Nach EuGH-Urteil

ABDA-Kampagne gegen Rx-Boni startet

Stuttgart - 26.10.2016, 14:10 Uhr

Großflächige Anzeige: Auf einer Viertelseite der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch startete die ABDA ihre Kampagne gegen die Folgen des EuGH-Urteils. (Screenshot: DAZ.online)

Großflächige Anzeige: Auf einer Viertelseite der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch startete die ABDA ihre Kampagne gegen die Folgen des EuGH-Urteils. (Screenshot: DAZ.online)


„Die Politik muss handeln!“, verlangt die ABDA eine Woche nach dem Urteil des EuGH zur Rx-Preisbindung für europäische Versandhändler. In einer überregionalen Werbekampagne erklärt sie, dass die Rundumversorgung durch wohnortnahe Apotheken aufs Spiel gesetzt wird. Die ABDA setzt auf eine baldige Lösung.

Mit einer viertelseitigen Anzeige in der „Süddeutschen Zeitung“ startete die ABDA am heutigen Mittwoch ihre bundesweite Kampagne, mit der sie über negative Auswirkungen des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von vergangener Woche aufmerksam machen will. Mit einem Karabinerhaken und der Überschrift „Sichern!“ fordert sie die Politik zum Handeln auf, da das verbriefte Recht der EU-Mitgliedstaaten auf selbstständige Ausgestaltung ihres Gesundheitswesens durch das Gerichtsurteil angegriffen worden sei.

„Unser bewährtes System der Arzneimittelversorgung wird gefährdet“, erklärt die ABDA. „Statt Beratung durch pharmazeutische Experten stehen Preise und Renditen im Vordergrund.“ So werde die Rundumversorgung durch wohnortnahe Apotheken „ohne Not aufs Spiel gesetzt“.

Aufwändige Kampagne

Schon kurz nach Verkündung des Grundsatzurteils des EuGHs hatte die ABDA angekündigt, mit allen Mitteln gegen negative Konsequenzen der Entscheidung vorgehen zu wollen. Der Anzeige in der Süddeutschen Zeitung, die laut Mediadaten um die 30.000 Euro gekostet haben dürfte, sollen weitere Anzeigen in überregionalen Medien wie auch Parteizeitungen folgen. „Es geht auf verschiedenen Ebenen weiter“, erklärte ABDA-Pressesprecher Reiner Kern auf Nachfrage.

Die Anzeige verweist auch mit einem QR-Code auf die ABDA-Internetplattform www.wir-sind-ihre-apotheken.de. Dort macht die ABDA darauf aufmerksam, welche Folgen die Freigabe der Rx-Preisbindung für ausländische Versandapotheken haben könnte. „Statt Beratung und Qualität in der Patientenversorgung stehen dann Preise und Renditen im Vordergrund“, erklärt die ABDA. „Das gefährdet die Apotheke in Ihrer Nachbarschaft.“ Auf der Internetseite ist auch ein Infoblatt zum Hintergrund des EuGH-Urteils verfügbar.

ABDA will eine zügige Lösung

Laut Kern müssen nun einerseits ein dickes Brett gebohrt werden, andererseits hätten aber bereits alle Bundestags-Fraktionen Handlungsbedarf signalisiert. „Es zeigt sich, dass sich jetzt auszahlt, was in den letzten Jahren an Arbeit geleistet worden ist“, erklärte er. „Die ABDA hat sehr gute Arbeitsbeziehungen aufgebaut – dass es diese gibt lohnt sich in solchen Momenten, wie wir sie im derzeit haben“, betonte Kern.

Erfreulich ist für die ABDA auch, dass Bundesgesundheitsminister Gröhe sich nur wenige Tage nach der Urteilsverkündung Zeit für ein ausführliches Gespräch mit der ABDA-Spitze genommen hat. Laut Kern setzt die ABDA auf eine baldige Klärung der offenen Fragen. „Angestrebt wird von unserer Seite eine zügige Lösung, wir wollen Klarheit haben“, betonte er.

Update: Die Aussagen des ABDA-Pressesprechers wurden nachträglich ergänzt.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

ABDA Kampagne

von Alexander Zeitler am 27.10.2016 um 0:30 Uhr

Der Karabiner -Hakewn erschliesst sich erstmal niemandem.
Wirds doch wieder nur ein Rohr-Krepierer?
Die unseren haben nun lange genug der Vernichtung der deutschen Apothekle zugesehen. Aber Jetzt!!!!
Fürchte das kostet nur Geld

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Das Motiv ....

von gabriela aures am 26.10.2016 um 20:48 Uhr

..muß man aus der Metaebene betrachten.
Also quasi als ein intellektuelles Vexierbild verstehen.
Wir sehen einen Karabiner und denken uns so:
"Hmmm, issn Karabiner..und ?"

ABER der schlaue Betrachter erkennt sofort:
Was bei oberflächlicher Betrachtung dem schnell Vorbeigehenden als Karabiner erscheint, ist ein stilisiertes Ohr und gemahnt -ganz international - die Politik :

Prick up your ears !

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Wo ist der Sinn?

von Karl Friedrich Müller am 26.10.2016 um 16:33 Uhr

Mich würde mal interessieren,was das bringen soll? Da werden unsere Beiträge sinnlos verschleudert. Die meisten kapieren sowieso nicht, um was es geht. Die wenigen, die es an geht, wären wohl besser im persönlichen Kontakt erreichbar.
So klingt es nur nach Gejammer einer von der Öffentlichkeit gefühlt saturierten Berufssparte.
Man sonnt sich doch gerne im Glanz und auf Bildern mit Politikern wie Gröhe. Dann könnte man doch auch mal reden.
Uns mit überzogenen Vorschriften überziehen und selbst auf ganzer Linie versagen. Die Anzeigenkampagne ist nur ein weiterer Beleg dafür.
Und dann noch wiedergewählt wollen. Das ist der Höhepunkt der Verblendung.

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Anzeigen

von Frank Ebert am 26.10.2016 um 14:44 Uhr

Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist , wird die Abda aktiv. Man könnte vor Wut alle Dilettanten in den Allerwertesten treten. Aber auch allen Naiven die immer noch geträumt haben, Geld habe keine Macht. Geld ist das einzige was noch zählt. Leute es ist vorbei. Am 19. Oktober wurde die deutsche Inhaber geführte Apotheke zu Grabe getragen. Danke auch für die sinnlose Zeitverschwendung für 2030 ! Das Schleppnetz von Thomas Bellartz wurde um ein weiteres großes Kapitel erweitert. Meine Angestellten tun mir leid----sie waren toll und werden ohne eigene Schuld ihren Arbeitsplatz verlieren. Sollte in der noch verbleibenden Zeit nochmals eine Revision von so einem Korintenk. kommen, werde ich wahrscheinlich eine Strafe zahlen müssen wegen Beleidigung.

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