Studie

Brexit dürfte der Pharmabranche am meisten wehtun

Mannheim - 20.10.2016, 15:30 Uhr

Die Pharmaunternehmen erwarten härtete Zeiten nach  dem Brexit, das ergab eine Studie. (Foto: dpa)

Die Pharmaunternehmen erwarten härtete Zeiten nach  dem Brexit, das ergab eine Studie. (Foto: dpa)


Laut einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung dürfte die Pharmabranche vom Brexit am stärksten betroffen sein. In der Maschinenbau- und Nahrungsmittelindustrie seien hingegen die wenigsten Probleme zu erwarten. Diese Zweige seien breit genug aufgestellt, heißt es.

Für die deutsche Pharmaindustrie dürfte der Austritt Großbritanniens aus der EU eine große Herausforderung werden. Sie sei mit ihren Exporten  „die mit Abstand am stärksten betroffene Branche", heißt es in einer am heutigen Donnerstag veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen.

Die Luft- und Raumfahrt sowie die Bahnindustrie seien wegen hoher Importrisiken anfällig. Probleme seien durch den geplanten Brexit auch für die Autoindustrie und bei elektronischen und optischen Produkten zu erwarten. Dagegen seien der Maschinenbau und die Nahrungsmittelindustrie breit genug aufgestellt.

„Brexit wird spürbare Folgen für das Gesamtgefüge haben"

Aus Sicht von Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW und Verfasser des Länderindex, zeigen die neuen Untersuchungen, dass „Deutschland unter den großen Volkswirtschaften Europas am anfälligsten für Außenhandelsschocks“ ist, weil sich die deutsche Wirtschaft durch einen hohen Offenheitsgrad auszeichnet. „Die Risiken werden jedoch durch eine hohe Diversifikation von Handelspartnern und Branchen gemildert.“ erklärte Heinemann.

Nach seiner Auffassung werde der Austritt von Großbritannien aus der EU auf jeden Fall spürbare Folgen für das Gesamtgefüge haben. Er betonte die Gefahr, dass die EU ohne die Briten „leichter protektionistischen Tendenzen nachgeben könnte“. Das Königreich stehe für freien Handel, während Italien und osteuropäische Staaten ihn durch bürokratische Hürden behinderten. Die britische Regierung hat den Austrittsantrag bis März 2017 angekündigt.

Insgesamt zeigt die Studie, dass in Europa größere Länder wie Deutschland von Außenhandelsschocks weniger stark betroffen sind als mittelgroße und kleine Volkswirtschaften. Noch stärker als Deutschland dürfte der Brexit laut ZEW die Schweiz, die Niederlande, Belgien und Irland treffen.

Auch BPI und BAH haben bereits Bedenken geäußert

Die Untersuchung untermauert die Befürchtungen des  Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH). So äußerte sich der BAH schon im Vorfeld, dass die Auswirkungen auf die pharmazeutische Industrie immens und grundsätzlich negativ zu bewerten seien. Und Martin Zentgraf, Vorstand des BPI sagte: „Die pharmazeutische Industrie ist durch die enge Verflechtung Großbritanniens in der Europäischen Union gekennzeichnet. Uns verbinden über Jahrzehnte gewachsene wechselseitige Handelsverbindungen, die wir nun innerhalb von kurzer Zeit auf eine neue Grundlage stellen müssen – soweit dies überhaupt möglich sein wird.“ Er wies zudem auf die neuen bürokratischen Hürden, die nach dem Austritt Großbritanniens aus der Union auf die deutschen Pharmaunternehmen zukommen.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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