Ex-Schlecker-Versandapotheke

Medienkonzern Ströer kauft Vitalsana

Berlin - 19.09.2016, 17:25 Uhr

Mehr Gesundheit: Der Medienkonzern Ströer übernimmt die Versandapotheke Vitalsana und will unter anderem seine Eigenmarken künftig über Vitalsana vertreiben. (Foto: dpa)

Mehr Gesundheit: Der Medienkonzern Ströer übernimmt die Versandapotheke Vitalsana und will unter anderem seine Eigenmarken künftig über Vitalsana vertreiben. (Foto: dpa)


Die Ex-Schlecker-Versandapotheke Vitalsana wurde verkauft. Der Werbekonzern Ströer übernimmt die niederländische Versandapotheke für 4,5 Millionen Euro. Ströer will auf diesem Weg seine Eigenmarken vertreiben, andererseits für seine anderen Internetauftritte werben.

Vitalsana wurde 2008 gegründet und gehörte zu dem Drogeriekonzern Schlecker – bis das Unternehmen 2012 Insolvenz beantragte. Im Herbst 2012 entschlossen sich einige Mitarbeiter der Versandapotheke, das Unternehmen selbst weiterzuführen. Im Rahmen eines „Management Buy-Outs“ hatten Winfried Filzek, bei Vitalsana für den Einkauf zuständig, und Finanz-Manager Marcus Breyer ein Dachunternehmen gegründet. Darunter agieren seitdem Vitalsana sowie der dazugehörige, in Baden-Württemberg ansässige Großhändler ApDG. Alle 70 Mitarbeiter konnten damals ihre Posten behalten.

In den vergangenen Wochen hatten sich Gerüchte um einen Vitalsana-Verkauf vermehrt. Vor wenigen Tagen gab das Kartellamt zudem bekannt, dass derzeit die Übernahme von ApDG durch Ströer geprüft werde. Von Vitalsana war dabei aber nicht die Rede. Nun aber ist klar: Der Werbekonzern übernimmt das gesamte Dachunternehmen der beiden ehemaligen Schlecker-Töchter.

Von Werbeplakaten zum Internet-Giganten

Ströer möchte mit dem Kauf seine Präsenz im Gesundheitsmarkt ausbauen. Der börsennotierte Werbekonzern mit Sitz in Köln war ursprünglich eigentlich nur auf Außenwerbung spezialisiert. Ströer besitzt mehrere hunderttausend Werbeflächen, unter anderem an Litfaßsäulen, Bahnhöfen und Flughäfen. In den vergangenen Jahren verstärkte Ströer aber seine Präsenz im Internet durch mehrere Übernahmen.

Für Schlagzeilen sorgte Ströer mit der Übernahme von t-online im August 2015. Derzeit gehören dem Konzern unter anderem noch die Domains StayFriends, wetter.info oder kino.de. 2014 erwirtschaftete Ströer einen Umsatz von rund 720 Millionen Euro und beschäftigte weltweit mehr als 2.380 Mitarbeiter. Erst im Mai hatten die Landesmedienanstalten den Konzern erstmals in die Liste der 15 größten Meinungsmacher aufgenommen.

Vitalsana als neuer Umschlagplatz für Gesundheitsthemen

Vitalsana erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa 30 Millionen Euro. Rund 90 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Geschäft mit OTC-Arzneimitteln, Kosmetika und Wellness-Produkten. Und genau in diesem Kerngeschäft liegt Ströers Hoffnung: Der Konzern besitzt nämlich auch einige Beauty- und Wellness-Marken, etwa Asam-Kosmetika, die vornehmlich in Teleshopping-Sendern angeboten werden. Auch das Lifestyle-Unternehmen „Bodychange“, das für seinen Internet-Auftritt „I make you sexy.com“ bekannt ist, gehört zu Ströer. Über Vitalsana kann Ströer diese Eigenmarken direkt einer gesundheitsinteressierten Zielgruppe über einen viel benutzten Medienkanal anbieten.

Umgekehrt ist natürlich auch zu erwarten, dass Vitalsana auf den anderen Kanälen des Medienkonzerns beworben wird. Bei vielen Gesundheitsthemen, die beispielsweise auf t-online.de aufkommen, dürfte Ströer künftig direkt an den Holland-Versender verlinken. Ganz nach dem Motto: „Hier können Sie direkt bestellen!“. So ist auch die Einschätzung von Christian Schmalzl, COO bei Ströer, zu verstehen: „Mit unseren Medien treiben wir den Umsatz in unserem neuen Kanal Onlineapotheke und mit unserem neuen Kanal Onlineapotheke treiben wir den Umsatz für unsere Health & Beauty Angebote wie Asam Beauty und BodyChange.“


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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