Krankenhäuser gegen Zyto-Verträge

Klinikapotheken wollen Zytos selbst herstellen

Berlin - 22.08.2016, 13:30 Uhr

Zyto-Verträge? Nein, Danke! DKG-Chef Georg Baum will, dass die Kliniken ambulanten Patienten eigens hergestellte Zytostatika anbieten. (Foto:dpa)

Zyto-Verträge? Nein, Danke! DKG-Chef Georg Baum will, dass die Kliniken ambulanten Patienten eigens hergestellte Zytostatika anbieten. (Foto:dpa)


Die Liste der Gegner von exklusiven Zyto-Ausschreibungen wird länger. Nachdem die Onkologen und Hämatologen auf „chaotische Zustände“ in den Praxen hingewiesen haben, beschweren sich nun die Krankenhäuser. Die Klinikapotheken wollen nicht von Apotheken oder Herstellerbetrieben beliefert werden.

Der AOK-Bundesverband muss sich immer mehr Kritik für seine exklusiven Zyto-Ausschreibungen gefallen lassen. Der Bundesverband hatte im Juli stellvertretend für mehrere Ortskrankenkassen im ganzen Bundesgebiet exklusive Lose zur Versorgung mit Zytostatika vergeben. In vielen Regionen beziehen die niedergelassenen Ärzte für ihre AOK-versicherten Patienten die Medikamente daher nun von einer anderen Apotheke.

Doch viele der Ärzte sind mit den Auswirkungen der Ausschreibungen überhaupt nicht zufrieden. Erik Engel, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO), sagte am Wochenende gegenüber der Welt am Sonntag, dass in den belieferten Praxen teils chaotische Zustände herrschten, weil die Apotheken die Ärzte offenbar fehlerhaft belieferten. In den ersten beiden Augustwochen sei es in 60 untersuchten Arztpraxen zu mehr als 30 als gravierend oder sehr gravierend eingestuften Vorfällen gekommen. So seien fehlende Chemotherapien, nicht lieferbare Begleitmedikationen, unbefüllte Infusionsbestecke, unbeschriftete Spritzen, falsche Packungsgrößen sowie unvollständige oder verspätete Lieferungen gemeldet worden.

Nun fordert auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft eine Abkehr von den Zyto-Verträgen. Unter der Überschrift „Schluss mit Rabatt und billig bei den Krebsarzneimitteln“ versendete die DKG heute eine Pressemitteilung dazu. Die Kliniken machen sich insbesondere über die Versorgung ambulanter Patienten in Kliniken Sorgen. Die Versorgung dieser Patienten dürfe nicht „ausgehebelt“ werden, heißt es in der Mitteilung. Die DKG fordert, dass die Zytostatika weiterhin von den Kliniken selbst hergestellt werden können.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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