Klinische Pharmazie in Berlin

Erstes Medikations-Management-Center

Berlin - 21.10.2016, 17:00 Uhr

 Institutsleiterin Prof. Dr. Charlotte Kloft hat die Trainingsapotheke am Donnerstag eingeweiht. (Foto: diz/DAZ.online)

 Institutsleiterin Prof. Dr. Charlotte Kloft hat die Trainingsapotheke am Donnerstag eingeweiht. (Foto: diz/DAZ.online)


Das Institut für Klinische Pharmazie an der FU Berlin reagiert auf die neuen Herausforderungen für das Berufsbild der Apotheker: Am 20. Oktober weihte das Institut sein Medikations-Management-Center (MMC) ein, das erste seiner Art an einem pharmazeutischen Institut. 

Die Pharmaziestudierenden werden in Berlin bereits im Grundstudium an die späteren Aufgabengebiete wie Medikationsplan, Medikationsanalyse und Medikationsmanagement herangeführt. Mit verschiedenen Modulen der Ausbildung in Klinischer Pharmazie können die Studierenden Erfahrungen sammeln und lernen, was Medikationsmanagement bedeutet. 

Wie die Institutsleiterin Prof. Dr. Charlotte Kloft im Rahmen der Einweihungsfeier erläuterte, gehörten das Medikationsmanagement und die pharmazeutische Betreuung zu den wichtigen Kernkompetenzen des modernen Apothekerberufs. Wenn die Pharmazeuten in diesem Fach gut ausgebildet seien, wirke sich das positiv auf die Arzneimitteltherapie und die Patientenzufriedenheit aus, aber auch auf die eigene Berufszufriedenheit. Sie freue sich darüber, dass nun nach einer dreijährigen Vorlaufzeit der Umbau der Räume abgeschlossen sei und mithilfe von Sponsoren die Einrichtung des MMC ein gutes Lernen ermögliche. 

Brücke zwischen Theorie und Praxis

Das MMC besteht aus mehreren Räumen, unter anderem einem Recherche-Raum, ausgestattet mit zahlreichen PCs, und einem Raum mit einer kleinen „Apotheke“, bestehend aus einer Sichtwahl mit zahlreichen Schaupackungen, einem HV-Tisch samt PC mit Warenwirtschaftssystem und ABDA-Datenbank. Im  Apothekenraum können die Studierenden Rollenspiele zwischen Apotheker und Patient üben und Erfahrungen in Beratungssituationen erwerben. In einem weiteren Raum können Brown-Bag-Reviews geübt werden. Die Studierenden lernen, wie im Anschluss an die Sichtung des Brown Bag ein Medikationsplan erstellt und die Medikation analysiert wird und Empfehlungen für ein Medikationsmanagement abgeleitet werden. Die Studierenden sammeln darüber hinaus Erfahrungen in der Schulung von Patienten, beispielsweise wenn Diabetes-Patienten in der subkutanen Injektion von Insulin unterrichtet werden. Oder sie lernen die praktische Durchführung und kommunikative Begleitung von Dienstleistungen wie die Blutdruck- oder Blutzuckermessung.

Kleine Schau- und Übungsapotheken finden sich zwar auch an anderen Universitäten. In Berlin ist das Konzept, im apothekenähnlichen Setting zu lernen und zu üben, jedoch konsequent umgesetzt. Es beginnt bereits im Grundstudium, sodass sich die Studierenden auf die Famulatur in der Apotheke  vorbereiten können, und zieht sich durch das gesamte Hauptstudium.

Kloft hofft, dass das MMC auch einen Beitrag leistet als Brücke zwischen Theorie und Praxis und einen besseren Einstieg ins Berufsleben ermöglicht. Mit Blick auf das EuGH-Urteil merkte sie an: „Rabatte kann jeder, das Medikationsmanagement aber nur der Apotheker.“   


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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