Apothekerverband Brandenburg

Kleine Etappensiege mit (politischer) Rückendeckung

Briesen/Mark - 26.09.2016, 13:30 Uhr

Der Apothekerverband Brandenburg bleibt beim Honorar wachsam. (Foto: DAZ.online)

Der Apothekerverband Brandenburg bleibt beim Honorar wachsam. (Foto: DAZ.online)


In Brandenburg steht die rot-rote Landesregierung hinter den Apothekern, wenn es um höhere Honorare für Rezepturen geht. Von einer Deckelung der prozentualen Marge im Gegenzug hält man im dortigen Gesundheitsministerium nichts, berichtete Andrea Lorenz Vorsitzende des Apothekerverbands Brandenburg, bei der Mitgliederversammlung.

Mehr Geld für Rezepturen und BtM-Rezepte, ein Erfolg bei den Schiedsverhandlungen zur Retax-Regelung im Rahmenvertrag, ein AMTS-Projekt in Brandenburg – Dr. Andrea Lorenz, Vorsitzende des Apothekerverbands Brandenburg (AVB) konnte in ihrem Situationsbericht für die Mitgliederversammlung durchaus auf positive aktuelle Entwicklungen eingehen.

Allzu euphorisch wurde Lorenz allerdings nicht. So sei das Plus bei Rezepturen und BtM zwar „ein kleiner Etappensieg, mehr aber auch nicht“, betonte die Verbandschefin. Es bleibe dabei, dass eine regelmäßige Überprüfung der Honorierung die Hauptforderung der Apotheker ist. Zudem: Die „üblichen Verdächtigen“ wetterten schon gegen die kleine Erhöhung für Apotheken – und auch die SPD wanke, ob sie nicht vielleicht die drei Prozent-Marge des Apothekenhonorars deckeln möchte. Hier müsse die Politik nun standhaft bleiben, forderte Lorenz.

Zumindest im eigenen Bundesland gibt es offenbar Rückendeckung. Die Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Die Linke) habe ihr zu verstehen gegeben, dass die Landesregierung einer Regelung, wie sie nun vorgesehen ist – also ohne Kappung der prozentualen Marge – zustimmen werde, sagte die AVB-Vorsitzende.

Positiv stimmt Lorenz auch das Brandenburger AMTS-Projekt mit der AOK Nordost und der Barmer GEK. Es ist im Landkreis Oberspreewald-Lausitz angesiedelt und startete zu Jahresbeginn. Es bindet derzeit 20 Ärzte, zwölf Apotheken und sogenannte „Agnes Zwei“-Fachkräfte ein. Die Vergütung der Apotheken ist zwar etwas geringer als bei ARMIN, aber genauso hoch wie die der Ärzte. Und: Einen Teil der Arbeit nimmt hier auch die Fachkraft ein, die schon zuhause beim Patienten, einen ersten Medikamenten-Check vornimmt.

Zyto-Verträge, EuGH und Verwaltungsstrukturreform

Doch Lorenz muss sich auch weniger erfreulichen Entwicklungen stellen: Beispielsweise sind die AOK-Zyto-Verträge auch in Brandenburg angekommen. Die Verbandsvorsitzende setzt darauf, dass die geballte Kritik gegen die Exklusiv-Ausschreibungen in der Politik ankommt. Dann könnte bereits im Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz, dessen Kabinettsentwurf derzeit gespannt erwartet wird, eine schnelle Regelung erfolgen, so Lorenz.

Auch das anstehende Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Rx-Boni-Verbot für ausländische Versandapotheken bereitet gemischte Gefühle. Für Lorenz ist es nach wie vor unverständlich, wie sich das Oberlandesgericht Köln über die Entscheidung des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes hinwegsetzen konnte. Dieser hatte keinen Anlass gesehen, den EuGH anzurufen, als er sich mit der gleichen Frage befasste. Lorenz sieht zudem nicht alles verloren, falls der EuGH tatsächlich pro DocMorris entscheiden sollte. Dann wäre immer noch ein Rx-Versandverbot möglich. Klar machte sie auch: „Eine Zukunft mit Höchstpreisen wollen wir uns nicht vorstellen“.

Ein weiteres für Brandenburg wichtiges Thema ist die geplante Verwaltungsstrukturreform. Der Landtag hat hierzu einen Beschluss befasst, der unter anderem vorsieht, die Apotheken- und Arzneimittelüberwachung zu kommunalisieren. Aus Sicht der Brandenburger Apotheker ist eine solche Form der Überwachung ungeeignet, weil sie gar nicht einheitlich erfolgen könne. Lorenz erklärte aber, sie habe den Eindruck, die Politik denke über diesen Punkt nochmal nach.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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