Pharmakonzern Valeant

Ermittlungen wegen Verbindungen zu Versandapotheke

Berlin - 19.08.2016, 13:15 Uhr

Unter Druck: Der kanadische Pharmakonzern steht an den Märkten unter Druck, weil neuerdings auch wegen der Verbindung zu der Online-Apotheke Philidor ermittelt wird. (Foto:dpa)

Unter Druck: Der kanadische Pharmakonzern steht an den Märkten unter Druck, weil neuerdings auch wegen der Verbindung zu der Online-Apotheke Philidor ermittelt wird. (Foto:dpa)


Als hätte der kanadische Pharmakonzern Valeant mit dem Vorwurf der Bilanzmanipulation, Gewinnwarnungen und Zweifeln am Geschäftsmodell nicht genug Probleme. Nun ermittelt die Justiz auch wegen früherer Verbindungen zur inzwischen geschlossenen Onlineapotheke Philidor. Der Verdacht: Der Konzern habe darüber teure Arzneimittel in den Markt gedrückt und Versicherer hinters Licht geführt.

Eigentlich hatte das Management von Valeant seinen Aktionären versprochen, dass das Unternehmen auf einem guten Wege zum Turnaround sei; die größten Probleme lägen hinter Valeant. Doch an dieser Aussage kommen Zweifel auf. Denn die Justiz untersucht derzeit die Beziehung des Pharmakonzerns zu der Spezialarznei-Onlineapotheke Philidor aus Philadelphia, wie der Branchendienst Fierce Pharma mit Bezug auf das Wall Street Journal (WSJ) mitteilte. Die Verbindung zwischen dem Konzern und der Apotheke hatte bereits seit Längerem den Argwohn von Investoren, Medien und der Wall Street geweckt. Neu ist allerdings der Vorwurf, Valeant habe Versicherer hinters Licht geführt, indem das Unternehmen auf diesem Wege seinen Umsatz aufgebläht, die Verbindung aber unter der Decke gehalten habe.

„Wir kooperieren während der Untersuchungen vollständig mit den Behörden, und wir stehen in einem engen Austausch mit der Staatsanwaltschaft des südlichen Distrlkts von New York“, teilte Valeant mit. Die Behörde geht insbesondere der Frage nach, ob die Apotheke gegenüber Versicherern falsche Angaben über ihr Verhältnis zu Valeant gemacht hat. Der Vorwurf lautet, dass sich Philidor gegenüber den Versicherungen als neutral ausgab, während die Apotheke tatsächlich enge Beziehungen zu Valeant pflegte, vorzugsweise dessen Arzneimittel vertrieb und versuchte, in den Genuss von Erstattungen durch die Krankenkassen zu kommen. Darüber hinaus soll die Apotheke Rabatte und andere Kompensationen gegenüber Valeant-Kunden gewährt haben.

Valeant geriet laut Fierce Pharma wegen seiner Verbindungen zu Philidor bereits im Oktober des vergangenen Jahres erstmals in die Kritik. Damals habe ein Short-Seller dem Unternehmen vorgeworfen, Philidor zu benutzen, um seinen Umsatz künstlich zu steigern. Zudem kam der Vorwurf auf, Philidor würde Rezepte fälschen, um vermehrt Arzneimittel von Valeant zu verkaufen. Wenngleich Philidor die Vorwürfe zurückwies, kappte Valeant die Beziehungen zu Philidor. Kurze Zeit später stellte die Online-Apotheke ihren Geschäftsbetrieb ein.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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