Alzheimer

Neue Therapie verringert Ablagerungen im Gehirn

Cambrigde - 01.09.2016, 07:00 Uhr

(Foto: Juan Gärtner/Fotolia)

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Ein Antikörper kann für Alzheimer typische Eiweißablagerungen im Gehirn deutlich reduzieren. Das zeigen erste Versuche mit Patienten, die in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung stecken. Experten warnen jedoch vor verfrühter Euphorie.

Eine Antikörper-Therapie reduziert bei Alzheimer-Patienten die typischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Auch die fortschreitende Verschlechterung der Geisteskraft scheine sich infolge der Behandlung zu verlangsamen, berichten Forscher aus den USA und der Schweiz im Fachblatt „Nature“. Dieser positive Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten muss aber noch genauer untersucht werden.

Alzheimer ist eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Lange bevor Patienten die typischen Alzheimer-Symptome zeigen – etwa Gedächtnis-, Sprach- oder Denkstörungen – häufen sich im Gehirn Bruchstücke von bestimmten Eiweißen. Forscher sprechen von amyloiden Plaques oder genauer: Amyloid-ß-Plaques.

Eine Reihe von Experten geht davon aus, dass diese Ablagerungen die Hauptursache für die Alzheimer-Erkrankung sind, indem sie etwa Nervenzellen zerstören, Entzündungsreaktionen auslösen und letztlich die Signalübertragung im Gehirn behindern. Bewiesen ist das bisher aber nicht. Dagegen spricht etwa, dass es Menschen mit Eiweißablagerungen gibt, die keine Symptome zeigen. Zudem verbessert eine Auflösung der Plaques nicht zwangsläufig den Geisteszustand.

Die Wissenschaftler um Alfred Sandrock vom US-Biotech-Unternehmen Biogen hatten insgesamt 165 Patienten mit leichten Alzheimer-Symptomen einmal monatlich mit dem Antikörper Aducanumab oder mit einem Scheinmedikament behandelt. Der Antikörper greift die für Alzheimer typischen Eiweiße an und sorgt für ihren Abbau.

„Das ist aus vielerlei Gründen eine sehr wertvolle Studie, unter anderem, weil es erstmals gelingt, mit einem Antikörper aggregierte Eiweiße zu reduzieren, im Tierversuch und im Menschen“, kommentiert Theo Dingermann vom Biozentrum der Goethe Universität Frankfurt am Main, der an der Studie nicht beteiligt war. „Dennoch muss man realistisch bleiben. Das ist eine Grundlagenstudie und von einer therapeutischen Anwendung ist man – auch wenn sich die guten Ergebnisse in größeren Studien bestätigten – noch Jahre entfernt.“



dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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