Lieferengpass

Warten auf Novaminsulfon 

Stuttgart - 21.09.2016, 13:50 Uhr

Apotheker lauern derzeit regelrecht auf jede verfügbare Packung Novaminsulfon. (Foto: Eric Isselée / Fotolia)

Apotheker lauern derzeit regelrecht auf jede verfügbare Packung Novaminsulfon. (Foto: Eric Isselée / Fotolia)


Seit Wochen müssen Apotheken sich mit Metamizol-Lieferproblemen rumschlagen. Besonders hart trifft sie der Engpass bei Novaminsulfon Lichtenstein – Rabattartikel für einen Großteil der Kassen. Es gibt derzeit immer noch massive Probleme, doch laut Hersteller Zentiva ist Entspannung in Sicht. 

„Immer noch nix.“ Fragt man Apotheker dieser Tage danach, wie es denn mit der Lieferfähigkeit von Novaminsulfon Lichtenstein Tabletten aussieht, erhält man von vielen diese Antwort. Bei den Tropfen scheint die Lage ein bisschen besser zu sein, doch uneingeschränkte Lieferfähigkeit sieht anders aus.

Zwar liefert Sanofi-Tochter Zentiva, Hersteller des Rabatt-Metamizols, für einen Großteil der GKV-Versicherten, die Tabletten wieder aus – daher waren auch vergangene Woche einigen Packungen verfügbar. Doch durch die hohe Nachfrage könnten keine großen Bestände aufgebaut werden, erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber DAZ.online. So könne es immer noch zu einzelnen Ausfällen kommen. Sobald man Ware habe, werde diese weiterhin direkt an die Kunden versendet.

Liefermengen reichen nicht

Der Essener Pharmagroßhändler Noweda bestätigt auf Anfrage von DAZ.online, dass die Liefermengen aktuell vom Hersteller tatsächlich erhöht wurden. Sie reichten aber nicht aus, sagte ein Firmenvertreter. Damit jeder Kunde Ware erhalten kann, habe man sich gezwungen gesehen, zu kontingentieren. Die Kontingentmengen seien aber entsprechend der Liefermenge erhöht worden. Auch der Stuttgarter Großhändler GEHE bestätigt eine momentan verbesserte Versorgungssituation.

Im Süden der Republik, bei der Sanacorp, sieht die Lage schlechter aus. Der Pharmagroßhändler mit Hauptsitz im Münchner Süden gibt an, sowohl bei der Packung mit 30 als auch mit 50 Tabletten aktuell nicht lieferfähig zu sein.

Das Sonderkennzeichen 02567024 mit dem Faktor 2 hat also auf Novaminsulfon-Verordnungen weiterhin Hochkonjunktur. Denn ein Großteil der Kassen, darunter die Barmer GEK, DAK Gesundheit, KKH, AOK und viele BKKen, haben einen Rabattvertrag über die Metamizol-Tabletten der Firma Zentiva „Novaminsulfon Lichtenstein“ abgeschlossen. Etwa 60 Millionen Menschen sind bei diesen Kassen versichert. Voraussetzung für die Sonder-PZN ist natürlich, dass man Alternativen bekommt. Aber auch die sind nach wie vor nicht uneingeschränkt lieferbar.

Entspannung ist in Sicht

Laut Arzneiverordnungsreport ist Metamizol das am häufigsten zulasten der GKV abgegebene nicht-opioide Schmerzmittel. 174,5 Millionen Tagesdosen (DDD) wurden 2014 abgerechnet. Den größten Anteil daran hatte Novaminsulfon Lichtenstein mit 137,3 Millionen DDD. Das Verordnungsvolumen steigt seit Jahren an. Im Jahr 2014 gab es im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 12,2 Prozent. Novaminsulfon Lichtenstein konnte sogar einen Zuwachs von 27,2 Prozent gegenüber 2013 verzeichnen.

Zum Schluss die gute Nachricht: Zentiva geht davon aus, dass sich die Lage deutlich entspannen wird – und zwar in den nächsten Wochen. Zudem hatte Hexal im August angekündigt, in KW 40 wieder lieferfähig zu sein. Besserung scheint also in Sicht zu sein.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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Defekte gehen in die Tiefe

1 Kommentar

Verantwortlichkeit der Krankenkassen

von Peter Bauer am 21.09.2016 um 14:29 Uhr

Warum müssen die Krankenkassen für die Lieferunfähigkeit ihrer(!) Rabattartikel nicht geradestehen.Durch die Ausfälle von Rabattarzneimitteln entsteht ein außerordentlich hoher Aufwand in der Apotheke.Beim Setzen der Nichtlieferfähigkeits-PZN sollte eine Sondergebühr von 3 bis 5 Euro eingeführt werden.Vor allem,wenn sich die Kassen auch noch erdreisten mehrfach Defektmeldungen zu fordern.Der einfachere Weg wird aber sein,mal nicht 7 gerade zu sein.Die Krankenkassenbürokraten haben immer noch nicht verstanden,dass es sich immer an Ihren Mitgliedern rächt(und dazu braucht man nicht mal gegen irgendwelche Gesetze und Verträge verstossen),wenn sie meinen sie müßten uns trietzen.Ich weiß :
das einzelne Mitglied ist den Krankenkassenmitarbeitern ziemlich egal,aber dem Mitglied der Krankenkasse nicht.Leider sind die Krankenkassen nicht in der Lage zu kapieren,dass es in 99%der Apotheken nur darum geht eine
praktikable Lösung der Belieferung ihrer eigenen Mitglieder geht und nicht darum die Krankenkasse zu bescheißen.DAS kommt auch der Krankenkasse und ihrem Image zugute.Wenn diese natürlich hinterher besonders schlau meint uns über den Tisch ziehen zu müssen,nur weil der entsprechende Vorgang schon 1Jahr zurückliegt,dann Ihr KKs lasst Euch sagen ,das nächste Mitglied Eurer Kasse kommt bestimmt schon heute vorbei.Probleme die unseren guten Willen strapazieren gibt es jeden Tag mehr als genug.

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