin gesichert bleibt. Das ist für ihn offenbar ein Rx-Versandverbot. (Foto: Schelbert)


Gesundheitsminister Hermann Gröhe macht ernst mit dem Rx-Versandverbot: Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte gegenüber DAZ.online, dass derzeit ein entsprechendes Gesetz geprüft und vorbereitet werde. Zugleich will Gröhe nun bei den Fraktionen für diesen Weg werben. DocMorris will sich wehren.

Die Rheinische Post hatte am gestrigen Donnerstagabend in ihrer online-Ausgabe gemeldet, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ein Gesetz zum Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln vorbereitet. Die Gespräche nicht zuletzt mit der ABDA-Spitze haben offenbar Früchte getragen. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte gegenüber DAZ.online, Gröhe werde nun bei den Fraktionen für das Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel werben. Tatsächlich gibt es eine Reihe Argumente für diesen Weg. Ober er mit seinen Plänen allerdings bei der SPD auf Zuspruch trifft, muss sich noch zeigen. Schließlich war es ein SPD-geführtes Gesundheitsministerium, das den Versandhandel mit Arzneimitteln seinerzeit erlaubte. Auf einen genauen Zeitplan will sich das Ministerium wohl auch deshalb noch nicht festlegen. Ob eine Regelung noch im Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz möglich ist, ließ die Sprecherin offen.

Das dürfte DocMorris' Freudenrausch nach dem EuGH-Urteil sicher trüben. Jahrelang hat die niederländische Versandapotheke prozessiert, wollte die aus ihrer Sicht verstaubte deutsche Apothekenlandschaft umkrempeln. Nach zahlreichen juristischen Niederlagen schien das Ziel am 19. Oktober endlich erreicht für DocMorris: Die Versandapotheke darf nun vom EuGH abgesegnete Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren.

Die DocMorris Spitze hatte schon am selben Tag erklärt: Sollte die Politik mit einem Rx-Versandverbot kontern, werde sie weiter vor Gericht kämpfen. Nun sieht es so aus, als ob die Kapitalgesellschaft aus Heerlen tatsächlich einen noch längeren Atem braucht.

Heinrich: Keine Mehrwertsteuer-Tricks

DocMorris-CEO Olaf Heinrich bekräftigte nun auch gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,  gegen ein solches Verbot vor dem Verfassungsgericht klagen zu wollen. Er ist überzeugt: „Beim Verbot des Versandhandels geht es den Apothekern nicht um die Sicherung der flächendeckenden Versorgung, es geht ihnen um die Sicherung wirtschaftlicher Interessen.“ Mehr Effizienz gehe auf Kosten der Apotheker. Die erwirtschafteten im Schnitt eine Umsatzrendite von 5 bis 7 Prozent, behauptet er. Doc Morris komme auf etwa 2 Prozent. „Wir verzichten für unsere Kunden auf Marge“, zitiert die FAZ Heinrich. Doc Morris habe zwar Größenvorteile, doch auch hohe Versandkosten. Behauptungen, der Versand aus den Niederlanden werde durch die dort niedrigere Mehrwertsteuer subventioniert, seien falsch. Jeder Exporteur nach Deutschland müsse den dort geltenden Satz entrichten. Allerdings: Wirklich transparent konnte DocMorris diese Behauptung nie widerlegen. Auch die Kassen halten sich hier bedeckt.

Heinrich plädiert statt des Versandverbots für Höchstpreise. „Das würde Patienten und Versicherte vor einer Überbelastung schützen, darunter aber wäre Platz für Wettbewerb, Dynamik und Veränderung“, erklärt er der FAZ.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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6 Kommentare

Auf die SPD ist Verlass im Apothekenhass !

von Ratatosk am 31.10.2016 um 8:35 Uhr

Zuerst und Schmidt mit den Kumpanen Lauterbach, Biggi und Glaeske die Apotheken auf dem Lande mit Versand langsam den Hahn zudrehen - und dann diese Garotte als Lösung präsentieren ! Schaft nur die Spd. (und die Grünen, die mit der dezentralen Versorgung etc. - ne is klar !) Ist aber immer schon einzig am Großkaptial orientiert ! Wer als Kollege-in hier diese Konsorten immer noch irgendwie unterstützt kann einfacher auch anders wirtschaftlichlichen Selbstmord begehen, zieht dann den tapferen Rest nicht noch runter.
Die Gesinnung der entsprechenden Genossen ist leider ohne juristische Konsequenzen in diesem Land nicht mehr darlegbar. Nur Politiker dürfen noch ungestraft missliebige Gruppen beleidigen.

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Umsatzrendite

von Alexander von Petersenn am 28.10.2016 um 15:52 Uhr

2% Umsatzrendite bei DM ststt satter 5-7%? Hier wird wohlweislich verschwiegen, daß von der Rendite der öffentlichen Apotheke noch das Unternehmergehalt abzuziehen ist, wie es jede Kapitalgesellschaft tut. Setzt man hier das beim Doc zu vermutende Geschäftsführergehalt an, so dürften die meisten deutschen Apotheken bei einer negativen Umsatzrendite landen, d.h. rote Zahlen schreiben. Es ist an der Zeit, daß unsere Betriebskennzahlen endlich unter Berücksichtigung des Unternehmergehaltes vetöffentlicht werden, damit das ganze Ausmaß unserer wirtschaftlichen Schieflage erkennbar wird!

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AW: Umsatzrendite

von Peter Lahr am 29.10.2016 um 10:16 Uhr

Da kann ich dir nur Recht geben, in den Mainstream Medien geht man zu 99% davon aus, dass der Ertrag der Apotheke zusätzlich zum Unternehmergehalt ausgewiesen wird. Da sollte man sich darum wirklich mal überlegen ob man diesen Medien nicht entgegen kommt und das wirklich mal so berechnet. Ertrag minus Unternehmerlohn= Ertrag. In vielen Apotheken wohl dunkelrot....

Der Trick mit den Prozenten

von Peter Lahr am 28.10.2016 um 13:28 Uhr

Zitat "Die erwirtschafteten im Schnitt eine Umsatzrendite von 5 bis 7 Prozent, behauptet er. Doc Morris komme auf etwa 2 Prozent. „Wir verzichten für unsere Kunden auf Marge“

Wenn ich auch nur 10 Mio Umsatz mit einem Versand hätte würden mir 2% ohne den Zwang der Erfüllung von Allgemeinwohlpflichten, auch reichen, 200 000€ schön verdientes Geld.

Seine Aussage aber verführt den, leider im Bezug auf uns alles andere als unvoreingenommenen Leser seinem gewünschten Bild der Präsenzapotheke glauben zu schenken indem er das wirklich verdiente Geld durch niedrige erscheinende Prozente ersetzt.
Das lässt dann die typische Apotheke mit einem Ertrag von 5% (eher sogar 4% aufgrund schlechterer Konditionen aber gewiss keinen 7%) aus 1,5 Mio Umsatz raffgierig dastehen. 75 000 vor Steuern, Abgaben und Tilgung (also so 2700€ netto) würden in echten Zahlen wohl nur bei den wenigsten, Patienten und Lesern, im Vergleich zu 16 Mio Ertrag bei Domo, Neideffekte heraufbeschwören. Nennt man die 75 000 aber einfach 5-7% Ertrag, losgelöst vom Wert auf den sie sich beziehen, und seine 16 Mio Ertrag robinhoodisch ebenso bezugslos 2% so ist der wirkliche € Wert negiert, der gewünschte Effekt beim Leser tritt ein und der fühlt sich, anhand seines gewachsenen Bildes von Apotheken, bestätigt. Denn auch das 56% der deutschen Apotheken nicht mal den Durchschnittsumsatz von 2 Mio erreichen und wie viele davon noch UNTER der typischen Apotheke mit 1,5 Mio liegen weiss der ja nicht, 7%vs 2% stehen im Raum, der eine zieht mir das Geld, der andere verzichtet für mich. Herr Domo versucht also, die Allgemeinheit mit einem Taschenspielertrick zu überzeugen.

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Bedenke, was du tust...

von Christian Redmann am 28.10.2016 um 12:37 Uhr

... und bedenke die Folgen.

Wenn du total transparent bist, kommen dann am Ende die Krankenkassen, verlangen dein "Medikationsprofil" und passen dann - bevor - sie dich aufnehmen und/oder auch danach deine Beitragssätze an.

... "Sie sind zu krank für uns"
..." Sie haben ein zu hohes Risiko für..."

... spätestens dann könnte ja jemand mal hellhörig werden.

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Doc Morris als großer Wohltäter

von Christiane Patzelt am 28.10.2016 um 11:24 Uhr

so ein Blödsinn! Wohltäter mit Investoren im Nacken, die Jungs haben einfach extremen Druck und wir sollen dafür unseren Kopf hinhalten.
Schaut man auf die Seite der DocMo, sieht man schon das Verlinken auf einen Dienstleister, der sich um die Folgerezepte kümmert und das zu DocMorris schickt, so dass der Patient weder Arztkontakt noch Apothekenkontakt hat. Das ist dann auch noch verbotene Rezeptzuweisung. Dieser Konzern überschreitet gerade alle Grenzen, die je vereinbart wurden, um den Patienten zu schützen!

Viele Lebensmittelhändler starten gerade die Schiene "individuelle Preise", jeder Kunde erhält Rabatte auf ganz bestimmte Artikel, je nach Einkaufsprofil. Im Gegenzug liefert man Daten und ist jetzt auch im Supermarkt komplett durchsichtig.
Wollen wir das auch im Medikamentenbereich?
Jeder Berufstätige muss mehr für sein Antibiotikum bezahlen, denn er hat ja den Druck, schnell fit für die Arbeit zu werden...? Und je älter der Patient wird, steigt der Preis für Blutverdünner, denn 10tausend 100jährige belasten die Rentenkassen einfach zu sehr...?

Kommt denn immer erst das Fressen, dann die Moral?




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