Lipo 100 Hardcore

Fatburner mit neuem Etikett und altem Risiko

Stuttgart - 09.09.2016, 16:45 Uhr

Lipo 100 Hardcore enthält zuviel Coffein, sagt das BfR. (Foto: Screenshot / DAZ)

Lipo 100 Hardcore enthält zuviel Coffein, sagt das BfR. (Foto: Screenshot / DAZ)


Das Schlankheitsmittel „Lipo 100 Hardcore“ hatte vor einiger Zeit die Behörden auf den Plan gerufen – unter anderem wegen des hohen Coffeingehalts. Nach einem Gutachten musste der Verkauf des Produkts gestoppt werden. Jetzt ist es allerdings wieder da – in alter Zusammensetzung, aber mit neuem Etikett.  

Als „idealer Fatburner für Profis, für alle, die ihre Muskeln maximal definieren wollen", wurde Lipo 100 Hardcore angepriesen. Die empfohlene Tagesdosis – drei Kapseln – enthielt unter anderem 400 mg Coffein. Zuviel, sagt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Die zuständige Landesbehörde, die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg, hatte dort ein Gutachten angefordert, um bewerten zu können, ob von dem Schlankheitsmittel ein Risiko ausgeht.

In dem Gutachten kommt das BfR unter anderem zu folgenden Schluss: „Der Verzehr des in Rede stehenden Produktes insbesondere im Zusammenhang mit intensiver körperlicher Anstrengung kann durch die möglichen additiven Effekte das Herz-Kreislauf-System negativ beeinflussen. In diesem Zusammenhang ist eine Gefährdung der Gesundheit der Zielgruppe Sportler durch den Verzehr dieses Produktes möglich.“

Coffeindosis doppelt so hoch wie empfohlen

Ausschlaggebend für die negative Bewertung war der hohe Coffeingehalt. 400 mg Coffein, wie sie in der empfohlenen Tagesdosis enthalten sind, überschreite den von der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) als sicher erachteten Wert um 100 Prozent, heißt es. Nach Ansicht der EFSA besteht nämlich bei Erwachsenen mit 70 kg Körpergewicht bei einer täglichen Zufuhr von 200 mg keine Gefahr für die Gesundheit.

Und möglicherweise liegt der tatsächliche Coffeingehalt des Schlankheitsmittels sogar noch höher. Denn Lipo 100 Hardcore enthält auch grünen Kaffeebohnen- und Kakaoextrakt. Ob das darin natürlicherweise enthaltene Coffein in den Gesamtgehalt eingerechnet wurde, ist unklar. Unerwünschte Coffeinwirkungen reichen bei Erwachsenen von Nervosität, Schlaflosigkeit, Übelkeit bis zu Kopfschmerzen, erhöhter Ängstlichkeit, Wahrnehmungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Atemfrequenz und gastrointestinalen Störungen. Auch schwere Vergiftungen sind beschrieben worden. In welchem Ausmaß die Nebenwirkungen auftreten, hängt stark von der individuellen Empfindlichkeit ab. Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee enthält etwa 60 mg Coffein. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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