Botulismus

Das tödliche Häppchen im Tatort aus Münster

Stuttgart - 26.09.2016, 14:45 Uhr

Gerichtsmediziner Boerne und Kommissar Thiel bei den Dreharbeiten zum Tatort vom vergangenen Sonntag. (Foto: dpa)

Gerichtsmediziner Boerne und Kommissar Thiel bei den Dreharbeiten zum Tatort vom vergangenen Sonntag. (Foto: dpa)


Ein von Rachegelüsten getriebener Fakultätskollege, der sich bei der Vergabe von Forschungsgeldern benachteiligt fühlte, jubelt dem Gerichtsmediziner Boerne im Tatort aus Münster ein mit Botulinum-Toxin vergiftetes Häppchen unter. Boerne sollte neurologische Symptome spüren wie die an ALS erkrankte Frau des Kollegen. Wie realistisch ist das? 

Diesmal hätte es im Tatort aus Münster fast Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne erwischt. Die Symptome, die er nach dem Verzehr eines mit Botulinumtoxin vergifteten Häppchens zeigte, nämlich Sprechstörungen sowie Lähmung der Augen und Nackenmuskulatur, waren realistisch. Sie sind neben gastrointestinalen Symptomen typisch für Botulismus. Unbehandelt wäre es in der Folge vermutlich zu einer Lähmung der Atemmuskulatur gekommen. Allerdings kamen die Vergiftungserscheinungen viel zu bald. Die Anzeichen treten eigentlich erst nach zwölf bis 36 Stunden auf, bei geringen Mengen sogar erst nach mehrere Tagen – im Tatort war es im Laufe desselben Abends während der Feierstunde. Aber wie kam Boerne überhaupt zu dem tödlichen Gift?

Sein Fakultätskollege Professor Götz, ebenfalls Mediziner an der Uni Münster, forscht an der Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – seine Frau leidet an dieser bislang unheilbaren Krankheit. Sie nimmt sich zu Beginn des Tatorts das Leben. Götz hat die Illusion, er hätte sie retten können, wenn ihm das notwendige Geld zur Verfügung gestanden hätte. Doch die Millionen bekommt nicht er, sondern sein Kollege Boerne für seine Forschung an Mumien. 

Lang gehegte Rachephantasien

Götz, der gegenüber seiner Psychologin schon lange Rachephantasien gegenüber Boerne äußert, vergiftet ein Häppchen mit Botulinumtoxin – ausgerechnet bei der Feierstunde für das Forschungsprojekt. Boerne solle spüren, wie es sich anfühlt, ALS zu haben und sterben, so der perfide Plan. Natürlich geht er nicht auf. Boerne hat, wie er selbst sagt, die Situation zu jeder Zeit im Griff. Tatsächlich wird er in letzter Minute durch seinen Kollegen Kommissar Thiel gerettet und intensivmedizinisch behandelt. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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