US-Wahlkampf

Was verursachte Clintons Schwächeanfall?

Stuttgart - 12.09.2016, 17:30 Uhr

Wie fit ist sie? Clintons Schwächeanfall sorgt für Spekulationen. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Wie fit ist sie? Clintons Schwächeanfall sorgt für Spekulationen. (Foto: picture alliance / AP Photo)


Ist Hillary Clinton fit genug für das Präsidentenamt? Nachdem sie eine Gedenkfeier zum 11. September vorzeitig verlassen musste, diskutieren Kritiker über den Gesundheitszustand der 68-Jährigen. Laut ihres Teams soll Clinton an einer Lungenentzündung leiden. 

Hillary Clinton soll „überhitzt und dehydriert" gewesen sein. Wie ihre Ärztin bekannt gab, sei das der Grund gewesen, warum die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin eine Gedenkfeier für die Opfer der Anschläge des 11. September 2001 vorzeitig abgebrochen hatte. Zwei Tage zuvor sei bei ihr eine Lungenentzündung diagnostiziert worden, hieß es weiter. Neben Antibiotika hätten Ärzte ihr Ruhe und einen eingeschränkten Terminplan verordnet. Eine Vorgabe, die jetzt, wo der US-Wahlkampf in die ganz heiße Phase geht, schwer umzusetzen ist. So sind zwar bei ansonsten gesunden Erwachsenen Komplikationen selten, doch es bedarf in jedem Fall einiger Zeit zur Erholung.

Wie sich die frühere First Lady die Infektion zugezogen hat, ist unklar. Pneumonien können von einer Vielzahl von Erregern verursacht  werden: Viren, Bakterien oder durch Pilze. Die Erkrankung kann zum Beispiel infolge einer Grippe oder einer Infektion mit RS-Viren (respiratory syncytial virus, RSV) auftreten. Allerdings hat beides gerade keine Saison. Die Tatsache, dass Clinton eine Antibiotikatherapie angefangen hat, lässt  auf den ersten Blick auf eine bakterielle Ursache schließen. Doch Ärzte beginnen häufig vorsichtshalber eine Therapie, ohne auf die Untersuchungsergebnisse zu warten. Ebenfalls unbekannt ist, welche Art von Untersuchungen durchgeführt wurde. 

Waren es Mykoplasmen?

Klar ist nur: Bei ihren Wahlkampfauftritten hat Clinton unzählige Hände zu schütteln. Das bedeutet ein erhöhtes Infektionsrisiko. Daher rät die US-Seuchenschutzbehörde CDC, sich häufig die Hände zu waschen, um Pneumonien zu vermeiden. In der Praxis ist das aber kaum umzusetzen. Nicht immer ist ein Waschbecken in nächster Nähe.

Im Online-Magazin STAT wird über eine weitere, mögliche Variante diskutiert – allerdings rein spekulativ. Es könnte sich demnach auch um eine Form der Lungenentzündung handeln, die auf Englisch euphemistisch als „walking pneumonia“ bezeichnet wird – die Mycoplasmen-Pneumonie, auch bekannt als atypische Pneumonie. Erreger ist das Bakterium Mycoplasma pneumonia. Laut CDC ist es für zwei bis 20 Prozent der ambulant erworbenen Pneumonien in den USA verantwortlich. Betroffen seien zwar vor allem Kinder zwischen fünf und 15 Jahren, aber grundsätzlich könne es Menschen jeden Alters treffen, heißt es.

Übertragen wird die Mycoplasmen-Pneumonie per Tröpfcheninfektionen. Da es hoch infektiös ist, ist die Durchseuchung hoch. Es verursacht allerdings oft nur milde Symptome und bleibt daher häufig undiagnostiziert. Behandelt wird es meist mit Tetracyclinen wie Doxycyclin oder Gyrasehemmer wie Moxifloxacin, bei Kindern eignen sich Makrolide wie zum Beispiel Erythromycin. Besonders an Mycoplasmen ist, dass sie nicht mittels Gramfärbung anfärbbar sind. Sie besitzen nämlich keine Zellwand. Deswegen sind Beta-Laktam-Antibiotika auch unwirksam.

Wird häufig mit Allergien vewechselt

Experten halten diese Theorie für plausibel, sicher wisse man es allerdings nicht, betonen sie. Aber diese Form der Lungenentzündung habe einen schleichenden Beginn und werde daher häufig mit saisonalen Allergien verwechselt. Und mit denen erklärten Ärzte auch den Husten, unter dem Clinton in letzter Zeit litt.

Bei ihrem Schwächeanfall am Sonntag kamen vermutlich mehrere Faktoren zusammen, vermuten Mediziner bei  STAT. Die 68-Jährige habe vermutlich zu wenig getrunken, es war warm und sie hatte Fieber. Alles zusammen ließ sie zusammenbrechen, heißt es.

Gegner sehen sich bestätigt

Für Clintons Gegner kommt der Schwächeanfall in jedem Fall nicht unpassend: Ihr republikanischer Herausforderer Trump und einige seiner Parteifreunde hatten immer ihren Gesundheitszustand thematisiert. So hatte Trump  – selbst 70 Jahre alt – wiederholt infrage gestellt, ob die 68-Jährige genug Energie für das Amt der US-Präsidentin hat. Dabei ist Trumps Gesundheits-Zeugnis, das ihm äußerste Vitalität bescheinigt, warscheinlich ebenfalls nicht ganz echt, wie verschiedene US-Medien Ende August berichteten.  

Donald Trumps Leibarzt hatte demnach gestanden, ein kürzlich veröffentlichtes Gesundheitsgutachten für den republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten in nur fünf Minuten geschrieben zu haben. „Ich habe versucht, vier oder fünf Zeilen zu Papier zu bringen, damit sie glücklich sind“, sagte Doktor Harold Bornstein vom New Yorker Lenox Hill Krankenhaus am Freitag dem Sender NBC News. „In der Eile, glaube ich, sind einige Worte nicht genau so rausgekommen, wie gemeint.“


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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