Evidenzbasierte Medizin

Gröhe will Cochrane-Zentrum dauerhaft finanzieren

Berlin - 21.09.2016, 15:45 Uhr

Keine Übergangslösungen mehr: Das Deutsche Cochrane-Zentrum soll seine Arbeit laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe langfristig leisten können. (Foto: A. Schelbert)

Keine Übergangslösungen mehr: Das Deutsche Cochrane-Zentrum soll seine Arbeit laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe langfristig leisten können. (Foto: A. Schelbert)


Bislang förderte die Bundesregierung das Deutsche Cochrane-Zentrum nur jahresweise, sodass die Zukunft des Instituts immer offen war. Nachdem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vor einem Jahr eine dauerhafte Finanzierung versprach, kündigte er nun die Gründung einer Stiftung an. Cochrane-Direktor Gerd Antes bezeichnete den Schritt als „außerordentlich erfreulich“.

Für Apotheker, Ärzte und Patienten leistet das Deutsche Cochrane-Zentrum Grundlagenarbeit: Als Vertretung des internationalen Cochrane-Netzwerks koordiniert es die Erstellung von Meta-Studien zu wichtigen Fragen der Gesundheitsversorgung. Außerdem kümmert es sich um die Qualitätssicherung der Reviews, organisiert Fortbildungen und engagiert sich für die evidenzbasierte Medizin in Deutschland.

Doch bislang war das 1998 gegründete Cochrane-Zentrum nur ein sehr vergängliches Konstrukt: Die Finanzierung durch die Bundesregierung erfolgte über Projektfördermittel, die oft nur auf ein Jahr angelegt waren. Gerd Antes, Direktor des Zentrums, hatte Anfang 2015 im Gesundheitsausschuss des Bundestags auf die sehr „wackelige Finanzierung“ hingewiesen. Langfristige Projekte sind bislang nur schwer möglich, auch gab es aufgrund der kurzfristigen Verträge immer wieder Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal einzustellen und zu halten.

Gröhe will eine Stiftung gründen

Nachdem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im vergangenen Jahr eine dauerhafte Finanzierung des deutschen Cochrane-Zentrums für 2017 versprochen hatte, kündigte er am heutigen Mittwoch laut „Heute im Bundestag“ an, die Einrichtung als Stiftung dauerhaft zu finanzieren. Schon zu Anfang kommenden Jahres soll der Plan umgesetzt sein. Um die deutsche Repräsentanz der Cochrane Collaboration in Freiburg finanziell abzusichern, sieht der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt des Jahres 2017 eine institutionelle Förderung der Cochrane Deutschland Stiftung mit deutlich erhöhten Finanzmitteln von einer Millionen Euro vor, erklärte ein Sprecher Gröhes auf Nachfrage. Vorbehaltlich der Zustimmung des Deutschen Bundestages zum Haushaltsentwurf könne die Förderung am 1. Januar 2017 beginnen. 

Gegenüber DAZ.online zeigte sich Antes sehr zufrieden. „Es ist außerordentlich erfreulich, dass nun nach jahrelanger kurzfristiger Förderung eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsgrundlage möglich wird“, sagte er auf Nachfrage. „So können wir unsere Arbeit nochmal deutlich verbessern.“

Deutschland erhält Anschluss an die internationale Studienwelt

Die dauerhafte Finanzierung schafft laut Antes die Möglichkeit, die Arbeit des Cochrane-Zentrums deutlich breiter aufzustellen. „Wir werden nachhaltige Aktivitäten, die unter der bisherigen kurzfristigen Förderung nicht möglich waren, zukünftig durchführen können“, erklärte er gegenüber DAZ.online. „Damit wird in Deutschland die Voraussetzung geschaffen, die evidenzbasierte Medizin besser an die internationale Studienwelt anzuschließen.“

Eine gute Nachricht ist für ihn auch die höhe der geplanten Förderung von einer Million Euro. Bislang finanzierte das Bundesgesundheitsministerium sowie das Bundesforschungsministerium das Cochrane-Zentrum mit rund 200.000 bis 250.000 Euro jährlich, hinzu kommen Gelder aus den Länderhaushalten oder von Stiftungen. Da es „ein völliges Annahmeverbot von Industriemitteln“ gibt, war das Cochrane-Zentrum aufgrund der kaum planbaren Finanzierung bislang „extrem verwundbar“, hatte Antes im vergangenen Jahr gesagt.

Mit dem heutigen Bekenntnis Gröhes dürfte sich dies nun ändern. Bis zum Start der Arbeit des Cochrane-Zentrums in Form einer Stiftung sind in den nächsten Monaten jedoch noch einige rechtliche Probleme zu lösen. 


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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